Ich bin nicht der oberste Techniker der Nation. Wolfgang Schäuble

Machos braucht kein Mensch

Nichts Böses ahnend, wird man während eines Basketballspiels auf einmal Zeuge der Dreharbeiten zu einer zukünftigen Fernsehshow namens Macho-Camp.

Jedem, dem sich einmal die Gelegenheit bietet, sei ein Besuch in der O2-World anlässlich eines Spiels von Alba Berlin empfohlen. Die Stimmung ist gleichsam beeindruckend und ansteckend, auch für die Nicht-Basketball-Experten unter uns. Es ist immer wieder ein Erlebnis. Gleichermaßen am vorigen Mittwoch beim Spiel gegen Würzburg. Ob der sehr harten Spielweise der Gäste aus Franken, war es leider kein schönes Spiel, aber letztendlich verließen die Albatrosse das Spielfeld als Sieger. Und das ist es ja, was für den Berlin-Fan am meisten zählt.

Spektakel in der Halbzeitpause

Um das Spiel selber soll es an dieser Stelle allerdings gar nicht gehen, sondern um das – nennen wir es interessante – Spektakel während der Halbzeitpause.

Während sich ein Großteil der Fans zum Rauchen, Essen, Bier holen oder sonstigem Beinevertreten aus der Halle begab, wurde der Rest, inklusive mir, Zeuge einer Fernsehaufzeichnung. Es handelte sich hierbei um die letzte Etappe einer RTL-Sendung namens „Macho-Camp“. Kein Witz. Ausstrahlung irgendwann im April. Ich habe keine Ahnung, worum es dabei genau geht, aber allein der Name löst bei mir schon eine ganze Menge unangenehme Assoziationen aus.

Am Mittwoch waren nun also zwei Kandidaten dazu aufgefordert, in aller Öffentlichkeit ihrer jeweiligen Freundin eine Liebeserklärung zu machen. Für die Siegerkürung war das Publikum zuständig; es sollte für den jeweiligen Favoriten möglichst laut klatschen. So weit, so klar. Und trotzdem kam es ganz anders.

Zunächst einmal fielen die Liebeserklärungen unglaublich mau aus. Geschmäcker sind ja bekanntlich und zum Glück verschieden, aber bitte schön – dann sollen zwei junge Männer ihrer Traumfrau ihre Liebe gestehen und dann drucksen die da allen Ernstes rum, von wegen ihnen würde alles leid tun und ach ja, Spiel und Stimmung in der Halle seien übrigens richtig gut? Meinten die das wirklich ernst? Das Lob an die Fans könnte man als Versuch ansehen, das Publikum auf eine Seite zu bekommen, aber da kannten die beiden, zugegeben nicht aus Berlin stammenden, Kandidaten die Berliner Basketballfreunde schlecht: Sie wurden gnadenlos ausgebuht. Der Hallensprecher startete dann noch einen zweiten Versuch der Abstimmung, aber auch da wurde deutlich mehr gepfiffen als geklatscht. Demnach obliegt die letztendliche Entscheidung nun RTL. Viel Glück.

Schwachsinnige Idee

Ich habe auch gebuht, und zwar nicht zu knapp. Auch jetzt, mit dem Abstand von ein paar Tagen, könnte ich mich beim bloßen Gedanken an den Abend noch mächtig aufregen. Und leider liegt das nicht am bösen Foul von Jason Boone an Bryce Taylor, sondern an den Machern dieses neuen Formats. Wer ist denn bitte schön auf so eine schwachsinnige Idee gekommen? Wer will denn eine Show namens „Macho-Camp“ sehen? Und nachdem wir in der vergangenen Woche auf The European die Debatte darüber geführt haben, wie es um die Emanzipation in unserem Land steht in Zeiten von „Germany’s Next Topmodel“ und „Der Bachelor“, muss man hier ganz klar die Frage nach dem Männerbild stellen – was treibt zwei junge Männer Anfang 20 zur Teilnahme an solch einer Show? Hier würde ich mir tatsächlich einmal wünschen, dass es nur des Geldes wegen wäre. Und warum musste das Ganze eigentlich bei einem Spiel der Basketball-Bundesliga stattfinden?

Ganz offensichtlich gehöre ich nicht zur Zielgruppe und die Tatsache, dass man offenbar von einer ausreichend großen Zielgruppe ausgeht, als dass sich die Produktion einer solchen Sendung fürs Privatfernsehen lohnen würde, widert mich an. Ich hoffe inständig, dass man die Aufnahmen vom Mittwoch ob der vielen lauten Pfiffe nicht gebrauchen kann. Das würde mir eine unglaubliche Genugtuung verschaffen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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