Von den meisten Menschen wird Gott als eine Art Kundendienst betrachtet. Ilona Bodden

Tausend kleine Blasen

Den Großstädter dürstet es stets nach Neuem – und so entsteht bei Nachfrage auch ein Angebot für jeden Geschmack. Bubble Tea muss man trotzdem nicht mögen.

Kennen Sie Bubble Tea? Das ist ein süßer grüner oder schwarzer Tee, dem Fruchtsirup oder Milch hinzugefügt werden sowie Kügelchen aus Tapioka, den Bubbles. Das Ganze kann man kalt oder warm trinken, je nach Jahreszeit und persönlichen Vorlieben.

Würstchen, Gemüse, Bubble Tea

Man könnte jetzt meinen, dass in der Hauptstadt sonst nix los wäre, dass wir hier jetzt schon über Tee mit seltsamen Namen schreiben müssen. Dem ist natürlich nicht so. Die Flugrouten, die S-Bahn, die Piraten oder Meinungen über unsere Denkmäler – Heiner Geißler bezeichnete in dieser Woche die Siegessäule als „das dümmste Monument der Republik“ –, all das beschäftigt uns natürlich auch weiterhin.

Gesellschaftliche Phänomene darf man dabei aber nicht vernachlässigen. Seit einiger Zeit sprießen in ganz Berlin Bubble-Tea-Shops aus dem Boden. Allein in einem Umkreis von 50 m rund um die The-European-Redaktion in Berlin-Mitte gibt es drei Läden. Sogar auf dem wöchentlichen Markt findet man inzwischen einen Stand. Zwischen Mützen, Würstchen, Schmuck und Gemüse kann der geneigte Teetrinker nun auch Bubble Tea erwerben. Vielleicht habe ich inzwischen einen besonderen Blick dafür entwickelt, aber nahezu täglich entdecke ich auf meinem Weg durch die Stadt neue Läden. In einigen ist es inzwischen sogar zu einer Fusion mit den vorherigen Trends gekommen – Bubble Tea, Frozen Yogurt und Cupcakes und das in einem Laden – da bleiben keine Wünsche offen.

Um mir jetzt nicht vorwerfen lassen zu können, ich würde über etwas berichten, wovon ich keine Ahnung hätte, habe ich diese Woche den Bubble-Tea-Selbstversuch gewagt. Für den stolzen Preis von 3 Euro bekam ich einen zugeschweißten Plastikbecher voll heißem schwarzen Tee und Milch, auf dessen Boden sich die schwarzen Tapioka-Kügelchen stapelten. Beim Süßheitsgrad konnte ich wählen zwischen „eher süß“ oder „eher nicht so süß“. Ich entschied mich für Letzteres. „Also nur 50 Prozent statt 70 Prozent Zucker“, antwortete mir die nette asiatische Verkäuferin. Erst danach entdeckte ich die Informationstafel neben der Kasse, auf welcher stand, dass alles bis 20 Prozent „healthy“ sei. Wie würde nun aber der Geschmackstest ausfallen? Furchtbar süß, zunächst aber ganz lustig, weil die Tapioka-Perlen auch mit durch den Strohhalm flutschen. Erlebnis-Trinken sozusagen, zumal man noch etwas auf den Stärkekugeln herumkauen kann bzw. muss. Das hilft gegen den kleinen Hunger. Aber es brauchte nicht einmal den ganzen Becher, um festzustellen, dass ich, obwohl ich Tee und sogar Tee mit Milch an sich furchtbar gerne trinke, keine Bubble-Tea-Anhängerin werde. Die übrigen Redaktionsmitglieder übrigens auch nicht.

Es bleibt spannend

Nun sind Geschmäcker ja bekanntlich verschieden und das ist fantastisch. Aber ich frage mich ernsthaft, wie solche Trends entstehen. All denjenigen, die meinen, hier würden die dummen Deutschen mal wieder einem Trend aus den USA hinterherrennen, sei hiermit sofort der Wind aus den Segeln genommen, denn Bubble Tea ist tatsächlich eine asiatische Erfindung. Diese ist allerdings auch in den USA ein Hit. Aber mit der Eröffnung eines Geschäfts ist ja auch ein unternehmerisches und nicht zuletzt ein persönliches Risiko verbunden. Die am Anfang neuer Trends vorhandene Neugier wird abebben. Dazu muss man kein Prophet sein. Das bedeutet allerdings, dass nicht alle der Läden Bestand haben werden. Wer weiß, was dann kommt. Es bleibt also spannend.

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