Ich hatte manchmal das Gefühl, ich bin eher Inhaber einer Reparaturwerkstatt. Kurt Georg Kiesinger

Tschüss 2011!

Noch zwei Tage und dann ist das Jahr 2011 vorbei. Zeit, um auf das Jahr in der Hauptstadt zurückzublicken.

Zugegeben, im Vergleich mit dem Rest der Welt ist in Berlin im Jahr 2011 relativ wenig Relevantes passiert. Denn was sind schon geplatzte Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen gegen den Arabischen Frühling, die Katastrophe von Fukushima oder die abscheulichen Taten von Anders Behring Breivik?

Aber natürlich hat sich in diesen 365 Tagen auch einiges in der Hauptstadt zugetragen. Spannend und abwechslungsreich war es auch.

Gestatten, Orange

So brachte die Wahl im September eine neue Farbe ins politische Spiel, das Orange der Piraten. Das FDP-Gelb ist hier nicht einmal mehr in den Bezirksversammlungen vertreten und man konnte doch tatsächlich etwas Mitleid mit den Liberalen entwickeln. Das wurde allerdings schnell von den Koalitionsverhandlungen verdrängt. Sah zunächst alles nach einer rot-grünen Liebesheirat aus, wurde dann doch nichts daraus und die Berliner Öffentlichkeit wurde Zeuge, wie sich eine Partei – die Grünen – zerlegt. Die Einigung mit der CDU erfolgte dann erstaunlich schnell, aber ach: auch hier gab es einen Skandal. Nach nicht einmal zwei Wochen im Amt musste sich der Justiz- und Verbraucherschutzsenator Michael Braun auch schon wieder verabschieden. Einen Nachfolger gibt es noch immer nicht; offenbar ist so ein Senatoren-Job in Berlin nicht so attraktiv.

Hertha BSC ist wieder erstklassig! Und zur Winterpause steht die Mannschaft auf einem guten Platz im Mittelfeld. Allerdings trennten sich der Verein und Markus Babbel kürzlich auf eher unschöne Art und Weise. Zwar ist mit Michael Skibbe schon der Nachfolger im Amt, aber ich weiß auch nicht, so richtig warm werde ich mit den Blau-Weißen nicht. In Sachen Fußball geht der Sympathiepunkt eindeutig an Union, letzter Anlass ist die Alte-Försterei-Aktie. Finde ich irgendwie cool. Aber egal, sportlich schlägt mein Herz in dieser Stadt eh für Alba Berlin.

Die unschönen Dinge nicht vergessen

Es gab auch eine Menge unschöne Dinge. So wurden im Februar am Bahnhof Lichtenberg und im April im Bahnhof Friedrichstraße Menschen auf brutalste Weise verprügelt, einer fiel sogar ins Koma. Gerade in diesen Tagen rund um Weihnachten sind die Gedanken bei den Opfern und den Angehörigen. Das ganze Jahr über gingen in Berlin Autos in Flammen auf, gleich zwei Mal wurde das Anton-Schmaus-Haus der Falken Ziel eines Brandanschlags, und auch auf die Berliner S-Bahn wurden Anschläge verübt.

Natürlich ist in den vergangenen zwölf Monaten noch viel mehr passiert: die S-Bahn bereitet uns immer noch mehr Leid als Freude, Eisbär Knut ist tot, der Bau der Berliner Mauer jährte sich zum 50. Mal, die Deutschlandhalle steht nicht mehr, Liebig 14 wurde geräumt, der Papst war da, die Proteste um die geplanten Flugrouten im Zusammenhang mit dem neuen Großflughafen BBI dauern an und verdrängen dabei andere wichtige Themen wie z.B. die Herabstufung einiger Mitarbeiter auf Osttarif durch den Umzug von Tegel nach Schönefeld, das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM vor beeindruckender Kulisse im Olympiastadion und bestimmt noch tausend Dinge mehr.

Ich habe keine Ahnung, was das kommende Jahr bringen wird. Langweilig wird es in und um Berlin aber sicher nicht. Ich freue mich darauf und wünsche Ihnen allen einen guten Start und ein schönes sowie erfolgreiches 2012.

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