Diäten wirken immer nur so lange, wie man sie einhält. Daniel Küblböck

Es ist immer Winter

Noch liegt kein einziges Schneeflöckchen in der Stadt, aber die Berliner S-Bahn fährt trotzdem nicht. Ein weiteres Kapitel in einer schier unendlichen Geschichte.

Voriges Jahr zu dieser Zeit hatten die Berlinerinnen und Berliner schon ihre liebe Mühe mit dem Winterwetter. Dagegen herrschen jetzt noch fast frühlingshafte Temperaturen. Ich persönlich finde es ja sehr schade, dass die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten bei mageren zehn Prozent liegt, weil es für mich kaum etwas Schöneres gibt als eine schneebedeckte Landschaft. Aber ein Gutes hatte das Wetter bislang doch: die S-Bahn fuhr. Das hatte man ja als Lehre aus den vergangenen Jahren ziehen können. Sobald sich nur der Hauch einer Schneeflocke ankündigt, sind Fahrpläne Makulatur. Aber seit gestern wissen wir: haha! Einen Scheißdreck wissen wir! Nichts ging, Totalausfall bei der S-Bahn. Und das alles wegen eines Vorfalls im Stellwerk Halensee. Die Krisenkommunikation lief gestern noch ein wenig schlechter als sonst, da die gesamte Pressestelle der S-Bahn just für diesen Tag ihre Adventsfeier angesetzt hatte und demnach nicht erreichbar war. Und nein, man fuhr nicht Bahn, sondern Bus und Dampflok-gezogenen Zug. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Triumphzug des Galgenhumors

Der Berliner meckert gern und viel und der Berliner Charme ist berühmt-berüchtigt. In Bezug auf die S-Bahn macht sich inzwischen aber vor allem Resignation breit. Kostproben des vorherrschenden Galgenhumors kann man im Liveblog vom Tagesspiegel nachlesen und selbstverständlich auch bei Twitter. So schrieb z.B. Max Winde:


Und genau das ist es. Wie kann es sein, dass ein einziges popeliges Stellwerk über die Bewegung in dieser Stadt entscheidet? Und das ist auch nicht der erste Vorfall mit diesen Folgen. Im Mai dieses Jahres brannte am Bahnhof Ostkreuz eine Kabelbrücke ab. Auslöser war damals ein Anschlag, der so nicht vorherzusehen war. Und trotzdem: Die Täter hatten offenbar das Weltkabel erwischt. Es fuhr nicht nur keine Bahn mehr, bei vielen Menschen fielen auch noch Telefon, Internet, Fernsehen und zum Teil auch die Handys aus. Auch hier fragt man sich: Wie kann das sein? Und weiter: War das schon immer so und die S-Bahn hatte in den letzten zwei Jahren nicht nur Unglück, sondern auch noch Pech? Oder liegt hier noch mehr im Argen, als wir bisher dachten? Ich befürchte ja eher Letzteres, zumal es nicht so ist, dass ansonsten alles dufte wäre mit der S-Bahn: zu wenig Züge, zu viele kranke Fahrer und zusätzlich noch große Umbaumaßnahmen wie am Bahnhof Ostkreuz. So habe ich am vergangenen Wochenende für die zwei Stationen vom Ostbahnhof zum Ostkreuz nahezu 30 Minuten gebraucht; und nein: nicht zu Fuß.

Ein Weihnachtsgeschenk-Tipp

Egal wie, uns als Kunden sind schlichtweg die Hände gebunden und unsere Leidensfähigkeit wird immer wieder auf die Probe gestellt werden. Aus den Vorfällen von gestern sollten wir wohl folgende Lehre ziehen: Bei der Berliner S-Bahn muss man sich offenbar immer auf Winter einstellen. Und hey, in Berlin kann man immer was erleben. Es bleibt abzuwarten, was passiert, wenn es bald wirklich schneien und frieren sollte. Die Investition in warme Kleidung lohnt sich in jedem Fall. Zum Glück ist bald Weihnachten.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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