Wenn wir uns überall einmischen wollen, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann riskieren wir den dritten Weltkrieg. Helmut Schmidt

Mahlzeit!

In Berlin kann man zwar jederzeit etwas zu essen bekommen, aber die Qualität lässt doch zu oft stark zu wünschen übrig. Das liegt aber nicht daran, dass man hier nicht kochen könnte, wie die 13 Michelin-Sterne beweisen.

Kürzlich sind wieder die Michelin-Sterne vergeben worden und Berlin hat mit nunmehr 13 Sternen im deutschlandweiten Vergleich weiterhin die Nase vorn. Zwar gibt es noch immer kein Restaurant mit drei Sternen, dafür gab es in der Zwei-Sterne-Kategorie Zuwachs: das Lorenz Adlon und das Reinstoff. Das Fischers Fritz behält seine beiden Sterne. Enttäuschungen gab es auch und so sind einige als Favoriten gehandelte Köche leer ausgegangen, wie z.B. Michael Hoffmann aus dem Margaux.

Nun sind die prämierten Restaurants weiß Gott nicht für jeden erschwinglich, aber ich zumindest verbinde mit diesen Auszeichnungen eine gewisse Hoffnung. Die Hoffnung, dass sich die gehobene Qualität auch auf die „normale Küche“ niederschlägt.

Was essen wir heute?

Jeden Tag stehen wir in der Redaktion erneut vor der Frage, wo wir denn unsere Mittagspause verbringen werden. Und es ist jedes Mal wieder ein Krampf, etwas Gutes für einen annehmbaren Preis zu finden. Dazu sei gesagt, dass es rund um den Hackeschen Markt theoretisch zumindest auch eine sehr große Auswahl gibt. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein. Denkste! Vieles lässt sich unter dem Schlagwort „liebloser Fraß“ zusammen fassen. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat dabei tatsächlich die Currywurst- und Pommes-Bude, aber das ist auch nicht jedermanns Geschmack und schon gar nicht jeden Tag. Und auch wenn man sich preismäßig mal etwas „gönnt“, beschleicht einen oft das Gefühl man würde mit seinem Preis für das Essen die hippe Inneneinrichtung bezahlen.

Das Tolle an Berlin ist, dass man hier zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas zu essen bekommt. Das hat schon so manchen Abend gerettet. Ausgesprochen bedauernswert ist hingegen die Qualität. In der Oranienburger und der Simon-Dach-Straße, wo sich eine Lokalität an die andere reiht, ist diese oft unterirdisch. Dazu kommen noch hohe Preise und mieser Service. Und nein, es geht nicht als Berliner Charme durch, wenn man ein Bier über den Latz gekippt bekommt und statt einer Entschuldigung nur einen genervten Blick erhält.

Warum geben wir uns mit so wenig zufrieden?

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das so ist bzw. sich offenkundig nichts ändert. Vielleicht bin ich etwas kritischer als andere, was Essen betrifft, aber ich bin doch wohl nicht die Einzige, die mit diesem Zustand unzufrieden ist? Warum setzen sich die Perlen, die es dann ja zum Glück doch gibt, nicht gegen die geschmacklose Masse durch? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass Lebensmittel in Deutschland sehr günstig zu haben sind, im Vergleich z.B. zu unseren französischen Nachbarn. Sind wir vielleicht auch deshalb bereit, Abstriche in der Qualität hinzunehmen, nicht zuletzt auch der Lebensqualität, weil wir aufgrund der Preisgestaltung die Produkte nicht genug schätzen?

Deutschlands Ruf im Ausland in Bezug auf Essen hat sich ja zum Glück über die letzten Jahre hinweg stetig verbessert. Vielleicht fällt einem nicht unbedingt als erstes die deutsche Küche ein, wenn man an feines Essen denkt, aber die Zeiten, in denen Clemens Wilmenrod als Kochinspiration diente, sind glücklicherweise schon lange vorbei. Kochsendungen im Fernsehen erzielen seit Jahren tolle Einschaltquoten. Warum also geben wir uns mit so wenig zufrieden, wenn wir auswärts essen gehen?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexandra Schade: Merkwürdige Parallelwelt

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