Über Stock und Stein

von Alexandra Schade19.08.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Die S 45 rollt wieder! Damit haben Touristen seit zwei Jahren endlich wieder eine realistische Chance, die Stadt, in der sie gelandet sind, auch zu Gesicht zu bekommen. Für den letzten Zeitzeugen des Normalfahrplans kommt das allerdings zu spät.

Liebe Leser, vielleicht sollten Sie sich jetzt lieber hinsetzen, denn es gibt tatsächlich gute Neuigkeiten von der Berliner S-Bahn: “Die S 45 fährt ab Ende Oktober wieder(Link)”:http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1735770/S-Bahn-faehrt-wieder-vom-Suedkreuz-nach-Schoenefeld.html. Nach mehr als zwei Jahren verkehrt die Linie dann wieder zwischen dem Flughafen Schönefeld und dem Südkreuz. Warum das bedeutend ist? Zusammen mit der S 9 gibt es dann wieder einen 10-Minuten-Takt in Richtung des zukünftigen Großflughafens BBI.

Provinz, Provinz und noch mal Provinz

Das ist nicht nur für die Reisenden angenehm, sondern führt in meinen Augen auch zu einem Imagegewinn für die Hauptstadt. Denn welches Bild vermittelte sie bislang an ihrem südöstlichen Rand? Provinz, Provinz und noch mal Provinz. Wie oft stand ich schon hier und wartete eine gefühlte Ewigkeit, zusammen mit zig Touristen, weil ich gerade die S-Bahn verpasst hatte und womöglich auch noch die Regionalbahn bzw. die mich nicht an mein Ziel gebracht hätte? „Willkommen in der Weltstadt Berlin, aber Sie müssen sich leider noch etwas gedulden, bis Sie sie zu Gesicht bekommen.“ Das ist doch peinlich. Zumal der Bahnhof Schönefeld auch wirklich nicht zu den schönsten seiner Art zählt. Und halten Sie sich fest, es geht noch weiter mit den guten Nachrichten: Da nun offenbar wieder mehr Wagen zur Verfügung stehen, können die Züge der Linien 1 und 7 wieder auf 6 bzw. 8 Wagen verlängert werden. Dann fühlt man sich vielleicht endlich nicht mehr wie eine Sardine in der Dose. Das alles soll natürlich nicht über die noch immer katastrophale Situation hinwegtäuschen. Die Unannehmlichkeiten werden uns noch eine ganze Weile begleiten. Die Rückkehr zum Normalfahrplan wird immer weiter nach hinten verschoben. Man kann sich auch jetzt schon auf die Probleme in den Wintermonaten einstellen, sobald nur eine Schneeflocke quer auf den Gleisen liegt. Und wer weiß, was die Zukunft bringt, schließlich läuft der Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn 2017 aus und von Teilausschreibung einzelner Linien bis zu einer Übernahme durch die BVG scheint alles möglich.

Uns sind doch allen die Hände gebunden

Erstaunlich ist jedoch, wie schnell man sich an das ganze Übel gewöhnt hat. So hatte ich z.B. ganz vergessen, dass es die S 45 überhaupt gibt. Man wird seltsam gleichmütig, wenn man mal wieder über Verspätungen wegen Signalstörungen liest oder es auf dem Bahnsteig aus dem Lautsprecher plärrt: „Der Zug nach XY, fahrplanmäßige Abfahrtszeit war um 9.07 Uhr, fällt ersatzlos aus. Der nächste Zug in voraussichtlich 20 Minuten.“ Interessanterweise funktioniert alles irgendwie trotzdem. Zum Glück gibt es die BVG, die eine ganze Menge auffängt und auch das Fahrrad erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Ob es da einen direkten Zusammenhang gibt? Keine Ahnung. Sarkasmus bleibt natürlich nicht aus. Was soll man auch anderes tun, schließlich sind uns doch allen in dem Fall die Hände gebunden. So veröffentlichte der „Kojote“ im Mai dieses Jahres bereits einen Nachruf auf Albert Schlotz, “„den letzten Zeitzeugen des Normalfahrplans der Berliner S-Bahn“(Link)”:http://www.kojote-magazin.de/2011/letzter-zeitzeuge-des-normalfahrplans-der-berliner-s-bahn-verstorben/3626/, welcher im Alter von 107 Jahren gestorben war. So weit kommt es hoffentlich nicht. Übrigens: „Schlotz starb am Sonntag an Auszehrung, als er auf einen Zug der S 45 wartete.“ Das kann jetzt immerhin nicht mehr passieren.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Frau Weidel: Was hat es zu bedeuten, dass ich per Google nur Schweigen der AfD zu dieser Frage vorfinde?

Nach dem Attentat in Halle hat Boris Palmer (Die Grünen) an Alice Weidel (AfD) einen Offenen Brief geschrieben und fragt: "Wäre es nicht notwendig, dass Sie zu dieser Tatsache eine politische Bewertung abgeben? Wie stehen Sie dazu, dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wieder zu Morden

Erdogan will die Tore bis Wien öffnen

Trumps wilder Rückzug aus Syrien macht Erdogan den Weg frei für seinen historischen Masterplan: Ein Eroberungsfeldzug zur Wiederherstellung des Osmanischen Reiches. Nicht nur die Kurden sind in Gefahr. Auch Europa droht gewaltiges Ungemach.

„Das Volk gegen seine Vertreter“ lautet Johnsons Devise

Der Mann hat keine Skrupel. Er agiert in einem bemerkenswert polemischen Wahlkampfmodus. Da wird das Florett der Rhetorik beiseitegelegt und zum rostigen Beil gegriffen. Boris Ziel sind Neuwahlen, weil er hofft, dass ihm die Wähler Recht geben und sich gegen ihre Vertreter im Unterhaus wenden werde

Fünf Gründe warum die Linkspartei an Geltungskraft verliert

Einst regierte die LINKE den Osten unisono und war als Kümmererpartei allgegenwärtig. Der deutsche Osten der Puls und die Partei seine Herzkammer. Doch die Windrichtung hat sich geändert, die Herzen auch: Die LINKE ist im Abschwung und verliert an Atem, ihr droht der Infarkt, wenn nicht gleich de

"Sag' mir, wo du stehst!"

Kann man den Klimawandel als ernstes Problem betrachten und trotzdem genervt sein von der allgegenwärtigen Klimapropaganda?

Die Menschen werden sich nach Angela Merkel später sehnen

In Thüringen wird Ende Oktober ein neuer Landtag gewählt. Schafft es die CDU mit Mike Mohring das linksgrüne Bündnis von Bodo Ramelow abzulösen? "The European" hat den Preisträger des "SignsAwards“ getroffen und sprach mit ihm über das System Volkspartei, über die Zukunft Europas und über

Mobile Sliding Menu