Kein Frontalunterricht mit den Lesern

von Alexander Wendt4.09.2017Medien, Wirtschaft

Wie steht es eigentlich mit der Pressefreiheit in der Schweiz? Gleichgeschaltete Medien wie in Deutschland?

Wo es eine Lückenpresse gibt, existiert auch eine Lückenfüller-Presse. Es ist die Presse der Schweiz, an den deutschen Kiosken und Online bequem zu haben. Der Ton ist ein völlig anderer: kein Frontalunterricht mit den Lesern. Keine journalistischen Filterblasen. Eine deskriptive und keine normative Haltung zur Welt. Mir geht es nicht darum, jeder einzelnen Schweizer Zeile per se einen höheren Wahrheitsgehalt zuzuschreiben, sondern in der kleinen willkürlichen Übersicht zu zeigen, wie eine deutschprachige Presselandschaft gleich neben uns aussieht. Vor dem Kontrast wird deutlich, wo die deutschen Medien bis auf sehr wenige Ausnahmen gelandet sind.

“Opferstatus je nach Weltanschauung. – Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass nach diesem Anschlag in Barcelona die Jusos Schweiz wiederum eine Demonstration abhalten wird, um der Opfer zu gedenken und eine Schweigeminute vor der spanischen Botschaft abzuhalten. Im Gegensatz zu Heather Heyer waren die in Barcelona und Cambrils Getöteten ‘nur’ Passanten und Touristen aus 18 Nationen, welche auf der Stellenwertskala der Juso viel tiefer liegen dürften als eine Demonstrantin mit der politisch korrekten Gesinnung, welche sich gegen einen rechten Aufmarsch aufgelehnt hat. Ansonsten müssten die linken Kreise täglich gegen die Unterdrückung der Opposition in Venezuela …demonstrieren.” (Basler Zeitung, 25. 8. 2017)

“Trump verurteilt Gewalt von rechts.” (Neue Zürcher Zeitung, 16. 8.2017)

“Die Quote für Elektroautos steht für einen planwirtschaftlichen Irrglauben, der uns in die nächste Krise führen könnte.” (Neue Zürcher Zeitung, 16. 8.)

“Der Draghi-Chrash ist nur eine Frage der Zeit.” (Neue Zürcher Zeitung, 2. 8.2017)

“Was man nicht hören kann, kann auch nicht schaden. Mit diesem Argument bestreitet die Windindustrie, dass der Infraschall von Windrädern krank macht. Möglicherweise macht sie es sich zu leicht.” (Neue Zürcher Zeitung, 26. 7.2017)

“Christen im Nahen Osten: Keine Zukunft, nirgends.” (Neue Zürcher Zeitung, 15. 7.2017)

“Multikulti führt zur Abkapselung.” (Neue Zürcher Zeitung, 28. 6.2017)

“Ob ich frauenfeindlich oder linksradikal bin, geht den Staat nichts an. Es muss ihm genügen, dass ich mich an die Gesetze halte.” (Thomas Ribi in der Neuen Zürcher Zeitung 29. 6.2017)

“Die Leute haben pure nackte Scheissangst.” Seyran Ates über den Druck der Konservativen nach der Eröffnung der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin.” (Neue Zürcher Zeitung, 29. 6.2017)

“Es gibt einen Zusammenhang von Zuwanderung und Sicherheit, von Islam und Terror, auch wenn es viele abstreiten.” (Bassam Tibi in der Basler Zeitung, 22.6.2017)

“Merkel hob in ihrer Begrüßungsrede das Potential der Staaten Afrikas hervor, nicht ohne auf ihre Lieblingsthemen wie Erneuerbare Energien und Digitalisierung, die nicht jedem als Erstes einfielen, hinzuweisen…Darauf, dass die zur Verfügung gestellten 300 Millionen Dollar angesichts der Entwicklungsperspektiven geradezu lächerlich sind, ging sie wohlweislich nicht ein.” (Neue Zürcher Zeitung, 14. 6.2017)

“Jihadisten besiegt man nicht mit kindischen Ritualen.” (Eugen Sorg in der Basler Zeitung, 3.1.2017 )

“Offensichtlich sind wir nicht viel gescheiter geworden. In manchen Belangen sogar eher ¬dümmer. Auf jeden Fall wäre es keinem unserer Vorfahren je in den Sinn gekommen, auf einen kräftigen, Axt und Krummdolch schwingenden Jihadisten zuzugehen und ihn nett zu fragen, was er mit den Geräten zu tun gedenke. Auf eine solch wahnwitzige Idee kann nur ein Experte der Kriminalpsychologie kommen.” (Eugen Sorg in der Basler Zeitung 2. 8. 2016).

Quelle: “Steinhöfel — Liberal – Konservativ – Unabhängig”:https://www.steinhoefel.com/2017/08/die-schweizer-zeitungen-sind-das-neue-westfernsehen.html

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