Kritik zu „Hart aber fair“ vom 02.03.2015 | The European

Plasberg, Playboy-Models und Platzhirsche

Alexander Wallasch3.03.2015Gesellschaft & Kultur

Was anfangs ein trostloser Abend zu werden schien, entpuppte sich als unterhaltsame Diskussion. Alexander Wallasch war live dabei.

2962f8661f.jpeg

Photocase

Ampelmännchen oder -frauchen? Was gestern Abend bei Plasbergs „Hart aber fair“ zunächst vermuten ließ, ziemlich Banane zu werden, entpuppte sich als veritable und überaus unterhaltende Streiterei. Auch der Moderator war gut aufgelegt, wie nicht in jeder Sendung davor. So ließ er sich kaum eine Gelegenheit entgehen, die eine oder andere Ungereimtheit nachzuhaken.

Lustig war es auch. So, als die Kamera während der Anmoderation einfach mal zu lange an den Hosen des Herrn Plasberg hängen blieb – natürlich in Anlehnung an den Fall FDP-Katja Suding, bei der sich der Sender bekanntlich entschuldigte, weil sich die „Tagesschau“-Kamera zu lange an ihren Beinen verfing.

Eingeladen war weit über die Quote hinaus: Drei Frauen und nur zwei Männer stiegen in den Ring. Da war zunächst unsere “The-European-Kolumnistin Birgit Kelle(Birgit Kelle)”:http://www.theeuropean.de/birgit-kelle, auf die die Sendung geradezu zugeschnitten schien, man hatte sogar zeitweilig das Gefühl, Plasberg würde diese Ausgabe von „Hart aber fair“ entlang des Inhaltsverzeichnisses des neuen Buches („Gendergaga“, Adeo Verlag) von Frau Kelle gestalten. Birgit Kelle sollte es recht sein, allerdings ist es wohl leider Prinzip der Sendung, keine Bücher in die Kameras zu halten und auch der Moderator verschwieg, was seiner Redaktion augenscheinlich überaus hilfreich war.

So folgte Kelle mit einem dezent eingeflochtenen Hinweis auf ihr neues Buch Frau Anne Wizorek, die zuvor in einem Nebensatz bereits auf ihr Buch verwiesen hatte. Ihre Aufgabe an diesem Abend war Birgit Kelles Konterpart. Zwischen diesen beiden sollte sich also der Streit entzünden, sollte sich die erwünschte Dramatik des Abends aufbauen. Die verbleibenden drei Protagonisten, der Grüne Anton Hofreiter, das FDP-Urgestein Wolfgang Anwalt Kubicki und die Schauspielerin Sophia Thomalla, waren dabei nicht einmal böse, nicht zu gleichen Teilen von der Sendezeit zu profitieren.

Von Quotenmännern und Platzhirschen

Dieser Anton Hofreiter war wahrscheinlich die Überraschung des Abends. So viel hatte man ja zuvor noch nicht gehört von dem bayrischen Quotenmann in der Doppelspitze (neben Katrin Göring-Eckart) des Vorsitzes der Bundestagsfraktion der Grünen. Er, dem man am ehesten zugetraut hätte, den feministischen Diskurs verinnerlicht zu haben, gab mit seinem anschwellenden Bocksgesang, mit einem dunklen und immer wieder viel zu laut werdenden Bariton den Platzhirsch.

Der neben ihm sitzende Kubicki, in Sachen Machotum auch kein Kind von Traurigkeit, jedenfalls kapitulierte, bzw. ergab er sich den putzigen Avancen von Frau Thomalla, indem er von Hofreiter ab- und näher an das Ex-Playboy-Model heranrückte. Welcher Mann könnte ihm das verübeln? Artig bedankte er sich dafür am Ende noch mit einem vollendeten Handkuss, wo er für Frau Kelle nur den Shake über hatte – mag aber auch sein, es lag schlicht an der Distanz, denn um Birgit Kelle gleichberechtigt zu behandeln, hätte er über Thomalla hinwegsteigen müssen.

Offen blieb bei Anton aus München Hofreiter die Frage, wie er es mit diesem testosteronschwangeren CSU-Charme ausgerechnet bei den Grünen geschafft hat, eine Spitzenposition zu erlangen. Sein negativster Moment bei „Hart aber fair“ übrigens, als er mit Verweis auf seinen Biologen-Akademikergrad dem Anwalt Kubicki kurzerhand die Kompetenz absprach und das mit einer kräftigen Obama-mäßigen Rückenpatschgeste noch zu unterstützen wusste.

Anne Wizorek überzeugte argumentativ und als Gesamtpaket. Gerne schien sie bereit, die ihr zugewiesene Rolle der Frau von heute auszufüllen. Negativ nur da, wo sie durch ständiges Unterbrechen auch eine Frau Kelle im Redefluss störte, wie es sonst nur gestandene Machomannsbilder gegenüber Frauen in Talk-Shows vermögen. Ein zaghafter Kelle-Protest bei Plasberg ging zudem noch ins Leere, als jener ungefähr feststellte, solche Unterbrecher würden doch die Diskussion beleben.

Söhne „auf dem Weg zu Opfern der Gesellschaft von morgen“

Und wo also Wizorek und Hofreiter ihre Trümpfe in der Wiedergabe der Rezeption der emanzipatorischen Linken sahen, fühlten sich Kelle und Kubicki gut aufgehoben im Wohlfühlkosmos Familie. Erster brachte seine beiden Töchter ins Spiel und Birgit Kelle ihre zwei Töchter und die beiden Söhne. Auf die Frage Plasbergs, um welche beiden sie sich in der Zukunft mehr sorgen würde, antwortete sie, ohne lange überlegen zu müssen: „Um meine Söhne.“ Die sieht sie – um es zusammenzufassen – eher auf dem Weg hin zu Opfern als zu Tätern der Gesellschaft von morgen.

Der Satz des Abends kam dann allerdings von einer Zuschauerin Linda Meyer, die via eingeblendetem Tweet aus dem Nähkästchen plauderte:

bq. „Je nach Laune spiele ich die hilflose Blondine, die den Ölmessstab nicht findet, oder setze mich beim Chef bei den Beförderungen durch, indem ich Betriebsrat und Frauenbeauftragte mobilisiere. Und wenn ich Lust habe, stufe ich männliche Blicke in die Kategorie sexuelle Belästigung ein.“

Plasberg reagierte blitzgescheit und fragte mit Recht, ob das nicht möglicherweise ein Mann geschrieben haben könnte. Also verdiente er Lacher und Applaus.

PS: Herzlichen Glückwunsch zum 63sten (bei Männern darf man das Alter erwähnen?) an Wolfgang Kubicki, der – so eine verlässliche Quelle – noch bis in die Morgenstunden gefeiert haben soll. Nein, nicht mit Frau Thomalla, sondern wie es sich gehört mit seiner mitreisenden Gattin.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland verspielt außenpolitisches Vertrauen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verändert die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas. Der russische Angriffskrieg zwingt die NATO und die EU dazu, die Bewahrung von Frieden und Freiheit in dem Teil Europas, in dem wir das große Glück haben zu leben, wieder zur vorrangigen politischen Priorit

Stirb, weil Du den Islam kritisierst

Nach dem Attentat auf den Salman Rushdie ist die westliche Intellektuellenszene schockiert. Viele Schriftsteller und Karikaturisten haben schiere Angst, dass auch sie von den Schergen Irans verfolgt werden, sollten sie etwas Islamkritisches veröffentlichen. Ein Klima der Furcht und Selbstzensur bre

Woke sein ist ok – wenn man es denn wirklich ist!

Der rechtskonservative Kongress in Texas, bei welchem unter anderen auch der ungarische Ministerpräsident Orbán eine Rede gehalten hat – hat deutlich gezeigt, dass die Rechtspopulisten etwas geschafft haben, wozu die gesellschaftspolitische Linke nicht im Geringsten in der Lage ist: eine globale

Mehrheit will keine Maskenpflicht mehr

In den vergangen beiden Jahren 2020 und 2021 war der Kampf gegen die Corona-Pandemie das maßgebliche Thema. Die Mehrheit der Bürger sprach sich für strenge Maßnahmen aus. Im laufenden Jahr hat aber nicht nur die Angst um den Frieden in Europa, sondern auch um die Versorgung mit Energie - beides

Der CumEx-Kanzler bald Ex-Kanzler?

Olaf Scholz wird mit voller Wucht von einem alten Skandal eingeholt. Die Details der Hamburger Finanzaffäre werden immer brisanter. Dabei sind die Umfragen für den Kanzler wie für die SPD ohnedies miserabel. Die Linkspartei sieht Scholz schon stürzen. Tatsächlich ist die Ampelregierung alles an

Merkel vor Kohl: So werden die Kanzler seit der Wiedervereinigung bewertet

Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition. Wenn man heute fragt, welcher Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung die Interessen Deutschlands am besten vertritt oder dies getan hat, belegt Alt-Kanzlerin Angela Merkel (38 Proz

Mobile Sliding Menu