Wenn zwei nicht streiten

Alexander Wallasch19.01.2015Innenpolitik

Nach der gestrigen Sendung von Günther Jauch fragt sich unser Kolumnist, wie man im Bekanntenkreis eine vernünftige politische Diskussion führen soll.

Es ist doch erstaunlich, wie schwer es mitunter schon unter Freunden und guten Bekannten sein kann, wenigstens einen Anfangs-Konsens zu erreichen, wenn man sich über bestimmte politische Tagesereignisse austauscht. Wenn man also in einem Milieu zusammenkommt, das prinzipiell die besten Voraussetzungen bietet, irgendeine Schnittmenge in guter Atmosphäre herauszuarbeiten, um dann möglicherweise für ein gemeinsames Besseres darauf aufbauen zu können.

Politische Bildung in Sachsen – klingt ja fast wie Rotwein aus Island

Festgestellt habe ich das heute früh bei der morgendlichen Besprechung der Günther Jauch-Sendung vom Vorabend. Bei mir war da zunächst folgender Eindruck hängen geblieben (in der Kurzfassung):

Jauch angenehm wenig Plasberg. Wenig hinterfotzig. Gute Moderation. Frau Pegida Oertel wurde ihrer Rolle als medial völlig unerfahrener Talk-Gast gerecht, konnte trotzdem ein paar Argumente ihrer Dresdner Bewegung platzieren. Der AfD-Vertreter Alexander Gauland sonnte sich darin, mal ausnahmsweise nur der zweitböseste Onkel der Runde zu sein und genoss das dermaßen, dass er einschlief und durch Nichtexistenz glänzte. Wolfgang Thierse (SPD) verbalisierte in gewohnter Langatmigkeit die ersten Kapitel seines ungeschriebenen Alterswerkes mit dem Titel: „Wunderbare Demokratie“. Jens Spahn (CDU) versuchte es als Agent Provocateur mit einem Täuschungsmanöver, indem er immerfort erklärte, man müsse miteinander reden, „wir müssen ins Gespräch kommen“, meinte aber in Wahrheit: Ihr müsst mir endlich mal zuhören, lernen oder ansonsten die Schnauze halten.

Und dann war da noch Frank Richter, Chef der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der vormachte, wie Dialog geht, freilich ohne dass sich Thierse und Spahn deshalb genötigt sahen, ihre alteingesessenen Polit-Logenplätze mal für den Moment vakant zu stellen. Gut, Richter kann man natürlich den größten Vorwurf machen, als Chef der politischen Bildung Sachsens muss er maximal versagt haben, wenn man von Pegida hält, was die so beschimpfte „Systempresse“ nun mal davon hält. Politische Bildung in Sachsen – klingt ja fast wie Rotwein aus Island. Könnte man zumindest glauben, wenn man sich versehentlich auf die Seite von Thierse und Spahn geschlagen hätte.

Soviel also zu meinem TV-Abend.

Konstruktives Gespräch unmöglich

Meine Freunde sahen die Sendung allerdings teilweise anders. Seltsamerweise stand einheitlich durchgehend der optische Auftritt der Pegida-Organisatorin im Fokus des Interesses. Die Beurteilungen gipfelten in der ziemlich frechen Behauptung, die Dame hätte ausgeschaut wie „eine Mischung aus Margot Honecker und einer Bochumer-Vorstadt-Domina mit einem Strich Daniela Katzenberger“.

Und nun sagen Sie mir doch bitte mal, wie man auf so einer Basis ein konstruktives Gespräch unter Freunden führen soll? Sollte ich erklären, dass ich die Dame eigentlich ganz sympathisch fand? Fand ich ja nur ein bisschen. Einfach, weil mir der Underdog mehr liegt. Ich schaue allerdings solche Sonntagabend-Polittalkshows ungern, ungefähr so gerne wie das Dschungelcamp. Das war dann auch das zweite Thema der Frühstückpausenrunde. Da konnte ich nicht mitreden, denn ich hatte im Anschluss an Jauch „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq zu Ende gelesen. Und das ist dann nochmal eine ganz andere Liga, über die ich mit Freunden kaum diskutieren mag. Da werde ich zum Diktator: Ein Meisterwerk. Ohne jede Diskussion. Rezension folgt.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Boyan Slat ist die bessere Greta Thunberg

Die Schwedin Greta Thunberg gilt als Klimaikone. Aber bei genauer Betrachtung ist die Klimakaiserin nackt! Der smarte Niederländer Boyan Slat hingegen ist weniger bekannt, aber Greta gegenüber mit seinem Klimapragmatismus weit voraus. Aber wer ist der junge Mann aus Delft? Und viel wichtiger: Waru

Kevin Kühnert wird der (über)nächste SPD-Vorsitzende

Ich wette, Kevin Kühnert wird den (noch nicht gewählten) SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und seine Partnerin Saskia Esken ablösen. Sie glauben das nicht? Immerhin hatte ich schon öffentlich eine Wette angeboten, dass die beiden bei der Stichwahl zum SPD-Vorsitz als Sieger hervorgehen,

Was bedeutet der Sieg von Walter-Borjans und Esken?

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sind von der SPD-Basis zum neuen Duo an der Parteispitze gewählt worden. In der Stichwahl setzten sich die beiden Kandidaten klar mit 53,06 Prozent gegen den Vizekanzler Olaf Scholz

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Winfried Kretschmann - Wir müssen die Disruption des öffentlichen Raums verhindern

Wie kann es uns gelingen, die fragmentierte Öffentlichkeit wieder zusammen zu führen? Wie können wir Brücken zwischen der ganzen Fülle unterschiedlichster Gruppen bauen? Müssen wir vielleicht den Ort erst schaffen, an dem ein gemeinsamer Diskurs wieder möglich wird?

Rentner zahlen sechsmal so viel Steuern wie Erben

Rentnerinnen und Rentner, die in diesem Jahr in Rente gehen, zahlen bis zu fünfmal mehr Steuern, als Rentnerinnen und Rentner, die 2010 in Rente gegangen sind. Und das bei gleicher Rentenhöhe, die seitdem real an Kaufkraft verloren hat. Dass die Finanzämter selbst bei einer Bruttorente von 1200 E

Mobile Sliding Menu