Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen. Heiner Geißler

Wenn zwei nicht streiten

Nach der gestrigen Sendung von Günther Jauch fragt sich unser Kolumnist, wie man im Bekanntenkreis eine vernünftige politische Diskussion führen soll.

Es ist doch erstaunlich, wie schwer es mitunter schon unter Freunden und guten Bekannten sein kann, wenigstens einen Anfangs-Konsens zu erreichen, wenn man sich über bestimmte politische Tagesereignisse austauscht. Wenn man also in einem Milieu zusammenkommt, das prinzipiell die besten Voraussetzungen bietet, irgendeine Schnittmenge in guter Atmosphäre herauszuarbeiten, um dann möglicherweise für ein gemeinsames Besseres darauf aufbauen zu können.

Politische Bildung in Sachsen – klingt ja fast wie Rotwein aus Island

Festgestellt habe ich das heute früh bei der morgendlichen Besprechung der Günther Jauch-Sendung vom Vorabend. Bei mir war da zunächst folgender Eindruck hängen geblieben (in der Kurzfassung):

Jauch angenehm wenig Plasberg. Wenig hinterfotzig. Gute Moderation. Frau Pegida Oertel wurde ihrer Rolle als medial völlig unerfahrener Talk-Gast gerecht, konnte trotzdem ein paar Argumente ihrer Dresdner Bewegung platzieren. Der AfD-Vertreter Alexander Gauland sonnte sich darin, mal ausnahmsweise nur der zweitböseste Onkel der Runde zu sein und genoss das dermaßen, dass er einschlief und durch Nichtexistenz glänzte. Wolfgang Thierse (SPD) verbalisierte in gewohnter Langatmigkeit die ersten Kapitel seines ungeschriebenen Alterswerkes mit dem Titel: „Wunderbare Demokratie“. Jens Spahn (CDU) versuchte es als Agent Provocateur mit einem Täuschungsmanöver, indem er immerfort erklärte, man müsse miteinander reden, „wir müssen ins Gespräch kommen“, meinte aber in Wahrheit: Ihr müsst mir endlich mal zuhören, lernen oder ansonsten die Schnauze halten.

Und dann war da noch Frank Richter, Chef der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der vormachte, wie Dialog geht, freilich ohne dass sich Thierse und Spahn deshalb genötigt sahen, ihre alteingesessenen Polit-Logenplätze mal für den Moment vakant zu stellen. Gut, Richter kann man natürlich den größten Vorwurf machen, als Chef der politischen Bildung Sachsens muss er maximal versagt haben, wenn man von Pegida hält, was die so beschimpfte „Systempresse“ nun mal davon hält. Politische Bildung in Sachsen – klingt ja fast wie Rotwein aus Island. Könnte man zumindest glauben, wenn man sich versehentlich auf die Seite von Thierse und Spahn geschlagen hätte.

Soviel also zu meinem TV-Abend.

Konstruktives Gespräch unmöglich

Meine Freunde sahen die Sendung allerdings teilweise anders. Seltsamerweise stand einheitlich durchgehend der optische Auftritt der Pegida-Organisatorin im Fokus des Interesses. Die Beurteilungen gipfelten in der ziemlich frechen Behauptung, die Dame hätte ausgeschaut wie „eine Mischung aus Margot Honecker und einer Bochumer-Vorstadt-Domina mit einem Strich Daniela Katzenberger“.

Und nun sagen Sie mir doch bitte mal, wie man auf so einer Basis ein konstruktives Gespräch unter Freunden führen soll? Sollte ich erklären, dass ich die Dame eigentlich ganz sympathisch fand? Fand ich ja nur ein bisschen. Einfach, weil mir der Underdog mehr liegt. Ich schaue allerdings solche Sonntagabend-Polittalkshows ungern, ungefähr so gerne wie das Dschungelcamp. Das war dann auch das zweite Thema der Frühstückpausenrunde. Da konnte ich nicht mitreden, denn ich hatte im Anschluss an Jauch „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq zu Ende gelesen. Und das ist dann nochmal eine ganz andere Liga, über die ich mit Freunden kaum diskutieren mag. Da werde ich zum Diktator: Ein Meisterwerk. Ohne jede Diskussion. Rezension folgt.

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