Disslike

Alexander Wallasch16.01.2015Gesellschaft & Kultur

Unser Kolumnist wollte eigentlich nur Zigaretten kaufen. Dann stieß er unerwartet auf eine ganze Reihe von Problemen.

Mist, Kippen alle. Muss ich neue holen. Sohn (13) dabei. Ich habe mir 15 Euro in die Jeans gestopft. Da komme ich auf dem Weg zur Kasse und zu den Kippen an dieser „Bald-Abgelaufen-Truhe“ vorbei. Hey! Marken-Joghurts zum halben Preis! Ich packe geizgierig die ersten zehn Stück ein. Sohn schaut. Schaut noch mal. Und zischt dann völlig angewidert: „Disslike!“

Hä? Er, maximal zischig und jetzt noch verzerrtes Gesicht als Bonus obendrauf: „Disslike!!!“ Als ich ungerührt weitere 15 einpacke, erinnert er sich wohl daran, dass er schon ganze Sätze kann: „Sach mal, geeeeeht’s noch? Da sind ROTE Preisschilder drauf! DIIIISLIKE!!!“ Ich denke immer noch, er hat nur wieder so einen Aussetzer und packe ungerührt weitere fünf ein.

„Vergiss es, davon ess’ ich keinen einzigen!“

Ich gehe jetzt trotzig zur Kasse. Wir sind bei Edeka, die Füllige kassiert heute Abend. Die muss man deutlich hörbar grüßen, das weiß ich schon, sonst schmollt sie den ganzen Kassier-Vorgang durch. Ich grüße also nett. Sie lächelt füllig. Dann passiert Folgendes: Sie kann das Disslike!-Zeugs nicht einfach über den Scanner ziehen, sondern muss jeden Joghurt einzeln eintippen. Das wäre für Sohn wohl noch ok gewesen, aber bei jedem Hand-Eintippen ertönt eine Art Gong, ein ziemlich durchdringender Hand-Eintipp-Signalton. Keine Ahnung, warum. Nun gongt das bei 25 handeingetippten Joghurts aber ununterbrochen. Sohn natürlich längst am Ausgang und er macht aus dem Abenddunkel herein den Scheibenwischer beidhändig. Die automatischen Türen öffnen und schließen sich im selben Takt. Und er hat absolut recht: Die Joghurts mögen noch ganz ok sein, aber dieses üble Signalton-Dissen ist eine echte Unverschämtheit! Die Leute hinter und um mich herum schauen, als wäre ich so etwas wie der verhasste Berber-Werner aus der Siedlung.

Die Überfüllige ist auch eine Überkorrekte

Aber nun mal unter uns, hätte der kleine Blödmann mir die Sache mit dem Signalton nicht einfach mal unchiffriert erklären können? Er sitzt übrigens gerade in der Küche und hat in Rekordtempo vier von den Joghurts weggeschlürft. Nun erklärt er gerade, er würde frieren.

Ich reagiere nicht und gehe einfach raus eine rauchen. Smart Menthol für 4,25 Euro. Ich hatte nämlich nicht aufgepasst bei den Joghurts oder die Füllige hatte einmal zu wenig gegongt.

Jedenfalls musste ich die Marlboro für 5,20 Euro wieder demütigst zurückgeben weil 15,75 auf der Uhr waren. Die nun plötzlich unerreichbaren Marlboros hatte ich allerdings recht bequem aus einer Art gesichertem vollautomatischen Kippen-Automaten gedrückt. Die rutschen dann immer wie auf einer Bahre aufs Fließband. Und die lassen sich nun nicht einfach wieder diskret zurücklegen. Und die Überfüllige ist auch eine Überkorrekte, was man ja schon an ihren Grüß-Ritualen hätte erahnen können – jedenfalls mag sie die nicht einfach still zur Seite legen. Dafür muss – kein Witz – extra der schlechtgelaunte Typ mit dem General-Schlüssel hinten aus dem Büro kommen.

Als das nun endlich auch noch erledigt ist, wähle ich besagte billigere Smarts, aber nicht die roten, sondern die grüne Mentholversion. Nein, ich rauche sonst nie Menthol, aber es könnte doch, ich spekuliere schon ganz durcheinander, für die vielen anderen Menschen da draußen, die diesen demütigenden Tausch eben nicht unmittelbar miterlebten, so aussehen, als wären diese Billigkippen doch etwas Besonderes: ein Wallasch-Geheimtipp, oder so!

Nun rauche ich also das grüne Zeugs draußen in der Kälte, während Sohn von viel zu viel rot etikettierten Joghurts saukalt ist. Und wie scheiße diese Smarts schmecken, das brauche ich Ihnen nun sicher auch nicht mehr zu erklären. Und das die eigentlich überhaupt nicht „smart“ hätten heißen dürften, das weiß sogar Sohn: „DISSLIKE !!!“

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