Unsere zivilisierte Welt ist nur eine große Maskerade. Arthur Schopenhauer

Matussek, Du linke Zecke!

Der als wertkonservativ verschriene „Welt“-Journalist Matthias Matussek ist ja eigentlich ein lupenreiner Vertreter der politischen Linken. Glauben Sie nicht? Dann warten Sie mal ab.

Aktuell behauptet eine anonymisierte Website mit höchst zweifelhafter Lauterkeit, Matthias Matussek sei ein „Wolf im Schafspelz“.

Ich behaupte hier im Folgenden das Gegenteil: dieser Matthias Matussek ist ein Schaf im Wolfspelz! Und ich kann es begründen und meine das keineswegs auf diese Weise denunziatorisch und despektierlich, wie zitierte seltsame Website, die sich „AfDWatch“ nennt und titelt: „Matussek und sein Ruck nach ganz rechts“. Dabei bezieht man sich wohl auf eine Äußerung Matusseks auf Facebook – nebenbei bemerkt ein Portal, das der „Welt“-Journalist erstaunlicherweise immer noch für so etwas zu halten scheint wie ein privates Stammtisch-Portal zum Meinungsaustausch unter „Freunden“ – jedenfalls bezieht man sich in diesem „AfDWatch“-Artikel auf eine Bemerkung Matusseks auf Facebook, die da lautet:

Die kluge Schriftstellerin Cora Stephan untersucht das dumpfe Ein-Dreschen von Politik und Presse auf die 15.000 Demonstranten in Dresden. Meine Ansicht: wer beim rituellen Treten gegen diese Menschen mitmacht, hat die Gesinnung von HJ-Pöbeln.

Matussek ist hier also in der typisch linksradikalen Rhetorik des Nazi-Vorwurfs, der aktuell so gut funktioniert in der Betrachtung der sogenannten Neuen Rechten, der AfD und der Pegida-Demonstranten. Diese linke Rhetorik ist bei Matussek übrigens nichts Neues, schon in seinem Buch „Das katholische Abenteuer“ bezeichnete er Adolf Hitler als „düsteren Bündnispartner“ der Kirchengegner, als „atheistische Spitzenkraft“.

Matussek kann per se überhaupt kein Rechter sein

Ein Gegenangriff. Und die Dialektik des katholischen Ex-Kommunarden Matussek. Matussek also ein linker Katholik, was gar nicht so selten vorkommt, wie schon 2013 der Antritt eines katholischen Seelsorgers für die Partei die Linke zeigte.

Fragen wir aber zunächst einmal Wikipedia, was eigentlich links ist. Nun ist, was im Wikipedia steht, nicht Ergebnis wissenschaftlich-akademischer Abwägungen, wie es früher beispielsweise beim gedruckten Brockhaus der Fall war, aber Wikipedia hat den Vorteil, dass das, was dort steht, oft einen elend langen Diskussionsprozess diverser Autoren hinter sich hat, also in der Regel widerspiegelt, was breiter gesellschaftlicher Konsens ist zu einem bestimmten Thema. Das hat bisweilen Nachteile, weil eben dieser breite Konsens im 21. Jahrhundert zum Subjektivsten gehört, das man sich überhaupt als Meinungsäußerung vorstellen kann, aber dazu später. Für uns hier interessanter ist der Vorteil, dass so eine Aussage vorliegt, die in etwa der Haltung einer Mitte der Gesellschaft entspricht.

So schreibt also eine der zehn meistbesuchten Webseiten Deutschlands zur politischen Linken: „Die politische Linke versucht die herkömmliche, meist als reaktionär oder konservativ verstandene Politik, die am Rückschritt auf ehemalige (reaktionäre) oder Erhalt der bestehenden (konservativen) Staats- und Gesellschaftsstrukturen ausgerichtet ist, zu überwinden.“

Kürzer gesagt, könnte man auch schreiben: Links ist, wer die bestehenden Verhältnissen kritisiert, wer aufbegehrt und hinterfragt, ob das, was die Mächtigen tun, wirklich das Beste für die Menschen ist.

Das klingt Ihnen deutlich zu pastoral? Gut so. Denn dann haben Sie die direkte Achse geschlagen vom jungen Matussek, der Maoist gewesen sein will, hin zum aktuell strengen Katholiken. Ich schreibe hier bewusst „streng“, weil auch der häufig für Matusseks religiöse Haltung benutzte Begriff „erzkonservativ“ in seinem Fall überhaupt nichts taugt. So liefert uns dazu in den Weiten des Netzes ein mir leider unbekannter Autor „Norbert Burg“ in einem hochinteressanten Essay folgende Erkenntnis:

Aber auch die tiefe innere Beziehung, die zwischen christlicher Weltanschauung und sozialistischer Gesellschaftsauffassung der Gegenwart besteht, kann auf die Dauer nicht ignoriert werden. (…) Sowohl die Evangelien und die Apostelbriefe als auch die kommunistische Organisation der urchristlichen Gemeinden lassen keinen Zweifel darüber offen, welche Bedeutung dem sozialistischen Gesellschaftsideal im Rahmen der christlich-religiösen Konzeption zukommt.

Sie sehen, so wird immer deutlich, dass Matussek per se überhaupt kein Rechter sein kann oder es wird mindestens klarer, dass für ihn diese politischen Verortungsbegriffe nichts taugen.

So unberechenbar, so gerade im Denken

So kann man, um ganz in der Nähe zu bleiben, schon hier auf The European feststellen, dass Autoren, die man gemeinhin dem konservativen, also rechten, Spektrum zuordnen würde, wie den European-Kollegen der FDP, Christoph Giesa, auf einmal vermeintlich linke Thesen vertreten, wenn er in einem an stalinistische Manier erinnernden Eifer zum Nazijäger konvertiert und dabei propagandistische Methoden zu verwenden scheint, die eher im Tenor von Verfolgungsbehörden totalitärer Systeme ihr zu Hause haben.

So kreierte Giesa schon im Juli 2011 den Begriff des „Primitivbürgers“ eine Beschimpfung, die damals unbeachtet blieb, ihm aber anscheinend so gut gefiel, dass er sie in seinen aktuellen Kolumnen zur AfD und Pegida-Problematik reloadet und schon auf Matthias Matussek angewendet hat, wenn er im Facebook feststellt: „Matussek dreht echt total durch. Wäre ich gläubig, ich würde für seine arme Seele beten.“ Was Giesa schon 2011 bei einem Teil seiner Mitbürger fehlte, waren „Anstand (und) jegliche Form von bürgerlicher Tugend“.

Matthias Matussek ist so ein Tugendwächter nicht. Ganz und gar nicht. So steht er für diesen merkwürdigen Brückenschlag mit Cem Özdemir in Sachen Legalisierung von Cannabis, und bewundert eher deutsche Geister wie den verstorbenen Joachim Fest als solche wie Günter Grass, als er über Erstgenannten schrieb „Fest war immer ein anderes, ein nicht auszurechnendes Kaliber. Ein größeres als die meisten seiner Feinde.“

Und das möchte Matthias Matussek wohl auch sein. So unberechenbar, so gerade im Denken, wie der von ihm so hochverehrte Joachim Fest. Ich finde, er ist auf dem besten Weg dahin. Also lieber Matthias, sagen wir es mal ganz konservativ und so, dass es Primitivschreiber wie Giesa und Co auch verstehen: „Was stört es die Deutsche Eiche …“

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Wallasch: Wachablösung für Maxim Biller

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