AFDP

Alexander Wallasch17.09.2014Innenpolitik

Die AfD verteidigen? Wie käme ausgerechnet ich dazu? Eine Replik auf Christoph Giesa.

Wieviel AfD ist bereits, wer gegen die AfD polemisiert? Ja doch, es scheint eine zunehmende Anzahl von Leuten zu geben, die mit ihrer Psychologisierung, mit ihren Vorwürfen, Polemiken und Angriffen Richtung AfD eine rote Linie überschreiten, was ihrem eigenen Tun eine Tonalität gibt, die an Radikalität noch jene übersteigt, die sie der AfD zum Vorwurf machen. Die Schmutzpistole also quasi mit dem Lauf zwischen den eigenen Lippen abgefeuert.

Bleiben wir gleich in der direkten Nachbarschaft. Gleich hier im European. Oder besonders hier. Nehmen wir die gemäßigten FDPler mal raus und beschäftigen wir uns mit den anderen. Also Hasso Mansfeld, der eher ein netter FDP-Nostalgiker zu sein scheint, vernachlässigen wir ausnahmsweise in der Sache und konzentrieren uns auf die außerparlamentarischen Bemühungen der FDP-Kollegen Gohl und Giesa. Ach Quatsch, den Herrn Gohl lassen wir auch, der beschäftigt sich eher mit einer rührenden Suche nach „Vielfalt“, „Verantwortung“ und „Humanität“ im Kondensstreifen der abgestürzten Lost-in-space-Partei.

Eindeutig oder Zufall?

Machen wir es also gerne mit Christoph Giesa alleine aus. Zur Giesa’schen AfD-Phobie ein paar Stichworte aus “seinen Kolumnen”:http://www.theeuropean.de/kolumnen/9-machtfragen, deren schriller Tenor jüngst von einem “Gastautoren im European”:http://www.theeuropean.de/sebastian-moll/9000-die-zwei-parteien-partei-afd-und-das-christentum aufgenommen und noch übertroffen wurde. Dieser war sich nicht einmal mehr zu schade, die Intention angeblicher antichristlicher Strömungen in der christlich geprägten AfD – herrje – mit einem NSDAP-Bormann-Zitat zu belegen. Dieser Autor wagt also im Windschatten seines FDP-Kollegen Giesa den direkten Stechschritt ins Dunkelbraune.

Also, Giesas Stichworte gehen so: Die AfD vollzieht eine „sprachliche Tarnung der eigentlichen Position, der wahren Absichten“, was Giesa belegt mit – (k)ein Witz – einem Pamphlet aus September 1973, ausgerechnet des ehemaligen Goebbels-Adjutant Wilfred von Oven, geschrieben wohl im Flucht-Exil in Argentinien. Und was der alte NS-Haudraufkotzab da so gefaselt hat und was Giesa wohl irgendwo zufällig in seiner Bibliothek ausgegraben hat oder im Internet, erinnert Giesa nun „eindeutig an die Wortspiele des thüringischen AfD-Spitzenkandidaten“. „Eindeutig“– darunter macht er es hier tatsächlich nicht!

Weiter wird behauptet, es ginge der AfD um die „Nation als Schutzraum für die völkische Familie“, was Giesa – natürlich nur so ähnlich – bei Frauke Petry entdeckt haben will, um dann nach einer weiteren Reihe von windigen Konstrukten entlang seiner inneren Bibliothek kleinlaut festzustellen, das alles – auch seine „Eindeutigkeit“ – könne auch „Zufall“ eben dieser selektiven Giesa-Wahl sein.

Fragwürdige Belege

Also Rückzug in bekleckerter Montur: „Denn einmal mehr sind die „Zufälle zu zahlreich, um noch als Zufälle durchgehen zu können.“ Eindeutig zu viele Zufälle also. Dabei sah Giesa in einem zuvor veröffentlichten Artikel zur AfD noch „alle Masken gefallen.“ Tatsächlich sei „der Rechtspopulismus als Vorwurf falsch. Der beinhaltet nämlich zumeist noch eine gewisse mäßigende Komponente. Die AfD hat sich davon allerdings längst verabschiedet, weshalb man sie inzwischen eindeutig als rechtsradikal einstufen muss.“ Nicht, dass er falsch liegen muss, aber belegen tut er freilich auch das nicht. Aber wohl mit der beruhigenden Giesa-Juristen-Gewissheit befrachtet, dass der Vorwurf an eine Partei „rechtsradikal“ zu sein, in Deutschland nicht satisfaktionsfähig ist.

Mir persönlich gefällt folgende Satzfolge, die eigentlich alles sagt über das erschreckende Maß an Realitätsferne und fehlender Dialektik.

bq. „Noch schlimmer wäre es allerdings, vor dem Hintergrund existierender Belege die Augen zu verschließen.“

Direkt darauf folgend:

bq. „In Brüssel hört man hinter vorgehaltener Hand schon länger, dass… wären wohl, so hört man…“ usw.

Also die „Belege“ als stille FDP-Post dem FDP-Autoren Giesa direkt aus Brüssel souffliert und vorgezeigt. Sensationell. Sensationell auch deshalb, weil hier von ihm selbst suggeriert wird, der Herr Giesa, der mal knapp am EU-Parlament (siehe seine selbstverfasste Vita) vorbeigeschliddert ist, hätte selbstredend noch seine Leute im Europa-Parlament. Er säße also quasi im Geheim-APO-Modus an der Quelle des Seins. Dann zählt er noch ein paar Affären auf, die selbst Good-will-Kumpeln schon ein wenig peinlich sein müssten, wenn er zunächst feststellt: „Die Liste der Beispiele, die belegen, dass die Partei längst zu einer bürgerlich-professoral auftretenden rechtsradikalen Kraft geworden ist, lässt sich beliebig fortsetzen.“ Und ausgerechnet einen angeblich unter Pseudonym bei ausgerechnet Facebook postenden angeblich „AfD-nahe(n)“ Herrn aus Süddeutschland, wenn ich es richtig verstanden habe – oder eines AfDlers? – zitiert Giesa, der gesagt haben soll: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein linkes Schweinesystem.“ Wenn Sie das nicht so unfreiwillig komisch finden wie ich, dann ist Ihnen kaum noch zu helfen.

Der AfD wird es leichter gemacht

Mir ist nun kaum noch zu helfen, weil ich mich ohne Not habe herausfordern lassen, ausgerechnet die AfD zu verteidigen. Als Entschuldigung kann ich nur anführen, dass diese Art der politischen Diskreditierung keine Giesa-Erfindung ist. Sie so alt, wie es den Versuch in der Bundesrepublik gibt, ein Zwei-Parteien-System nach amerikanischen Vorbild zu unterwandern. Das ging den Grünen nicht anders als viel später den Piraten und wird auch der AfD nicht erspart bleiben. So sehr sie es vielleicht am Ende am meisten verdient hat, in den Arsch getreten zu werden, so viel leichter wird es ihr fallen, mit so einem Unsinn umzugehen. Die Geschichte der Grünen ist voll von Fallbeispielen. Die AfD fällt also dank der Grünen weichgepolstert.

Und FDP-Genscher sei Dank, kann die AfD in Zukunft ja sowieso gar nicht mehr schuld sein an einem möglichen Scheitern Europas. Dafür hat der Balkonredner schon Mitte 2012 die Schuldigen ausgemacht: Der europäische „Problemberg, den wir heute zu bewältigen haben“, stamme von einer rot-grünen Regierung. Sie habe den „Weg in das Schuldeneuropa“ eröffnet. Klingt wie AfD, finden Sie nicht?

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