Assimilation garantiert

Alexander Wallasch15.09.2014Innenpolitik

Die Sache ist alles andere als besorgniserregend. Denn wenn etwas in Deutschland zuverlässig funktioniert, dann der Assimilationsprozess.

Na, das ist doch mal was! Die AfD in zwei weiteren Landtagen und locker an den Grünen vorbeigezogen, die sich schon vor Jahren als dritte Kraft im Lande sahen. Die Grünen sind also letztlich auch langfristig auf FDP-Abschiedstournee-Kurs. Also: Glückwunsch an die Alternative für Deutschland. Irgendwas hat sie richtig gemacht. Und wenn es nur ihre Wahlkampf-Strategie war. Die bestand ja darin, jede neue Provokation und Verunglimpfung der Altparteien und der Journaille freudig anzunehmen und unisono für sich zu verbuchen. Denn klar ist doch, wenn sich keiner aufgeregt hätte, hätte auch keiner AfD gewählt. Also haben sich die Aufgeregten das Objekt ihres Zorns selbst ins Bett geholt. Auch dazu herzliche Glückwünsche.

Zuverlässiger Assimilationsprozess

Kommen wir zu den Sorgen der Dauerbesorgten. Sagt mal, wie einfältig seid ihr eigentlich? Schneidet euch doch einfach einmal eine Scheibe ab vom „Geschichtsbewusstsein“ der AfD und schmeißt euer dauerpenetriertes „Hier und Jetzt“ über Bord. Dann werdet ihr merken, die Sache ist alles andere als besorgniserregend. Denn wenn etwas in Deutschland zuverlässig funktioniert, dann ist es der Assimilationsprozess des deutschen Politikapparates. Auf Landes- ebenso wie auf Bundesebene.

Wird eine Partei gewählt, die sich theoretisch anschickt, den Kurs der Industrie und des internationalen Kapitals zu verlassen, dann dürfen Sie sicher sein, dass das in Zukunft keinerlei politische Folgen haben wird. Die Grünen sind das beste Beispiel. Der Protest der Etablierten war bei ihrem Erscheinen Ende der 1970er-Jahre stärker als heute bei der AfD.

Marionettenspieler im Reichstag

Und was ist aus den Kämpfern für Umwelt, Volk und Gerechtigkeit geworden? Ein gekrümmter Blinddarm der sogenannten Volksparteien. Eine stagnierende alternative FDP. Ein kleiner Haufen noch tätiger Dienstfahrzeugfahrer, die wie Fischer und Co. einfach nur noch drauf warten, abgewählt zu werden oder einfach irgendwann sang- und klanglos auszuscheiden, um dann endlich ihre dicken Renten einzufahren bzw. den Dank des Kapitals und der Industrie entgegenzunehmen – also die hingeworfenen Jobs in den Aufsichtsräten zur Mehrung des eigenen Wohlstandes und des Wohlstandes ihres Nachwuchses, wenn der endlich im Ausland – vorzugsweise in den USA – fertigstudiert und seinerseits seine Rolle im großen Monopoly anzunehmen bereit ist. Wie es geht, haben Papi und Mami ja vorgemacht. Mit einem Start von den besten Plätzen aus, die Schlossallee bereits als Immobilie in der Tasche, überspringt man zügig die schäbige Badstraße.

Kein Grund zur Sorge also, die Marionettenspieler oberhalb des Reichstages haben ihre Fäden doch bereits ausgelegt. Und die Spinne kann warten. Warum sollten also ausgerechnet die aufgeregten Jungs der AfD resistent sein gegen die Versprechung dieser Heimlichhure?

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