Ich bin dann mal Away

Alexander Wallasch6.05.2014Gesellschaft & Kultur

Der Film „Away“ ist eine Hommage an die USA – und an ein Fahrradrennen quer durch das Land.

Gut, Nachrichtenagenturen sind verdammt schnell. Fünfminuten-Spots zu aktuellen Ereignissen sind in kürzester Zeit auf den Bildschirmen, wenn sie nicht sogar live gesendet werden. Stimmungsmacher, verkürzt auf Blitzmomente, auf diese eine Emotion heruntergebrochen, die maximal geeignet ist, Zuschauer zu erreichen und für den Augenblick zu fesseln.

Worüber ich Ihnen jetzt berichte, ist eine Nachricht von gestern, genau genommen sogar von vor einem Jahr. Die wenigstens von Ihnen werden die kurze Meldung noch in Erinnerung behalten haben. Für ein paar Enthusiasten und Fanatiker allerdings dauerte die Faszination an. Und mündete nun in einem Dokumentarfilm, den ich vorab Gelegenheit hatte, in einem Schulterblick anschauen zu dürfen.

Lassen wir die Katze aus dem Sack: Wir sind im schönsten Land der Welt – zumindest könnte man das nach 76 Minuten denken (so lange dauert die Doku) –, in den USA. Mit auf die Reise nehmen uns vier deutsche Radathleten (4Athletes) aus Frankfurt.

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Ihre Mission: nichts weniger, als das härteste Radrennen der Welt, 5.000 Kilometer, einmal quer durch die Staaten. Am Ende werden die vier Radfahrer den Pokal mit nach Hause nehmen – das darf an der Stelle gerne verraten werden. Ein Wissen allerdings, das – so viel kann ich versprechen – trotzdem für den Zuschauer keinen Spannungsverlust bedeutet.

Kampf, Siegeswillen, totale Erschöpfung

„Away“ heißt der Film zum Sieg des „Race Across America 2013“ kurz „RAAM“. Und eigentlich ist der späte Zeitpunkt für die Veröffentlichung sogar gut gewählt, denn im Juni 2014 “werden die 4Athletes”:http://www.4motionpx.net/ zum zweiten Mal in Kalifornien am Start stehen. Das Team hat sich für diesen Durchgang sogar vorgenommen, den RAAM-Streckenrekord zu brechen. Aufgestellt 2004 vom Team Action Sports aus den USA. Die Zeit, die es zu schlagen gilt: 5 Tage, 8 Stunden und 17 Minuten. Das geplante Durchschnittstempo: 37,2 km/h. Größenwahnsinnig? Auch auf diese Frage gibt „Away“ eine Antwort.

Aber zum Film. Die Sache funktioniert auf mehreren Ebenen. Zum einen ist es eine große Liebeserklärung an die USA, an ein Land, an Landschaften, die dank Hollywood und Co längst Teil der DNS eines großen Teils der Weltbevölkerung geworden sind.

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Der sportliche Aspekt wird bestimmt vom Kampf, vom Siegeswillen, von der totalen Erschöpfung. Und klar, auch das ist ja Teil des amerikanischen Traumes. Vom Tellerwäscher zum Millionär oder der Treck westwärts – alles Synonyme für das Erreichen eines Ziels über eine brutale, verlustreiche Etappe voller Entbehrungen, Blut, Schweiß und Tränen – alles in „Away“ zu sehen.

Eine weitere spannende ist die – wenn sie so wollen – Meta-Ebene des Films, die Jagd auf das vorausfahrende Team und der Moment des Gejagtwerdens, wenn man selbst vorneweg ist. Strategien, Zweifel, Hoffnung im fliegenden Wechsel. Die Sache funktioniert. Die Dramaturgie ist perfekt eingefangen, das Timing stimmt.

Wunderschön in Bildern festgehalten: Canyons, Wüsten und kleine verlassene Ortschaften, wie sie Wim Wenders zum ersten Mal 1984 in seinem grandiosen „Paris-Texas“ für ein Millionenpublikum festgehalten hat. Welche Sogwirkung diese Eindrücke schon damals hatten, zeigten Wenders weitere Filme, die alle noch diesen Atem von „Paris-Texas“ mit im Koffer hatten. „Away“ hat ihn auch, diesen Wenders-Touch. Diesen Zug, als würde man einfach mal ein paar Mach mitgerissen.

Deutschland ist Fahrradland

„Ach Herrje, ein Fahrradfahrer-Film!“, sagen nun vielleicht die passionierten deutschen Autofahrer. Deutschland, das Land der Autofahrer. Wirklich? Sicher, aber ein Land, in dem über 70 Millionen Drahtesel registriert sind, ist alle Male auch Fahrradland. Deutschland ist Fahrradland.

Zwölf Millionen Deutsche fahren täglich mit dem Rad. Hunderttausende von ihnen sind in Fahrradvereinen organisiert. Etwas rarer wird es, wenn wir nach Triathleten fragen, Verrückte, die beim Ironman mal eben 180 Kilometer radeln. Und das Cape Epic, ein 700-Kilometer-Mountainbike-Rennen in Südafrika, trauen sich höchstens noch ein paar austrainierte Top-Radenthusiasten zu.

Aber nur eine verschwindend kleine Elite von Extremsportlern ist in der Lage, beim weltweit härtesten Ultra-Ausdauer-Radrennen an den Start zu gehen. Und nur vier von ihnen sind als Erste im Ziel.

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Vier Deutsche, Peter Smeets, Frank Vytrisal, Georg Heckens und José Alvarez, denen dieser Film ein verdientes Denkmal setzt. Seit 1982 ist dieses legendäre Rennen immer mehr zum Mythos für Extremsportler geworden. Man sagt: „Wer das RAAM gefahren ist, der kommt als anderer Mensch zurück.“ So gesehen ist der Film also auch die Geschichte einer Verwandlung.

Pressepremiere ist am Freitag in Frankfurt. Wollen wir hoffen, dass der Film schnell ins Kino kommt und bald auch im Fernsehen zu sehen sein wird. Schauen Sie. Wenn Sie mögen, auf Ihrem Trimmrad vor dem Fernseher. Ich garantiere Ihnen, die Sache steckt an und Sie brechen Ihren eigenen Rekord.

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