George Clooneys München-Connection

Alexander Wallasch11.11.2013Gesellschaft & Kultur, Medien

Persönlichkeitsrechte? Polizeischutz? Nicht im Fall Cornelius Gurlitt. Schließlich geht es um einen sogenannten Nazi-Schatz – oder? Gut, dass zumindest George Clooney weiß, wie es wirklich war.

_Human hunters_ – Journalisten einer französischen Zeitung “wollen Cornelius Gurlitt in einem Münchner Kaufhaus aufgespürt haben”:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/muenchner-kunstschatz-wo-versteckt-sich-gurlitt-12657020.html. Und obwohl mittlerweile immer klarer wird, dass die Bilder rechtlich weiterhin dem Verfolgten gehören und es nur eine Frage der Zeit ist, wann man angefallene Steuerschulden gegenrechnen und die „Beute“ dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden muss, spricht das Blatt reißerisch im Tenor aller anderen Blätter von einem „Nazi-Schatz“.

Den deutschen Behörden hätte schon 2012 klar sein müssen, was ihre Beschlagnahmung und deren Bekanntgabe für Konsequenzen haben könnte. Denn wenn es schon französischen Journalisten gelingt, Gurlitt aufzuspüren, sollte das auch für mafiöse Gruppen kein allzu großes Problem sein.

Von wegen Sensationsfund

Der Alte hätte also längst – von Anfang an sogar! – Polizeischutz bekommen müssen. Man kann nur ahnen, wie sich das alles “seit Beschlagnahmung”:http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7583-milliardenschwerer-kunstfund-in-muenchen gesundheitlich auf einen so alten Menschen auswirken muss, der, und auch das darf man vermuten, Zeit seines Lebens aus Sorge um seine Bilder keine normalen sozialen Beziehungen pflegen konnte oder wollte. Irgendeiner quatscht ja immer irgendwann. Anders ist die Geheimhaltung über Jahrzehnte nicht zu erklären.

Da der Mann aber anscheinend bisher noch nicht einmal Anwälte engagiert hat, die sich seiner Sache annehmen und in so einem Falle zunächst auch nicht automatisch Pflichtanwälte vorgesehen sind, die sich von Staats wegen im Sinne Gurlitts der Sache annehmen, kann man mutmaßen, dass der Staat bzw. seine Organe hier komplett versagt haben. Aus Gier und Sensationslust?

Hochrangige Politiker wussten doch mindestens seit Monaten – wahrscheinlich bereits seit Beschlagnahmung – davon und hätten entsprechende Maßnahmen für Gurlitt treffen können. Da werden also Bilder aus der Sammlung Gurlitt ohne dessen Zustimmung öffentlich vorgeführt und man spricht von einem Sensationsfund, der sogar – herrje – die Kunstgeschichte umschreiben würde. Freilich ein Fund, der zwangsweise herbeigeführt wurde.

Dass etliche der Bilder Arbeiten von Louis Gurlitt sind, also vom malenden Großvater Gurlitts, fällt – logisch – dabei diskret unter den Tisch. Zur Randnotiz verkommt die Tatsache, dass die wichtigeren der konfiszierten Bilder längst aktenkundig waren und 1950 dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt von amerikanischen Behörden auf Antrag zurückübereignet wurden. Weiterhin sprechen alle Welt und die zuständigen Behörden von einem Sensationsfund, fast so, als hätte man die Bilder irgendwo unter den Oktoberfestwiesen ausgegraben.

Stigma „Nazi-Schatz“

Die Veröffentlichung – also alles rund um die Pressekonferenz – greift bereits tief in die Persönlichkeitsrechte des Cornelius Gurlitt ein. Jeder auch nur halb begabte Anwalt würde im Sinne des Angeklagten wahrscheinlich Triumphe feiern. Aber natürlich, das Etikett „Nazi-Schatz“ kommt einem Stigma gleich. Selbst dann noch, wenn alle Welt längst weiß, dass es die Nazijäger selbst waren, die Gurlitt die Bilder offiziell zurückgaben.

Ja, genau: Es waren die sogenannten „Monuments Men“, handverlesene Kunstexperten, Museumsdirektoren, die Gurlitt die Bilder mit Papieren zurückgaben. Entsprechend amüsiert natürlich Schauspieler und Regisseur George Clooney, der ausgerechnet zur Premiere seines Nazi-Schatzjäger-Films zum Münchner Fund bemerkt: „Da sehen Sie, wie mächtig wir sind, die Deutschen zur Veröffentlichung dieser Story um 1.500 Kunstwerke zu bringen. Wir sind gespannt, ob sie jetzt zurückgegeben werden. Vielleicht können wir es gewissen Leuten schwermachen, gestohlene Kunstwerke nicht zurückzugeben. Das wäre eine tolle Errungenschaft für unseren Film.“

Die deutschen Behörden also als Helfershelfer Hollywoods? Überall und auf allen Seiten unrühmliche Bastarde? Und was hat Merkels Telefon und die NSA damit zu schaffen? Filmstoff also für weitere große Hollywood-Schinken. George Clooney demnächst als Cornelius Gurlitt? Den Namen des unbeschützten und verfolgten Kunsthändlers jedenfalls hätte selbst Hollywood nicht besser erfinden können.

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