Lobo, übernehmen Sie!

Alexander Wallasch25.10.2013Innenpolitik

Die deutschen Dienste konnten die Kanzlerin offenbar nicht abhörsicher machen. Also müssen sie weg. Lasst stattdessen den rot-bunten Schreiber von SPON an die Arbeit.

Beschwerde bei Barack Obama hin oder her. Die viel wichtigere Frage ist doch, welche Köpfe jetzt zu rollen haben in Deutschland. Denn es ist doch geradezu ein Armutszeugnis unserer Sicherheitsbehörden, dass sie nicht in der Lage waren, die Kommunikation der deutschen Kanzlerin abhörsicher zu machen.

Wer muss nun seinen Hut nehmen? Gerhard Schindler, der Chef des Bundesnachrichtendienstes? Vielleicht. Aber ganz sicher Michael Hange. Sie kennen den nicht? Das ist der Behördenleiter des „Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik“. Nie gehört? Macht nichts. Das BSI ist eine in Bonn ansässige zivile obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, die für Fragen der IT-Sicherheit zuständig ist. Der Stuhl des Bundesinnenministers ist also ebenfalls höchst vakant. Auf Wiedersehen, Hans-Peter Friedrich. Aber dazu später.

Via Morsezeichen unterhalten

Tätig sind beim BSI aktuell ca. 570 bestens bezahlte Vollzeitmitarbeiter. Gegründet wurde der Versager-Laden 1991. Der damals noch dem BND unterstellte Vorgänger hieß – kein Witz – Zentralstelle für das Chiffrierwesen: Also so ein Verein mit hauptamtlichen Autisten, die vor ihren modernen Enigmas sitzen und sich – das darf man getrost annehmen – noch via Morsezeichen unterhalten haben. Warum „Versager-Laden“? Darüber gibt ein aus heutiger Sicht kurioser Artikel in der “„Süddeutschen Zeitung“ vom 4. März 2013”:http://www.sueddeutsche.de/digital/sicherheit-von-regierungshandys-neues-smartphone-fuer-die-kanzlerin-1.1615537 Aufschluss. Unter der Überschrift „Neues Smartphone für die Kanzlerin“ wird da verhandelt, wie sicher das Telefon Angela Merkels sein muss und wer das garantieren könne:

„Den Gütestempel des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik haben nun die Telekom-Tochter T-Systems sowie der Sicherheitsspezialist Secusmart erhalten. Sie werden in den nächsten Wochen ein neues sicheres Kommunikationssystem für die Kanzlerin und etwa 4.000 weitere Mitglieder der Regierung aufbauen.“

Die „Welt“ “weiß dazu aktueller zu berichten”:http://www.welt.de/politik/deutschland/article121164570/Spaehverdacht-Merkel-beschwert-sich-bei-Obama.html:

„Erst vor wenigen Wochen bekam die Kanzlerin (sowie weitere Geheimnisträger) ihr neues Handy: ein Blackberry Z10 Basis mit spezieller SIM und Software (SecSuite). Entwickelt wurde das Handy von T-Systems und der Firma Secusmart.“

Na herzlichen Glückwunsch!

Was sind das für Firmen? Hat die Bundesregierung oder einer ihrer Dienste sofort alle bestehenden Kooperationen mit diesen Unternehmen eingefroren? Nein, hat sie nicht. Noch erstaunlicher ist die aus heutiger Sicht verräterisch anmutende Aussage eines Stephan Maihoff, zuständiger Projektleiter bei T-Systems, der noch im März dieses Jahres der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte: „Bei solchen Entwicklungen muss man in die Tiefen eines Gerätes eindringen. Das geht nur in enger Abstimmung mit dem Hersteller.“

Halten wir fest: Die Sicherheitsaspekte für das Kanzlerin-Diensttelefon werden gewährleistet vom Hersteller! Weiter führt dieser Herr Maihoff aus, dass sein Team für das Handy der Kanzlerin eigenhändig das Herzstück des Betriebssystems entwickelte, weil man nicht drauf vertraute, was bei normalen Geräten vorgesehen sei. Dieser sogenannte Kernel steuere nun das Smartphone der Kanzlerin. Wer ihn schützt, der würde also den gesamten über das Telefon laufenden Datenverkehr schützen. Na herzlichen Glückwunsch.

Da arbeitet also das deutsche Innenministerium via BSI über T-Systems mit Blackberry zusammen („Das geht nur in enger Abstimmung mit dem Hersteller“). Ja, genau mit jenem kanadischen Unternehmen Blackberry, das 2009 dadurch auffiel, nicht verhindern zu können, dass eine Schnüffelsoftware der – und jetzt sind wir in den USA angekommen – US-amerikanischen Softwarefirma SS8 den E-Mail-Verkehr einer bestimmten Gruppe Blackberry-Kunden aushorchen ließ.

Schlimmer noch: Im Juli 2013 wurde bekannt, dass das aktuelle Blackberry OS 10 standardmäßig alle E-Mail-Passwörter des Nutzers im Klartext an den Hersteller sendet. Also an Blackberry, die schon mal im großen Stil von SS8 ausspioniert wurden.

Sascha Lobo als oberster Chef

Das sind wie gesagt alles Informationen, die sich jeder in kürzester Zeit im Netz aus seriösen Quellen zusammenstellen, erweitern und bestätigen lassen kann. Nur anscheinend nicht unsere hochbezahlten Emigma-Freaks in Bonn. Weg mit denen.

Was das Kanzleramt nun braucht, nachdem die internetfernen Minister und ihre hilflosen Diener in den hilflosen Diensten entfernt wurden, sind junge, erfahrene und unabhängige Digital-Experten. Aber nicht irgendwelche Nerds, keine Digital-Natives ohne Gewissen, keine Fachidioten, sondern Menschen, Digital Immigrants, die auch mal eine E-Mail ausdrucken, weil sie mit dem klassischen Papier in der Hand eine zusätzliche, traditionelle Informationstiefe erlangen, die sich aus einer anderen, einer gewissenhafteren Zeit herübergerettet hat.

Aber wer kann das sein? Sascha Lobo als oberster Chef, als Sanierer dieses bankrotten Nachfolgers dieser „Zentralstelle für das Chiffrierwesen“? Sie lachen? Aber warum eigentlich nicht? Zumindest könnte der Altpunker Teil eines Gremiums werden, welches fern jedes Parteienklüngels die fähigsten Leute auswählt, die sich sofort an die Arbeit machen, um für eine umfassende nationale Kommunikationssicherheit zu sorgen. Für die Kanzlerin aber auch für jeden einzelnen Bürger. Alles der Reihe nach.

Minister Friedrich und seine Hosenträger

Nicht Sascha Lobo? Gut, dann machen Sie bessere Vorschläge. Wer es am Ende mit wem macht, ist egal. Die Kompetenz zählt. Während Sie also grübeln, zitiere ich derweil aus einer “Kolumne des rot-bunten SPON-Schreibers”:http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-brasilien-trotzt-der-nsa-merkel-wiegelt-ab-a-929202.html:

„Die zentrale Frage zum Spähskandal lautet, ob die Regierung in der Lage ist, die Bürger vor Grundrechtsbrüchen zu schützen. Dafür ist auch egal, woher genau diese Attacken stammen. Momentan steht die NSA im Fokus, aber die Geheimdienste anderer Staaten und auch hiesige Dienste versuchen ebenso, grundrechtswidrig alle Daten zu raffen. Demokratisch gesetzte Grenzen interessieren diese Apparate bestürzend wenig, weil die Politik ihnen seit vielen Jahren konsequent signalisiert, dass der Zweck wirklich jedes Mittel heiligt.“

Und zum Abschluss ein Lernsatz an Minister Friedrich und seine Hosenträger aus seinem Arglosverein: Merkels Telefon ist auch unser Telefon. Und wer das nicht beherzigt, verharmlost oder als nebensächlich empfindet, der hat in der deutschen Sicherheitspolitik nichts mehr verloren.

Sascha Lobo, bereit, Verantwortung zu übernehmen? Dann mach mal los!

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