Das Fondue ist fertig

Alexander Wallasch16.10.2013Gesellschaft & Kultur, Medien

Der Limburger Bischof hat Geld verprasst und alle Welt redet über nichts anderes mehr. Geht’s noch?

Der Limburger ist ein ursprünglich belgischer Käse aus Kuhmilch mit einem Fettgehalt von 20 bis 60 Prozent in der Trockenmasse und einer weichen Rotschmieren-Rinde. Er gilt als eine der geruchstärksten Käsesorten und wird häufig als Stinkekäse abgelehnt. “Seine Liebhaber schätzen dagegen den sehr aromatischen und würzigen Geschmack(Link)”:http://de.wikipedia.org/wiki/Limburger.

Das ist im Wesentlichen alles, was man außerhalb Limburgs über Limburg wissen musste und auch in Zukunft zu wissen braucht. Auch wenn nun ganz Deutschland aufgeregt mit dem Stinkefinger auf Limburg zeigt, ändert das wenig. Übrigens auch dann nicht, wenn ausgerechnet Jakob Augstein den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst – “wie in seiner jüngsten Kolumne geschehen()”:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-bischof-tebartz-van-elst-a-927705.html – für so etwas Ähnliches wie einen aromatisch-würzigen Burschen hält.

Faszinierendes Sommerloch

Sie wissen es längst, es geht um diese innerkatholische Posse um diesen Neubaubischofssitz, dieses Millionengrab, das architektonisch so verworren gestaltet ist, dass man nur Bilder aus der Vogelperspektive zu sehen bekommt, die etwas Weißgetünchtes mit ein paar Anthrazitspritzern zeigen, das ausschaut, als hätte sich der Architekt sein Modell im angrenzenden katholischen Kindergarten aus weißlackierten Haba-Bausteinen der kleinen Gotteszöglinge aus der Eisbärengruppe zusammenschustern lassen.

Aber in Herrgotts Namen, was geht uns Normalsterbliche, uns Höllenkinder, das alles an, was dieser katholische Verein da mit den Mitgliedsbeiträgen seiner Gläubigen anstellt? Überhaupt nichts. Und was meint Jakob Augstein, wenn er in seiner Kolumne zum Limburger Kirchenbau schreibt: „Vor allem aber wirkt der Luxus von Limburg wie aus der Zeit gefallen, wenn in Rom der erste Papst der Globalisierung den Katholizismus neu erfindet. Und zwar als Kirche der Armen.“ Ist der Hamburger jeck?

Wenn schon, dann ist es die reiche Kirche in einer Welt voller Armut. Aber mal weg vom Jecken und Blick zurück nach Limburg, diesem Städtchen, das seiner katholischen Gollum-Version doch unglaublich dankbar sein sollte, dass ihr beschauliches Örtchen an der Lahn mal mit was anderem in Verbindung gebracht wird als mit diesem bei Aldi, je nach Fettgehalt, in blaue oder orangene Metallfolie eingewickeltem rechteckigen 200-g-Stinkeklotz für aktuell 1,29 Euro.

Ein faszinierendes Sommerloch (Mann, diesen Käsewitz könnte man immer weiter drehen) mitten im Herbst, zu dem selbst die Bundeskanzlerin – mitten aus den Koalitionsverhandlungen heraus – meint äußern zu müssen, es schade der katholischen Kirche. Das mag ja sein, aber wen sollte das außerhalb dieser merkwürdigen deutschen Sektion dieser merkwürdigen Katakomben-Kirche noch interessieren? Niemanden.

Ein Treppenwitz der Kirchengeschichte nun zu meinen, dass in Limburg – ausgerechnet in Limburg – Kirchengelder verschwendet würden, als hätte die päpstlich Limburg’sche Kirche irgendwann den offiziellen Staatsauftrag gehabt, Gutes mit der Kohle seiner Gläubigen anzuschaffen. Das ist im Wesentlichen in 1.200 Jahren deutscher Kirchengeschichte noch nie geschehen.

Es ist doch vielmehr so, dass da, wo die katholische Kirche androht, diakonisch werden zu wollen, sofort der weltliche Staat – also der Steuerzahler – massiv zur Kasse gebeten wird. So bekommt, wie der „Spiegel“ recherchiert hat, selbst eine rein kirchliche Unternehmung wie Misereor, das Bischöfliche Hilfswerk, zuletzt 63 Prozent seines 162-Millionen-Euro-Etats vom Entwicklungsministerium. Heißt, die reiche katholische Kirche hat noch nie in ihrer Geschichte einen größeren Teil ihrer Einnahmen für die Armen ausgegeben.

Und sie wird es auch in Zukunft nicht tun, solange der weltliche Staat dafür aufkommt. Wo also hin mit den ganzen Moneten aus den Taschen der eigenen Gläubigen? In Kirchenbauten! Ist doch selbstverständlich.

Wen interessiert es, was dort ausgeheckt wird?

Denken Sie doch mal an eine ihrer letzten Städtereisen zurück. Die hat sie zwar möglicherweise nicht unbedingt nach Stinkerlimburg verschlagen, aber vielleicht nach Würzburg, München oder Fulda. Und was schaut man sich da an? Übrigens ebenso wie in Reims und Florenz? Kirchenbauten! Aufgebaut in Zeiten, in denen die Limburger noch mit ihrem Käserezept zu kämpfen hatten und rund um diese ganzen europäischen Bauwerke Blut, Schweiß und Tränen die hochgeschaufelte Erde tränkten.

Rund um diese Großbauten ein großes Elend, wie es heute im Schatten des Limburger Protzbaues des 21. Jahrhunderts überhaupt nicht denkbar wäre. Überall wohlhabende Bürger, Mittelständler und eine Arbeitslosenquote von gerade einmal irgendetwas um fünf Prozent.

Wen außer Katholiken interessiert es also, was dieser greise Gollum unter seiner Mitra ausheckt, was er mit den Talern in seinem Säckelchen anstellt, die ihm diese steinreichen Käsebauern aus Limburg und ihre Freunde im katholischen Teil des Reiches in die Kollekte geschmissen haben? Wenn sie nicht mehr mögen, dann sollen sie doch austreten! Automatisch würde ihnen auch nichts mehr abgezogen. Aus die Maus.

Nun muss man abschließend noch wissen, dass der Limburger selbst seinen dämlichen Käse bisweilen „Backsteinkäse“ nennt. Warum? Weil der die Form von Ziegelsteinen hat. Und nun überlegen Sie sich selbst, zu was für einer gnadenlosen Pointe sich dieser Sachverhalt eignen könnte. Noch mehr vielleicht, wenn man weiß, dass Limburg nicht gleich Limburg ist, aber das würde jetzt die ganze lustige Geschichte kaputt machen und dann bliebe am Ende nur noch dieses Bauwerk über. Oder wie man es im Limburger Dialekt sagen würde, der überhaupt nicht in Limburg gesprochen wird: „Ich höb nog efkes gewach, wat-se mich zègke wols.“

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