WAHLHALLA

Alexander Wallasch13.09.2013Innenpolitik

Der Absturz der Grünen zeigt vor allem eins: den Unsinn dieser albernerweise als seriös wahrgenommenen Umfragen. Ab ins Jenseits.

Große Aufregung um einen Absturz der Grünen in den Umfragen vor der Wahl? Aber warum eigentlich? Denn wenn die “„Welt“ am 11.09. titelt”:http://www.welt.de/politik/deutschland/article119907175/Gruene-stuerzen-ab-Sogar-die-Linke-ist-jetzt-staerker.html: „Grüne stürzen ab – Sogar die Linke ist jetzt stärker“, dann scheint hier ein Vergesslicher (Autor Matthias Kamann) an die Vergesslichkeit seiner Leser zu appellieren. Denn Fakt bleibt nun mal, dass bei der letzten Bundestagswahl die Grünen mit lediglich 10,7 Prozent, also denkbar knapp zweistellig, in den Bundestag einzogen und die Linke komfortable 11,9 Prozent der Stimmen der wählenden Wahlberechtigten bekam.

Wenn man unbedingt staunen möchte, dann ja wohl über den – so man denn den Fehler macht, Umfragen überhaupt irgendeine Bedeutung beizumessen – „prognostizierten“ erdrutschartigen Durchfall der FDP. Die Theodor-Heuss-Jünger rutschen demnach von ihrem mit 14,6 Prozent mit Abstand besten Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte auf den Level eines Fünf-Prozent-Hürde-Wackelkandidaten wie anno 1969, als man mit gerade einmal 0,8 Prozent über fünf in den Bundestag einzog.

Die FDP wird es auch dieses Mal schaffen

Na klar, die FDP, das ist doch dieses „Frauenzimmer, das sich dem an den Hals wirft, der ihr am meisten bietet“ (CSU-MdB Richard Jaeger), der „kapitalistische Wurmfortsatz der CDU“ (Kurt Schumacher), der „Steigbügelhalter des Marxismus“ (CDU-Manager Josef Hermann Dufhues) und das „Schaukelpferd“ (Willy Brandt). Aber auch klar: Die FDP wird es auch dieses Mal schaffen, ein paar Nichtwähler zu mobilisieren. Denn es wird sein wie immer, wer nicht recht weiß, was er wählen mag – und das sind bei dieser Bundestagswahl so viele wie nie zuvor – und sich irgendwie konservativ verortet sieht, der wählt dann halt FDP.

Die FDP ist also eine von Nichtwählern gewählte Partei. Quatsch also zu glauben, die Liberalen könnten möglicherweise Probleme bekommen, überhaupt in den Bundestag einzuziehen. Entgegen Düsterprognosen werden sie nämlich um die 6,5 – 7,5 Prozent der Stimmen für sich gewinnen. Im Verhältnis zum Ergebnis von 2009 bleibt das aber trotzdem eine brutale Halbierung der Wählerschaft. Die großen Verlierer 2013. Nicht nur im Verhältnis zu sich selbst, sondern sogar im absoluten Vergleich mit SPD und CDU. Mindestens 45 der aktuell etwas über 90 FDP-MdBs werden dann ihre Siebensachen packen müssen.

Und machen wir uns weiter nichts vor, der absolute Gewinner der Wahl wird die CDU mit einem erwartbaren Wahlergebnis um 40 Prozent, also einem Zugewinn, der die mickrigen Gesamtprozente für die FDP noch übersteigen wird. Die CDU darf dann mit fünfzig zusätzlichen Bundestagsabgeordneten aufmarschieren.

Die Grünen und die Linken bleiben über dem Daumen auf dem Stand von 2009. Das ist höchstens schade für Die Linke, denn die haben zweifellos die Themen der Bundestagswahl bestimmt und damit mehr für Deutschland getan, als andere lautstark für sich deklamieren. Überhaupt nicht schade ist es um die Grünen. Die Joschka-Fischer-Adepten haben sich längst aus den allermeisten Debatten verabschiedet. Schlimmer noch: Es ist niemandem aufgefallen. Und wo sie nicht weiter negativ auffallen, werden sie auch nicht vermisst. So gesehen sind dann sogar zehn Prozent zehn zu viel.

Wahlkampfhilfe der Umfrageinstitute für die FDP

Und nun wieder zurück zur Überschrift in der „Welt“: „Grüne stürzen ab – Sogar die Linke ist jetzt stärker“ – klar, das bezieht sich natürlich auf den Verlauf der Umfragen der letzten zwölf Monate. Aber es dokumentiert eben auch auf besondere Weise den Verlust dieses ominösen kollektiven Gedächtnisses ebenso wie den Unsinn dieser albernerweise als seriös aufgenommenen Umfragen.

Da kann man dann am Ende des Tages vielleicht nur noch zur Kenntnis nehmen, dass sich diese merkwürdige Zusammenkunft nationalkonservativer Bedenkenträger, kurz AfD, sogar mit Recht über die Wahlkampfhilfe der Umfrageinstitute für die FDP empören. Denn der AfD sagt man um die drei Prozent voraus. Das wiederum lockt keinen konservativ wählenden Nichtwähler. Denn deren dann doch noch gnädig am freien Sonntag in der ungepflegten nahen Grundschule abgegebene Stimme würde ja für eine Drei-Prozent-Partei verfallen. Das will dann auch wieder niemand. Ach je.

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