Du süßes Gift

Alexander Wallasch26.07.2013Gesellschaft & Kultur

Eine tägliche Dosis Melancholie ist mindestens so wichtig wie Optimismus. Denn nur wer beide Seiten der Medaille kennt, kann das Schöne wertschätzen.

Ich weiß gar nicht so genau, ob ich nun Optimist, Pessimist oder ein Zwitterwesen aus beiden Gefühlslagen bin. Aber wahrscheinlich verhält es sich bei mir nicht anders als bei Ihnen: Die jeweiligen Umstände halten die Waagschalen in andauernder Bewegung.

Aber das ist ja auch gut so. Denn ehrlich betrachtet sind diese dauerhaften Optimisten doch ziemlich anstrengende Zeitgenossen. Irgendwo auf der Strecke zwischen Optimismus und Depression schlummert dieses verführerische Gift der Melancholie. Und ohne den täglichen Schluck aus der trüben Flasche würde alles Schöne und Gute unweigerlich aufgehen wie der immer gleiche, unförmige Hefeteig.

Vielleicht ist diese süße Melancholie nicht einmal die Zwischenstufe von all den Ups & Downs, sondern vielmehr irgendwo auf einer Meta-Ebene darüber oder darunter angelegt. Wer weiß: Ein wunderbares Erlebnis, das ganz überraschend passiert und große Freude auszulösen in der Lage ist, hat diese Melancholie möglicherweise schon mit im Gepäck. Und wenn wir noch einmal ganz ehrlich sind, ist dieses wehmütige Gefühl sogar geeignet, den Hochgenuss noch zu verstärken.

Melancholie wird zum Warnsignal

Melancholie entsteht ja zunächst mal aus einer Erkenntnis der eigenen Endlichkeit; der Vergänglichkeit. Geschenkt. Jedenfalls sorgt sie dafür, dass wir nicht einfach für immer an diesem Strand des Schönen und Guten liegen bleiben mögen. Weiterdösen.

Also mag Melancholie zwar rastlos machen. Sie ist aber auch Quelle der Suche, des Entdeckens, des Erfindergeistes, der Fantasie. Notwendiger Spiegel des prallen Lebens.

Da das Leben selbst nun mal nicht unendlich dauert, trauen wir dem Schönen und Guten, der überraschenden Freude nur für den Moment über den Weg. So gesehen ist also der Melancholiker – oder präziser: der Teilzeitmelancholiker – der größere Optimist. Einfach, weil er freudige Ereignisse immer wieder neu finden und aufnehmen kann. Ein schönes Prinzip. Denn es vermeidet Wiederholungen.

Die Melancholie wird zum Warnsignal. Sanfter Weckruf. Einer, der daran erinnert, dass das Schöne und Gute immer wieder neu entdeckt werden will, möchte man nicht, dass es zum Albtraum wird. Zum Stillstand.

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