Nix gibt’s!

Alexander Wallasch8.04.2013Außenpolitik

Bald 70 Jahre nach dem Krieg will Griechenland nicht nur Rettungspakete, sondern zusätzlich Reparationen von Deutschland. Niemals.

Ein ganz, ganz dummer Fehler der griechischen Regierung: Konnten die Helenen bisher noch mit einer großen Solidaritätswelle aus Deutschland und Europa rechnen, die anerkennt, dass es in der Krise beileibe nicht um südländische Faulheit, Misswirtschaft oder Klüngel geht, sondern zuallererst um ein krankes Finanzsystem, ein krankes System Europa und einen sterbenden Euro, könnte die neueste Dummheit aus Athen diese Grundsympathien gründlich verscherzen.

Was ist passiert? “„Spiegel Online“ berichtet”:http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bericht-deutschland-schuldet-griechenland-reparationen-a-892962.html von einem noch streng geheimen Bericht einer Expertenkommission im Auftrag des Athener Finanzministeriums, die wohl den Auftrag hat, festzustellen, welche möglichen II-WK-Reparationsforderungen das Land noch an Deutschland stellen kann. Das ist idiotisch. Besonders dumm, weil es zunächst einmal den Fehler macht, die Bundesrepublik als Nachfolger des Deutschen Reiches anzunehmen, aber noch viel mehr, weil es eine Haltung zu Europa offenbart, die überdeutlich zu machen scheint – eine andere Interpretation ist kaum möglich –, dass Griechenland nie hätte in die EU aufgenommen werden dürfen.

Rote Linie überschritten

Da nun außerdem nicht zu erwarten ist, dass die griechische Bevölkerung ihre Regierung für diesen absoluten Blödsinn maßregeln wird, kann dasselbe auch für die Bevölkerung insgesamt angenommen werden. Griechenland und die Griechen verabschieden sich damit endgültig von der Idee, Teil eines gemeinsamen europäischen Hauses zu sein. Schade. Denn seien wir mal ehrlich, die Griechen waren doch für die allermeisten Deutschen immer schon die besseren Türken. Gyros heißt zwar heute Döner, aber das heißt eigentlich nichts.

Laut „Spiegel Online“ basiert dieser Bericht auf 761 Bänden Archivmaterial, „darunter Verträge, Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen. Laut dem Chef der Kommission, Panagiotis Karakousis, mussten die Experten 190.000 Seiten durcharbeiten, die über mehrere Archive verstreut waren“, manche davon hätte man in Säcken in Kellern öffentlicher Gebäude gefunden. Wenn also nun Griechenland glaubt, das wären die einzigen Leichen, die sie in irgendwelchen Kellern verschlampt hätten, dann hat sich Athen auf eine Weise disqualifiziert und die Stimmung im Lande prägnanter offengelegt, als es jede empörte Demonstration mit Merkel-Hitler-Vergleich auf den Straßen Athens zu veranstalten in der Lage wäre. Denn daran haben wir uns in Deutschland längst gewöhnt. Das kennt man aus Polen und vielen anderen Ländern Europas zur Genüge. Die rote Linie ist da deutlich überschritten, wo die Empörung, wo die Dummheit im Regierungsauftrag passiert.

Die Bundesrepublik sollte nun ihrerseits den griechischen Botschafter einbestellen und Klartext reden, wie man sich dem wichtigsten Geldgeber Europas gegenüber zu verhalten hat, wenn man weiter daran interessiert ist, aus dem Berliner Honigtopf zu naschen. Gegenüber „Spiegel Online“ erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter: „Dies ist nicht die richtige Zeit, um einen Streit mit Berlin anzufangen.“ Da irrt er gewaltig. Es wird diesen Zeitpunkt sogar niemals geben. Bezeichnend für die Verhältnisse in Griechenland ist das Zustandekommen der Nachricht, das Durchsickern von Details eines als geheim eingestuften Berichtes und seine gezielte Lancierung als lächerliches Faustpfand für die nächste Runde der Verhandlungen um mehr Geld und einen noch größeren EU-BRD-finanzierten griechischen Rettungsschirm.

Dazu sind die Deutschen nicht bereit

Jetzt sollte man natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen, dass – nimmt man die Bundesrepublik doch noch als Nachfolger des Deutschen Reiches an – eine Reparationsforderung Griechenlands an das Deutsche Reich mit dem 2+4-Vertrag tatsächlich nicht bedient wurde. Denn Griechenland und etliche andere Länder wurden an der Vertragslösung 2+4 schlicht nicht beteiligt – haben allerdings auch nicht großartig protestiert darüber – konnten somit auch keine Forderungen stellen, beziehungsweise nicht auf welche verzichten. Aber wohin sollte das nun führen? In ein revisionistisches Aufrechnungs-Chaos ohne Beispiel?

Nein, es wird jetzt und auch in Zukunft kein Geld ohne Gegenleistung mehr geben für irgendwelche fast 70 Jahre alten Forderungen. Dazu sind die Deutschen nicht bereit und sollten es auch nie sein. Die deutsche Regierung sollte und wird sich ebenfalls hüten, darüber auch nur einen Moment lang nachzudenken.

Soll sich Griechenland doch bitte an die Nachfolger der alliierten Siegermächte wenden. Denn die waren es, die bereits noch während des Zweiten Weltkrieges griechische Forderungen als „maßlos“ zurückgewiesen haben, wie die „Welt“ schon am 11.09.2012 zu berichten wusste, als erstmals der in Auftrag gegebene Bericht bekannt wurde. Und jetzt wird es komisch, denn die „Welt“ weiß außerdem, dass die Teilnehmer der Pariser Reparationskonferenz 1946 den Griechen bereits einen festen Anteil an den materiellen deutschen Reparationsleistungen zugesprochen hatten. „Tatsächlich erbracht wurden Sachleistungen, vor allem Maschinen aus westdeutscher Produktion im damaligen Gesamtwert von rund 25 Millionen Dollar, was damals 105 Millionen Mark entsprach und heute je nach Berechnungsmethode bis zu zwei Milliarden Euro.“

Wir verrechnen das

Natürlich war damals für die Verteilung der Siegerbeute nicht das Deutsche Reich oder ein nie ernannter Nachfolger verantwortlich, sondern die Alliierten selbst. Und insbesondere die Engländer zeigten sich da griechischer als die Griechen heute: Heinz A. Richter, pensionierter Professor der Universität Mannheim, hatte herausgefunden, „dass ein Drittel der insgesamt zugesagten Lieferungen 1950 auf englischen Schiffe Richtung Griechenland abgegangen sind. „Sie kamen jedoch nie dort an“, so Richter. Der Rest habe zwei Jahre im Hamburger Hafen vor sich hin gerostet und sei dann an die Briten verkauft worden. Der Erlös schaffte es nie bis nach Athen.

Also stellen wir abschließend fest, wenn ihr, liebe griechische Regierung, eure Beute bis heute vermisst, dann wendet euch doch bitte direkt an London, oder fahrt nach Hamburg und lasst euch euren Anteil in Schrott auszahlen. Oder lasst ihn einfach gleich da: Rohstoffe sind wertvoller denn je. Wir verrechnen das dann gleich mit den Zinsen für unsere deutschen Banken, die euch auf eigenen Wunsch Lastwagenweise Euro nach Athen gesandt haben. Sagt uns nur, in welcher Reihenfolge wir eure Gläubiger bedienen sollen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Boyan Slat ist die bessere Greta Thunberg

Die Schwedin Greta Thunberg gilt als Klimaikone. Aber bei genauer Betrachtung ist die Klimakaiserin nackt! Der smarte Niederländer Boyan Slat hingegen ist weniger bekannt, aber Greta gegenüber mit seinem Klimapragmatismus weit voraus. Aber wer ist der junge Mann aus Delft? Und viel wichtiger: Waru

Kevin Kühnert wird der (über)nächste SPD-Vorsitzende

Ich wette, Kevin Kühnert wird den (noch nicht gewählten) SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und seine Partnerin Saskia Esken ablösen. Sie glauben das nicht? Immerhin hatte ich schon öffentlich eine Wette angeboten, dass die beiden bei der Stichwahl zum SPD-Vorsitz als Sieger hervorgehen,

Was bedeutet der Sieg von Walter-Borjans und Esken?

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sind von der SPD-Basis zum neuen Duo an der Parteispitze gewählt worden. In der Stichwahl setzten sich die beiden Kandidaten klar mit 53,06 Prozent gegen den Vizekanzler Olaf Scholz

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Winfried Kretschmann - Wir müssen die Disruption des öffentlichen Raums verhindern

Wie kann es uns gelingen, die fragmentierte Öffentlichkeit wieder zusammen zu führen? Wie können wir Brücken zwischen der ganzen Fülle unterschiedlichster Gruppen bauen? Müssen wir vielleicht den Ort erst schaffen, an dem ein gemeinsamer Diskurs wieder möglich wird?

Rentner zahlen sechsmal so viel Steuern wie Erben

Rentnerinnen und Rentner, die in diesem Jahr in Rente gehen, zahlen bis zu fünfmal mehr Steuern, als Rentnerinnen und Rentner, die 2010 in Rente gegangen sind. Und das bei gleicher Rentenhöhe, die seitdem real an Kaufkraft verloren hat. Dass die Finanzämter selbst bei einer Bruttorente von 1200 E

Mobile Sliding Menu