Nachösterlicher Tritt in den Hintern

Alexander Wallasch3.04.2013Gesellschaft & Kultur

Spon-Kolumnist Jakob Augstein entdeckt an Ostern die Religion. Ausgerechnet ein Linker! Da hilft nur eins.

Ach Hase, ach Mensch …

Hatte Jakob Augstein über Ostern zu viel Eierlikör? Nein, es muss eine Überdosis Messwein gewesen sein, die ihn veranlasst hat, „Religion als soziale Utopie: Die Jesus-Alternative“ “in seiner „SPON“-Kolumne zu formulieren”:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-im-zweifel-links-die-jesus-alternative-a-891885.html. Jakob Augstein ist jetzt im Zweifel katholisch, das zumindest bleibt einem wie eine bittere Chicorée im Gaumen kleben, wenn man sich durch seine aktuelle Ostermette gekämpft hat.

Klar, der Mann hat Familie. Drei Kinder. Da kann man sich nicht einfach querstellen, wohl nicht einmal dann, wenn man als Linker, der er ja „im Zweifel“ sein möchte, mehrmals im Jahr mit Festivitäten konfrontiert wird, die christlichen Ursprungs sind: Ostern, Weihnachten, Vatertag … Sie wissen schon.

Liegt es an diesem neuen Buona-sera-Papst?

Was nun Ostern 2013 im Hause Augstein passiert ist, bleibt rätselhaft. Zurück vom Eiersuchen jedenfalls kommt Augstein als Geläuterter, der feststellt: „Man muss kein Christ sein, um die Bedeutung der Auferstehung schätzen zu lernen. Die Auferstehung ist der Sieg des utopischen Denkens. Und zwar im Diesseits.“

Was für ein Unfug. Dieser Jakob Augstein, der vor Kurzem noch tapfer einen Antisemitismus-Vorwurf gestanden hat, muss wirklich sehr verzweifelt sein an diesem von ihm so verhassten Neoliberalismus, dass er sein – unser! – Heil nun ausgerechnet in der christlichen Utopie entdeckt haben will. Dass er jenen Mehrwert entdeckt zu haben glaubt, der den, wie er ihn nennt, „abgewirtschafteten Tatsachenmenschen“ überwinden kann. Der tatsächliche Zerfall des großen Adenauer’schen Gedankens eines zukünftigen glücklichen und friedlichen Europas hat bei Augstein ausgerechnet zu Ostern eine große Hoffnungslosigkeit ausgelöst. Eine Depression!

bq. „In der Krise wird deutlich, dass Kapitalismus und Neoliberalismus keine Hoffnung bereithalten. Die Aufgabe der Politik wäre es, ihnen mit der Kraft der Utopie zu begegnen. Ostern, das Fest der Auferstehung, erinnert an diese Kraft.“

Um Himmels willen. Da beschwört ein Linker den Triumph des Willens, Pardon!, das genaue Gegenteil: den „Triumph der Utopie über die Hoffnungslosigkeit das Todes“. Der Tod kommt für Augstein „daher wie ein Finanzkapitalist und sagt ,There is no alternative‘ – und dann straft die Auferstehung Christi diese Worte Lügen. Das ist unerhört. Es gibt eine Alternative. Daraus lässt sich lernen, auch für die Politik.“

Ja, bin ich denn unversehens auf “kath.net”:http://kath.net/ gelandet? Oder liegt es an diesem neuen Buona-sera-Papst, der vorgibt, der Armenkönig, der Franziskus mit dem Triumph der Utopie unter dem weißen Gewande zu sein? Mensch Jakob Augstein, was’n plötzlich los mit Ihnen? Für Sie gibt es den Tatsachenmenschen, den Kapitalisten, den Kultmenschen. Und das Einzige, was Ihnen zu diesem für Sie düsteren Dreiklang einfällt, ist der Schrei nach der Dreieinigkeit versus „Utopielosigkeit“, wo Sie wohl noch viel lieber „Gottlosigkeit“ rufen möchten?

Ja, ja – so lange es was zu fressen im Kühlschrank gibt, ist Gott nicht vonnöten, aber wenn’s eng wird, muss es wohl doch der Heiland richten? Das ist nun wirklich lachhaft. Wie wenig links müssen Sie bereits sein, wie sehr muss Ihnen Ihr eigenes linkes Kostüm schon zum Halse raushängen, wie groß die Zweifel sein, die Sehnsucht nach einem Leben nach dem irdischen Joch des Jakob Augstein, dass Sie den von Ihnen verteufelten Goldman Sachs’ nur mehr nur noch den Vatikan entgegensetzen können und wollen.

Da hilft nur noch Stalin

Und dann ist Ihnen also über Ostern der neue Papst erschienen und Sie schlussfolgern wohl überm zu dick gebutterten Osterhefekranz der Gattin glückselig und hoffnungsvoll: „Wenn sich ein neuer Papst den Namen des Heiligen Franziskus ‚auferlegt‘ – so heißt es in der lateinischen Formel – also den Namen eines Mannes, der sein Hab und Gut unter die Armen teilte, dann versteht in der Ära der menschenfeindlichen Gier des Finanzkapitalismus die ganze Welt diese Botschaft.“ Und die Namenswahl finden Sie dann so aufregend, so ergreifend, dass Sie zur Erkenntnis gelangen: „Nur das Radikale ist realistisch.“ Wissen Sie was, was Ihnen fehlt, scheint mir vielmehr ein kräftiger nachösterlicher Arschtritt aus der linken Ecke.

Da kann ich Ihnen zur Ehre nur noch den Herrn Stalin zitieren, der soll ja auch zweifelhaft links gewesen sein: „Mr. Prime Minister, how many divisions did you say the Pope had?“ Nach Ihrer Lesart müsste, hätte man ihm wahrscheinlich antworten müssen: „Aber Herr Stalin, das weiß doch jeder. Der Papst hat die Heerscharen des Himmels an seiner Seite und diese unausrottbare Utopie für überlebenslänglich. Und die macht, dass alle Menschen glücklich und zufrieden sind, so sie doch nur ein bisschen überirdische Hoffnung haben dürfen …“

Ach Jakob, Du armes Häschen …

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