Mensch oder Schwein

Alexander Wallasch25.02.2013Außenpolitik, Innenpolitik, Wirtschaft

Aha, die EU-Kommissare wollen nun an unser Wasser. Nach ihrem Raubzug an der kommunalen Energieversorgung soll es den Wasserwerken an den Kragen gehen.

Aber wie funktionieren die Raubzüge dieser Jungs, auf welcher Gehaltsliste stehen sie im Einzelnen? Für den einfachen Bürger sind die Tricks und Neppereien dieser mafiösen Syndikate undurchschaubar. Das liegt in der Natur der Sache. Den ganzen Coup und die Dreistigkeit klar zu dechiffrieren, bedarf eines intensiven Studiums und einer detektivischen Arbeit mitten hinein ins verschachtelte diebische Vorhaben. Das macht es natürlich doppelt schwer, eine Empörung vernünftig zu artikulieren. Hilflose Wut. Einfach, weil Start- und Ziellinie vergangener Raubzüge zwar erkennbar sind, aber selten die Strategie, der Weg dorthin.

Die Privatisierung der Stromversorgung beispielsweise wurde dem Bürger unter anderem damit erklärt, dass die kommunalen Verwaltungen sich zu einem geldfressenden Bürokratie-Elefanten aufgebläht hätten, dem man nur noch mit Privatisierung und Wettbewerb beikommen kann, will man dem Bürger noch angemessene Strompreise garantieren. Das war der Kick-off. Der Abpfiff ist bekannt: Explodierende Strompreise, die heute dem entsprechen, was man noch vor wenigen Jahren als Miete zahlen musste. Eine zweite Miete also für jeden, der sich kein Eigentum leisten kann. Der Eigentümer zahlt obendrauf „nur“ eine Miete in Form seiner gestiegenen Nebenkosten.

Die Herren sitzen bereits vor dem offenen Tresor

Kann oder soll man sich nun dem Thema annähern, soll man sich frühzeitig positionieren, obwohl man den komplizierten Mechanismus dieser Diebstähle nicht in Gänze durchschaut? Man muss sogar, denn die Uhr läuft, die Herren sitzen bereits vor dem offenen Tresor. Man muss sogar selbst dann, wenn man Gefahr läuft, dass das nächste wirksame Instrument der Raubritter zum Einsatz kommt: der Vorwurf der Verschwörungstheorie. Eigentlich ein perfekter Trick. Denn über den Informationsentzug, die Verschleierung, können mitunter zunächst nur Annäherungen, Vermutungen entstehen. Die werden dann bereits im Keimen sofort zu Verschwörungstheorien hochgebasht.

Egal. Versuchen wir es dennoch mal. Überlegen Sie sich doch zum Ende der Geschichte, ob dieser Katalog an Mutmaßungen irgendetwas mit Ihrer persönlichen Wahrnehmung zu tun hat. Wenn nicht, kann man sich trennen, oder gegebenenfalls gemeinsam weiterdenken. Los geht’s.

Das elende Prinzip ist nahezu identisch. Durch Verkomplizierung und Verschleierung wird ein tatsächlicher Raubzug nur denen präsent, die daran verdienen, die ihn durchführen. Logisch, das ist in allen kriminellen Milieus die adäquate Vorgehensweise. So wie die Börsenjungs ihre Brut und ihre Günstlinge auf die von ihnen selbst gesponserten Eliteuniversitäten schicken – wo sie die komplizierten Spielregeln der Raubzüge erlernen – so wurden die Europa-Lobbyisten in Brüssel platziert, um ihren Herren mit einer für den einfachen Bürger undurchschaubaren Flut an bedrucktem Papier, der den Blick auf die große Sause verstellen soll, ihre Raubzüge am kommunalen Eigentum und am Staatsvermögen zu ermöglichen.

Asoziale Elite rund um den Erdball

Erstaunlicherweise ist die Vorgehensweise dieser, ja, so muss man sie wohl bezeichnen, asozialen Eliten rund um den Erdball in Gesellschaften, in denen man noch den Anschein von Demokratie zulässt, nahezu identisch: Zunächst wird von einem gekauften Solisten öffentlich eine maximal räuberische Forderung aufgestellt, die dann automatisch beim einfachen Bürger einen Sturm der Entrüstung auslöst. Das ist sogar gewollt. Damit ist nämlich zunächst ein Thema in der öffentliche Diskussion, das öffentlich zu denken, die Elitejungs bisher nicht gewagt haben. Der Vorprescher ist zunächst das Königsopfer. Natürlich unter der Hand reich belohnt. Und mit Aussicht auf spätere Rehabilitation.

Als Nächstes werden dann ein paar Besänftiger (Prinzip „böser Bulle, guter Bulle“) losgeschickt, die den Vorgepreschten scheinbar ausbremsen und sich auf die Seite des Volkes stellen, als gelte es ganz uneigennützig, Gefahren abzuwehren.

Dann wird die dritte Batterie in Stellung gebracht, die behauptet: „Na ja, so falsch war der ursprüngliche Gedanke ja nicht, denn …“ Der geplante Raubzug wird also im zweiten Schritt zwar verteufelt, aber im dritten bereits als vorteilhaft für alle ausgelobt. Nun lässt man etwas Zeit vergehen, bis eine Teil-Amnesie eintritt. Zeit heilt alle Wunden.

Parallel werden Tatsachen geschaffen, indem man alles dafür tut, dass sich ein bisher mehr oder weniger funktionierender Ist-Zustand des Volkseigentums zum Problemfall auswächst: Zuschüsse werden gestrichen, öffentliche Gelder eingefroren, Arbeitnehmer entlassen, Arbeitskämpfe provoziert, sogar Umweltkatastrophen heraufbeschworen, funktionierende Richtlinien verändert und neue Bundesgesetze aufgesetzt, die mitten hineinflanken in die kommunale Selbstbestimmung usw.

Und jetzt konkreter weiter: Unser Wasser. Und gleich mal zu Stufe zwei der Wasser-Räuberei. Zu den Besänftigern. “Das schreibt die „Zeit“ folgsam am 21.02.2013”:http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-02/wasser-stadtwerke-privatisierung-eu-kommission/komplettansicht: „Brüssel will unsere Stadtwerke privatisieren? So skrupellos ist die EU-Kommission dann doch nicht. Die Geschichte einer Kampagne“. Und kommt im Text sogar zu dem Schluss:

bq. Tatsächlich hat die EU-Kommission nie vorgehabt, die Wasserversorgung zu privatisieren, wie es viele Bürger fürchten. Stattdessen will der für den Binnenmarkt zuständige Kommissar Michel Barnier mit der sogenannten Konzessionsrichtlinie nach eigener Lesart lediglich die Risiken von Günstlingswirtschaft, Betrug und Korruption eindämmen.

“Heribert Prantl, sieht die Sache in der „SZ“ dann allerdings ganz anders”:http://www.sueddeutsche.de/politik/privatisierung-der-wasserversorgung-schlecht-fuer-den-geldbeutel-schlecht-fuer-die-nase-1.1583873:

bq. Zwar wird keine Kommune zur Privatisierung genötigt, aber Kommunen, die partout nicht wollen, müssen sich juristische Finessen einfallen lassen. (…) EU-Bürokraten reden sich den Mund fransig, um zu beteuern, dass davon kein Privatisierungszwang und auch keine solche Gefahr für die Wasserversorgung ausgehe. Aber Bürgermeister und Landräte, die ihre Schreck-Erlebnisse mit der Privatisierung der Daseinsvorsorge schon hinter sich haben, glauben das nicht – sie sind ja noch immer dabei, ihre alten Privatisierungsfehler zu korrigieren und privatisierte Stadtwerke, Verkehrsbetriebe etc. wieder zu kommunalisieren.

Protest darf auch auf Halbwissen beruhen

So weit, so schlecht, so undurchschaubar. Aber vor allem endlich ein Aufruf, sich nicht weiter hinter dem eigenen „Verstehe ich doch sowieso nicht“ zu verstecken. Ja doch, Protest darf sich auch aus Halbwissen und Halbgefühl generieren. Das untrügliche Gefühl, dass an einer Sache etwas faul sein könnte, ist sogar der entscheidende Motor, aufzubegehren, weil er Teil des emotionalen Empfindens ist. Nichtwissen gibt es nicht mehr. Aber wachsende Gewissheit und ein starkes Gefühl, dass genug nun einfach genug ist. Der wichtigste Schlüssel wird in der Betonung der Regionalität und Nationalität liegen. Europa ist gescheitert. Brüssel ist weltweit eine der führenden Gangsterhauptstädte geworden. Mit einer maximalen Kriminalitätsrate, die in keiner Statistik auftaucht. Ich könne das nicht beweisen? Wer, bitte schön, will uns in Zukunft davon abhalten?

Vertrauen wir unserem inneren Aufstand und beginnen endlich den äußeren. Maximal und schonungslos. Werden wir jeden Tag gemeinsam etwas schlauer. Stoppen wir aber zunächst einmal das, was uns als unabdingbarer Fortschritt verkauft werden soll. Entschleunigen wir, was andere beschleunigen. Sind wir mal konsequent rückständig und nehmen uns die Zeit, die wir für nötig halten, Veränderungen auf den Weg zu bringen, wenn wir überhaupt etwas verändert haben wollen. Nehmen wir uns die Zeit, die es braucht, zu verstehen, wer Mensch ist und wer Schwein. Und dann treiben wir die Sau gemeinsam aus dem Dorf. Weit weg vom Wasser.

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