Es gibt kein Recht auf staatliche bezahlte Faulheit. Guido Westerwelle

Dirty old men

Verbrannte Erde von Grass bis Broder: Was treibt die alten Männer um? Lasst sie verbannen wohin sie toben, aber keinen Schaden anrichten können.

Broder vs. Augstein, der Fight ist also entschieden. Ringrichter aus allen Ecken haben zugunsten Frère Jacques die Glocken läuten lassen. Was gibt es also noch zu sagen? Welche Frage ist offen geblieben? Vielleicht so viel: Was ist bloß los mit den alten Männern, mit diesen Schwergewichten, die im letzten Viertel ihres prominenten Daseins unbedingt All In spielen müssen? Das Gegenteil gibt es ja auch. Die Gaucks und Schmidts der Republik genießen doch mit ihrer Art, Gesellschaftspoker zu spielen, höchstes Ansehen.

Schauen wir also mal, was die alten Trapper reitet, wenn sie sich dermaßen vergaloppieren, wie aktuell Broder und andere vor ihm. Natürlich, da wirkt zunächst mal der Generationenkonflikt. Die einen haben sich über Jahrzehnte eingerichtet und wollen nicht weichen. Und die Frischlinge pochen schon lautstark und ungelenk ans Tor.

Jungs im Sandkasten

Klar, auf der politischen Bühne kennt man das spätestens seit Helmut Kohls unsäglicher letzter Kanzlerkandidatur oder Gerhard Schröders bierseligem Blackout angesichts der frischen Niederlage gegen Merkel vor laufenden Kameras.

An was erinnert es? Wohl am ehesten an Jungs im Sandkasten, die erst friedlich und gemeinsam die höchsten Burgen bauen, nur um sie dann nach Muttis Ruf zum Abendessen in einem Anfall von Zerstörungswut kurz und klein zu schlagen, damit bloß keiner, der am nächsten Morgen früher aufsteht, ohne Anstrengung davon profitiert.

Verbrannte Erde also von Günter Grass bis Henryk M. Broder. Jahrzehntelang Ruhm und Ehren angehäuft – häufig sogar gerade deshalb, weil man Wagnisse eingegangen, weil man sich glänzend positioniert hat. Aber eben auch kalkuliert, berechnend und mit maximaler Obacht. Wogen Ruhm und Ehren am Ende so schwer, dass man sie mit einer Rüstung verwechselt hat?

Torheit und Weisheit des Alters

Wie ernst zu nehmen, wie wahrhaftig ist, was – mit oder ohne weißen Bademantel – so irre poltert? Jopie Heesters nennt Hitler noch im Rollstuhl „einen guten Kerl“. Zweifelsfrei verzeihlich, stand er doch schon unter Beobachtung der viel jüngeren Frau, die ihm sofort das Lätzchen ums Hälschen drückt, um den Fauxpas zu verwischen. Wenn nun aber dem Alter ein „Mea culpa“ innenwohnt, ist dann nicht alles entschuldigt, was zwischen den Dritten herausgepresst wird?

François VI. de La Rochefoucauld meinte schon im 17. Jahrhundert zu erkennen: „Mit dem Alter nimmt man an Torheit und Weisheit zu.“ Dass auch hier keine gerechte Verteilung vorgenommen wird, beweist der aktuelle Fall.

Wenn man gegen all das nun aber nichts ausrichten kann, dann gilt es, die unappetitliche Angelegenheit „männliches Altern“ in die neutrale Ecke zu verbannen. Dort, wo sie toben, aber keinen Schaden anrichten kann. Und Gott sei Dank! – solche Séparées gibt es ja schon für Männer, die nicht in Würde altern können: Pattaya, Mallorca und den Harz. Für jedes Bedürfnis ist etwas dabei. See you!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Wallasch: Wachablösung für Maxim Biller

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