Die Alleskönner

Alexander Wallasch15.10.2012Gesellschaft & Kultur, Medien

Männer müssen nicht alles können, auch wenn sie das manchmal glauben. Kein Problem, denn die Natur hat sich einen Trick einfallen lassen, der Familie heißt. Eine Polemik.

Also Männer, jetzt mal ganz unter uns gesagt. Wir können nicht alles. Wir sind keine Alleskönner. Also halb so schlimm, dass so Operationen wie die der „alleinerziehenden Männer“ gescheitert sind. Und damit meine ich nicht etwa nur jene Minderheit unter uns, die nach Verlust der Frau alleine für die Kinder sorgt, sondern alle Männer, von denen neuerdings immer vehementer verlangt wird, sie müssten mit Kindern genauso gut umgehen können wie deren Mütter.

Gerade etwas mehr als zehn Prozent macht der Anteil alleinerziehender Väter unter Alleinerziehenden aus. Bei genauerer Betrachtung sind es sogar noch weniger, denn da helfen dem einen oder anderen Alleinerziehenden still und heimlich versiertere Erzieherinnen: “die Omas(Link)”:http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5303-grosselternzeit.

Traurige unattraktive Wölflein

Ja doch, wir kennen diese tragischen Gesichter alle. Der einsame Wolf in der Wolfskin-Jacke der vom Kindergarten zur Arbeit hetzt und dem man seine schwere Bürde schon von Weitem ansieht. Ein trauriges Wölflein. Und ein unattraktives dazu. Sorry, aber alleinerziehende Mütter treten nun mal selbstbewusster und ausgeglichener auf. Wenn auch nicht wenige mit einer großen inneren Hässlichkeit, aber da haben schon zu viele gelernt, wegzuschauen. Also so gesehen oberflächlich betrachtet attraktiver, wenn man die beiden Gruppen im Mittel betrachtet. Sie finden das unsinnig? Dann versuchen Sie mal mit attraktiver tiefer männlicher Stimme nach ihrem flüchtenden Kind zu rufen. Es funktioniert erfolgreich – will es nicht über die Maßen bedrohlich klingen – nur in so einem tuntig-schrillen Singsang.

Also noch mal: Die Sache ist leider gescheitert. Aber die Gründe sitzen natürlich tiefer als nur in so einem Wölfchen-Stimmbruch. Klar, auf kurze Distanz könnten Männer leisten, was so eine Alleinerziehungsrolle verlangt. Aber Männer taugen dafür nicht auf Dauer. Ein tiefes Selbstverständnis fehlt. Wir sind einfach anders programmiert. Wer sich dagegen wehrt, kämpft gegen Windmühlen. Und es geht besser: Als Partner in einer Familie sind wir die ideale Ergänzung zur Mutter. Wir schaffen es, besser vorzulesen als Mami, wir kennen die spannenderen Spiele, wir sind mitfühlender, wenn Probleme aus der Schule mit nach Hause gebracht werden und wir sind viel spendabler am Eiswagen.

Aber Männer machen all das auch aus einem sportlichen Gesichtspunkt. Es mutiert dann gerne mal zu einem hilflosen Werben um die Mutter der Kinder und die Kinder selbst. Und es funktioniert auch prima, solange Familienmänner wissen, dass sie den Staffelstab im äußersten Notfall an Mami abgeben können. Denn wie ist das denn, wenn die zur Kur, ins Krankenhaus oder womöglich sogar in den Kurzurlaub entschwindet? Erst ein kurzes Atemholen, dann ein langes zähes Ringen. Eine Planerfüllungsfurcht, als hätte der Schichtleiter mal eben die Leistungsanforderungen verdoppelt. Im Praxistest wird also schnell klar: letzte Instanz bleibt die Mutter der Kinder. Sie allein besitzt dieses ominöse Dauerabonnement. Die väterliche Interimsaufsicht beinhaltet eine Bewährungsauflage. Oder Bewährungsstrafe. Denn ohne die Mutter hat sich alle Leichtigkeit auf einmal verflüchtigt.

Das Rezept heißt: Familie

Seien wir weiter ehrlich, solange wir unter uns sind: Väterliebe zu den eigenen Kindern wird doch viel intensiver von einer Verbindung zur Mutter der Kinder getragen, als wir es uns andersherum von den Müttern unserer Kinder wünschen. Aber das ist trotzdem noch kein Grund zur Traurigkeit. Das ist normal. Einfach, weil die Grundvoraussetzungen schon immer different sind. Wir müssen uns da nichts mehr beweisen.

Im Übrigen stammt die Forderung nach Erziehungsparität nicht einmal von uns selbst. Die eben geschilderte Erkenntnis ist alles andere als neu. Sie basiert höchstwahrscheinlich sogar auf einer großen Menschheitserfahrung. All das war schon vor Generationen und über Generationen bekannt. „Mutter ist die Beste“ trifft es da übrigens nicht einmal genau. Das Rezept heißt schlicht: Familie.

“So wird dieser anachronistische Feminismus der Jetztzeit zur Antihefe im Familien-Teig(Link)”:http://www.theeuropean.de/julia-korbik/5323-feminismus-ikone-alice-schwarzer. Es beginnt bereits damit, dass Jungen schon in der Grundschule immer massiver benachteiligt werden. Ihre natürlichen individuellen Fähigkeiten verkümmern mangels Förderung – sie werden zu Alleskönnern degradiert. Könnt ihr nicht alles, seid/werdet ihr keine vollwertigen modernen Männer.

Eine moderne Definition für „vollwertiger Mann“ wollen dann ausgerechnet alternde Feministinnen wie beispielsweise diese fast 60 Jahre alte Bascha Mika liefern, die gerade erst in einem Streitgespräch mit Matthias Matussek auf Phönix festzustellen meinte, Dachdecker, Bauhandwerker und Müllmänner seien nun mal körperlich kräftigeren Männern vorbehaltende Berufe (was ja zunächst sogar stimmt), aber Männer müssten sich trotzdem gleichermaßen um Kindeserziehung kümmern. Wohlgemerkt nicht gleichermaßen nach ihren Fähigkeiten, sondern in so einer elenden Bascha-Mika-Parität.

Die ehemalige „taz“-Chefin beklagt sich also über zu wenige Männer in Erziehungsberufen. Fällt der Groschen? Kann es nicht sein, dass es analog zum körperlichen Vorteil des Mannes für bestimmte Berufe einen Vorteil der Frau für beispielsweise Erziehungsberufe geben könnte? Und wo soll der 50-Prozent-Anteil Männer auch herkommen, wenn die ja bereits von Frau Mika für Baustellen und Müllabfuhr verplant sind?

Wir können nicht alles

Und damit sind wir wieder am Anfang der Geschichte. Also Männer, mal unter uns gesagt: Wir können nicht alles. Und wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Also halb so schlimm, dass die Operation „Männer sind auch Mütter“ gescheitert ist.

Nein, wir sind keine männlichen Mütter. Nicht zu Hause und auch nicht anderswo. Wer die Forderung nach Männer-Quoten für Erziehungsberufe mal in einer direkten Feldstudie analysiert, stellt dort schnell fest: Die Erzieherinnen vor Ort wollen gar keine gleichberechtigten Männer als Kollegen, die mit ihnen womöglich noch um die angestammten leitenden Positionen konkurrieren. Vor Ort freut man sich viel mehr über dorthin delegierte junge Quoten-Burschen, auf männliche Untergebene also, die nach einer kurzen Ausbildung zum sogenannten Sozialassistenten bitte auf diesem Niveau verharren bzw. in Krabbelstellung mit den lieben Kleinen Türmchen bauen sollen. Wohl an.

Aber zurück zum Ausgangspunkt. Wenn also ein Kampfbegriff in der Feminismus-Debatte „Parität in der Kindererziehung“ lauten soll, dann geht das an männlichen Begabungen vorbei. Und Frauen wissen um diesen Sachverhalt. Sie wissen instinktiv, dass nur Mütter diese vollständige und bedingungslose Autonomie den Kindern gegenüber in sich tragen. Familie und Ehe scheinen aus diesem verqueren Blickwinkel dann tatsächlich eine aus männlicher Sicht notwendigere Erfindung zu sein. Warum? Weil Männer den integrativen Part für ein familiäres Rollenselbstverständnis dringender brauchen. Und der Abgesang auf die Familie muss dann also im familienfeindlichen Neo-Feminismus beheimatet sein.

Allerdings greift das zu kurz. Denn auch Frauen und Mütter werden im familienfeindlichen Neo-Feminismus um etwas gebracht, wenn sie eine nur ihnen ureigene Begabung und ein Talent verleugnen, das sie über Generationen zu selbstbewussten und gleichberechtigten Ehepartnern und Familienmitgliedern gemacht hat. Das alles ist also auf lange Sicht für beide Seiten das genaue Gegenteil einer Win-Win-Situation.

Und so, wie sich die Frau von heute darstellt, nährt die Befürchtung, dass Frauen ihrer angestammten Fähigkeiten sogar verlustig werden können: Die Behandlung von männlichen Nachwuchs jedenfalls in Kindergärten und Grundschulen legt diese Befürchtung nahe.

Arbeit kann richtig scheiße sein

Also worum geht’s bei all diesen idealisierten feministischen Forderungen wirklich? Doch zunächst einmal um das Recht auf einen Arbeitsplatz für alle. Aber dabei wird gerne vergessen, dass es irgendein Unisex-Recht für gut bezahlte und zugleich erfüllende Arbeit nicht gibt. Arbeit kann nämlich – “und das sogar in den häufigsten Fällen in unseren modernen neoliberalen Gesellschaften(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/12315-armut-in-deutschland – richtig scheiße sein. Unterbezahlt, nervenaufreibend und alles andere als ein durch Quote zu erzwingendes Glückslos. Die größte Furcht dieser Quoten-TV-Feministinnen kurz vor der Rente ist doch, dass es irgendjemandem gelingen könnte, Hausfrauentätigkeiten als vollwertige erfüllende Arbeit zu verstehen. Als eine Arbeit, die für die Familien im gleichen Maße für materiellen und geistigen Wohlstand sorgen könnte wie die Arbeit des dazugehörigen Mannes auf dem Baugerüst oder sonst wo.

Man stelle sich das mal vor: Hausfrauen, im selben Maße organisiert wie Arbeiterinnen und Angestellte in Lohnverhältnissen. Hausfrauen mit Anspruch auf Rentenjahre pro Kind und obendrauf noch pauschal für die Jahre der Haushaltführung. Die Zeitung „Der Standard“ zitiert aus einer Studie des österreichischen Familienministeriums:

bq. „Drei Viertel der Befragten 14- bis 24-Jährigen wollen eine Familie gründen – häusliche Kinderbetreuung bevorzugt. (…) Jede zweite junge Frau wäre gerne Hausfrau, wenn der Mann genug verdient. (…) Die Mehrheit, nämlich 62 Prozent, will zwei Kinder. (…) Klare Vorstellungen haben die Jugendlichen, was Kinderbetreuung betrifft: 77 Prozent sind der Meinung, Kinder bis drei Jahre sollten hauptsächlich von den Eltern zu Hause betreut werden.“

Und ein weiteres Zitat des „Standards“ aus einer ähnlichen Studie:

bq. „Es überrascht, dass die Realisierung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für beide Geschlechter – einfach aufgrund der biologischen Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen können – nicht vorstellbar ist.“

Es braucht einem also um die Familie von morgen noch nicht bange sein, da können enttäuschte alternde Feministinnen ihre Stirn noch so sehr in Falten werfen und versuchen, Politik über die eigene Lebenserwartung hinaus zu gestalten. Das Leben geht seinen eignen Weg. Und Männer müssen nicht alles können wollen.

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