Die Königin hasst Champagner

Alexander von Schönburg27.11.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Großbritannien mag eine Kulturkrise bevorstehen, an den liebenswerten Marotten der Windsors wird aber auch das nicht viel ändern. Ein Auszug aus Alexander von Schönburgs Buch “Was sie immer schon über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten” mit einer kleinen Abhandlung über die kulinarischen Eigenarten des britischen Königshauses.

3d808485a0.jpg

Zu den “Geheimnissen”, die längst ihrer Enthüllung harren, gehören die Essgewohnheiten der englischen Königsfamilie. Die Königin zum Beispiel isst nie Scharfes. Knoblauch, Curry, Koriander und überhaupt alle zu dominanten Gewürze lehnt sie strikt ab. Ebenso wie Spaghetti (machen Flecken!) und Obst mit kleinen Kernen, die zwischen den Zähnen stecken bleiben können (wie Brombeeren). Eine Mahlzeit, die in der Königsfamilie hochgehalten wird, ist die Tea-Time. Prinz Charles hat einmal gesagt, die Besessenheit seiner Familie vom Five o’Clock Tea-Ritual sei geradezu verstörend, “alles kommt zum Erliegen, alle denken nur noch an Gurkensandwiches mit Tee”. Diese legendären Gurkensandwiches werden natürlich mit abgeschnittenem Rand serviert, und zwar kurioserweise so, dass sie keine Ecken haben. “In meiner Familie gibt es nie eckige Toasts”, hat Prinz Charles einmal verraten, “das hat mit einem alten Aberglauben zu tun: Wenn jemand uns Essen serviert, das eine Kante hat, wird dies als Vorzeichen gesehen, dass jemand versuchen wird, den Souverän vom Thron zu stürzen.” Vor dem Abendessen gibt es grundsätzlich einen Aperitif (meist Gin mit Martini). Die Königin hasst Champagner. Wenn sie bei Staatsbanketten mit Champagner das Glas erhebt, tut sie anschließend nur so, als ob sie einen kleinen Schluck nehme.

Rattenfleisch für die Queen

Grundsätzlich ist die Königin sehr bodenständig und sogar ausgesprochen unpingelig. Wenn es die Höflichkeit verlangt, isst sie auch Eintopf mit Rattenfleisch (wie bei ihrem Staatsbesuch im mittelamerikanischen Belize; nachher sagte sie zu Philip, dass sie es gar nicht so schlimm gefunden habe, “rather like rabbit”, also ein bisschen wie Kaninchenfleisch). Bei ihrem historischen Staatsbesuch in China 1986 musste sie nicht nur verfaulte Eier essen (sie liegen wochenlang eingegraben, damit sie richtig schön faulig schmecken), sondern auch rohe Seeschnecke und gedünstete Holothurie, das vielleicht faszinierendste Lebewesen der Schöpfung, auch Seegurke genannt, ein glitschiges Etwas, dessen einziger Lebenszweck aus Fressen und Scheißen besteht. Das gesamte diplomatische Corps starrte gebannt auf sie, in schaudernder Erwartung ihres Gesichtsausdrucks. Mit Chopsticks aus Elfenbein führte die Königin die glitschige Existenz an ihren Mund, schluckte sie runter und sagte – zu aller Erlösung: “Delicious!” Eine Heldentat, die sie für ihr Vaterland auf sich genommen hatte. Nachher sagte sie in kleinem Kreis, es habe nicht viel anders als Krabbenfleisch geschmeckt. Haute Cuisine, jede Art von Chichi-Essen, findet sie eher ärgerlich.

Das Frühstücksritual des Prince of Wales

Prinz Charles ist da schon sehr viel anspruchsvoller. Wohin auch immer er reist, hat er seinen eigenen Koch und vor allem seine eigenen Speisen dabei. Er besteht darauf, ausschließlich “organische” Produkte serviert zu bekommen, und weil er das Gemüse von seiner eigenen Bio-Landwirtschaft in Highgrove bevorzugt, nimmt er es überallhin mit. Selbst wenn er seine Mutter in Balmoral besucht, lässt er sein Biogemüse lieber in Kühltransportern die über achthundert Kilometer nach Schottland fahren, statt das zu essen, was von den königlichen Bauernhöfen aus der Gegend geliefert wird. Mit solchen Schrullen macht er sich nicht nur Freunde. Auch seine Frühstücks-Präferenzen sorgen selbst innerhalb der eigenen Familie gelegentlich für Naserümpfen: frisch gepresster Orangensaft, ein wenig geschältes und aufgeschnittenes Obst, ein eigens für ihn hergestelltes Müsli, Milch (ausschließlich aus der eigenen Molkerei!), Vollkorntoast und 8 – ja, acht! – verschiedene Sorten Honig. Außerdem vollzieht der Prince of Wales jeden Morgen ein recht extravagantes Ritual, bevor er sein Ei (von – natürlich – frei pickenden Hühnern) verzehrt: Er bekommt immer vier Frühstückseier, jeweils zwischen viereinhalb und sechs Minuten gekocht, in Dreißig-Sekunden-Abständen aus dem Wasser genommen. Sie werden der Kochzeit entsprechend vor seinem Frühstücksteller aufgereiht. Wenn ihm das Ei Nr. 2 ein wenig zu weich ist, lässt er es stehen und nimmt sich Ei Nr. 3 – und so weiter. *Alexander von Schönburg, “Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten” 
Copyright © 2008 by Rowohlt Berlin Verlag GmbH, Berlin
272 Seiten, 17,90 €, ISBN: 978-3-87134-604-0
. Das rororo-Taschenbuch erscheint im Januar 2010.*

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Es gibt weder „Klimaflüchtlinge“ noch ein Recht auf Immigration

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU widerspricht der Forderung der Grünen und des UN-Menschenrechtsausschusses, dass Staaten Asylbewerber aufgrund klimatischer Bedingungen in deren Heimatländern aufnehmen sollten.

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu