Bei der Energiewende jonglieren wir mit 25 Bällen gleichzeitig. Claudia Kemfert

Das System Merkel geht zu Ende

Spätestens seit dem historisch schlechten Abschneiden der Union und dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen ist dem aufmerksamen Beobachter klar, dass die Ära Merkel in schnellen Schritten dem Ende entgegen geht.

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Eine Neuauflage der – mittlerweile nicht mehr so – großen Koalition wäre in diesem Zusammenhang allenfalls eine eher erzwungene Verlängerung mit wenig Unterhaltungswert. Dennoch verläuft die notwendige Nachfolgedebatte weitegehend schleppend, was nicht daran liegt, dass es keine willigen und/oder geeigneten Bewerber gäbe, sondern eher daran, dass sich keiner davon traut, seine Ambitionen offen an den Tag zu legen. Denn immer noch gilt die Befürchtung gemäß des Spargelprinzips, dass derjenige, der den Kopf zu früh aus dem Sand steckt, diesen verliert. Und als „Mörder“ der – wenn auch ungeliebten – Königin möchte ja in Hinblick auf die möglichen Sanktionen keiner enden. Nur so, und nicht etwa in Hinblick auf überragende Erfolge, entsteht der falsche Eindruck einer scheinbaren personellen Alternativlosigkeit für das wichtigste Amt der Bundesrepublik Deutschland.

Aber muss denn ein guter Bundeskanzler bereits vor Beginn seiner Amtszeit tatsächlich unbedingt in aller Munde sein und eine politische Spitzenposition bekleiden? Hatte Frau Merkel vor Beginn ihrer Kanzlerschaft in den Augen der Bevölkerung eine solche oder ist sie nicht in dieses Amt hineingewachsen und hat sich in den Jahren ihrer Kanzlerschaft Bekanntheit und Anerkennung erst erarbeitet? Und wenn gar mediale Beliebtheit eine wesentliche Voraussetzung für das Kanzleramt wäre, hätte z.B. Helene Fischer beste Karten für diese Position.

Mit dieser Erkenntnis ergibt sich ein möglicher Weg aus der Denkfalle Alternativlosigkeit:

Dem sich medial aufdrängenden Kandidaten oder gar Kronprinzen bedarf es nämlich gar nicht, er wäre möglicherweise noch nicht einmal der Idealkandidat. Entscheidend sollte doch sein, wer die Qualifikation für eine solche Managementaufgabe hat. Dazu gehört beispielsweise ein klares Bekenntnis zum Wohl der deutschen Nation und eine feste Vorstellung davon, wohin sich unser Land in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll, sowie ein Plan, wie dies ablaufen soll und auch Mut zu unbequemen Wahrheiten. Es geht also sehr stark um Management-Know how. Wenn man diese Anforderungen betrachtet, fallen einem vermutlich andere Namen ein, als in der üblichen Debatte, welcher Minister oder Parteifunktionär es machen könnte. Es würde der Bedeutung des Amtes und der politischen Debatte sicher gut tun, wenn wir die Eliten der Wirtschaft und der Wissenschaft nicht automatisch aus der Nachfolge ausschließen, nur weil sie eben den üblichen Denkmustern hinsichtlich eines politischen Spitzenamtes (noch) nicht entsprechen. Warum sollten nämlich nicht auch erfolgreiche, engagierte und gesellschaftlich aktive Unternehmer wie z.B. Wolfgang Reitzle oder Wolfgang Grenke, die ja bewiesen haben, dass sie große Organisationen führen können, das Kanzleramt gut führen können? Die Wahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten hat ja bewiesen, dass ein Mann der Wirtschaft durchaus zügig in ein Spitzenamt dieses Staates kommen kann. Auch Macron war keineswegs der lang gehandelte Kronprinz. Und wer kennt eigentlich den Vorstandsvorsitzenden des erfolgreichsten deutschen Unternehmens?

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Boris Palmer, Stefan Friedrich, Vera Lengsfeld.

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