Auserzählt

Alexander Kissler15.11.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Niemand will Thomas Gottschalk beerben. Kein Wunder: Wetten, dass…? war Gottschalk, und Gottschalk war Wetten, dass…?. Ohne den Brummkreisel bleibt von der Show nur ein Betriebsfest.

Der nächste Moderator von „Wetten, dass…?“ könnte der billige Jakob sein. Er wäre die Idealbesetzung für einen Job, den niemand will. Quotengarant Hape Kerkeling sagte nach einer Bedenkzeit von gefühlten drei Jahrhunderten öffentlich ab, passenderweise direkt auf dem Werbesofa von „Wetten, dass…?“. Jörg Pilawa fühlt sich bereits hinreichend beschäftigt, Michael Herbig hat ganz andere Pläne. Gleiches gilt für die beiden Geheimfavoriten Dieter Thomas Heck und Johannes Heesters. Nun könnte das Bubi-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf das Schneckenrennen machen. Witzischkeit kennt wahrlich keine Grenzen.

Kann „Wetten, dass…?“ ohne Gottschalk überleben?

Die Körbe, mit denen Thomas Bellut sein Intendantenbüro füllt, sind Ausdruck der schieren Verzweiflung. Schlichtweg niemand kann sich vorstellen, wie das Format überleben könnte ohne das Formatgesicht. Thomas Gottschalk ist „Wetten, dass…?“, und „Wetten, dass…?“ ist Thomas Gottschalk. Er wird es mitnehmen in seinen fröhlichen Ruhestand, demnächst im ARD-Vorabendprogramm. Der mal hochfahrende, mal kumpelhafte, mal zotige Ton, der Gottschalks Markenzeichen ist, wurde Markenzeichen der Sendung. Was sonst kann die in der Regel vorhersehbaren Wetten, die noch überraschungsärmeren Sofagespräche und die üblichen „internationalen Top-Acts“ zusammenbinden? Wäre es wirklich denkbar, statt der Zote zöge der Humor ein, statt des Kumpels der Grandseigneur und statt der Neigung zum Spontanabkanzeln jene zur Höflichkeit? Eher nicht. Je weniger Gerichte eine Küche zu kredenzen weiß, desto wichtiger ist der Leib des Koches, sind seine Witzelchen, seine Kleider und seine Kellnerinnen. Das Besondere an „Wetten, dass…?“ ist Thomas Gottschalk, dieser Archäopteryx der Samstagabendunterhaltung. Auch ohne Samuel Kochs tragischen Unfall Ende 2010 wäre es jetzt Zeit für das letzte Glöcklein. „Wetten, dass…“ ist – im Gegensatz zu manchem „Tatort“ – auserzählt.

Der Lack ist ab

Es ist unmöglich, denselben Zirkus einem neuen Direktor anzuvertrauen: Nicht weil Zampano Gottschalk eine derart überragende Medienerscheinung wäre, sondern schlicht deshalb, weil das einzig Sehenswerte an „Wetten, dass…?“ Thomas Gottschalk gewesen ist. Er hat die Show sich ganz einverleibt, hat sie verschlungen. Der Archäopteryx war Volksfürst geworden. Gottschalks konservierte Jugendlichkeit, sein Machotum im Gewand der Clownerie, seine ganze Brummkreisel- und Jahrmarkthaftigkeit überdeckten die Zähflüssigkeit einer doch sehr angegrauten Show. Ohne dieses hochtönende Zentrum wird das Vakuum als Vakuum ersichtlich sein. Da mögen die Konzepte noch so sehr modifiziert, mag an den berühmten Stellschrauben gedreht und gedreht werden. Gottschalk war das Konfetti, das den trüben Studioboden braucht, die ewig halbvolle Flasche Piccolo, die das Betriebsfest erträglich macht. Nach ihm kommt nicht die Sintflut, nach ihm kommt Carmen Nebel.

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