Unsere Fehlschläge sind oft erfolgreicher als unsere Erfolge. Henry Ford

Verfolgte Christenheit

Das Morden will nicht enden: Die Eskalationen der jüngsten Tage zeigen, dass Kirche wieder bedrängte Kirche ist. Nie war es anders.

Ist das nun ein negativer Gottesbeweis, ein trauriger Zufall oder gar die Signatur dieses jungen, schon arg zerzausten Jahrhunderts? Zur selben Zeit, da die Christenheit in der zurückliegenden Woche den alten Worten wieder lauschte, da "Frieden den Menschen Seiner Gnade“, Frieden den Menschen guten Willens aus himmlischen Höhen verkündet wurde, da betend sie vor einem göttlichen Kind in die Knie ging, singend auch und hoffend und zuweilen weinend – zu dieser Zeit, die man geweihte Nacht nennt, setzten islamische Krieger ihr Mordhandwerk fort. Die Geburtsstunde des christlichen Religionsstifters war kein Anlass für eine Feuerpause.

Perverse Logik

In Pakistan tötete die Taliban rund 50 Menschen, mindestens 60 wurden verletzt. Eine Selbstmordattentäterin sprengte sich in einem Zentrum für internationale Nahrungsmittelhilfe die Luft. Nur den Tod, dachte sie sich wohl, verdienen Menschen, die der Hunger zu Helfern aus dem Westen treibt. In dieser perversen Logik muss es schöner sein, zu sterben für Allah als zu leben dank nicht islamischer Unterstützung. Im Irak schreitet derweil die Vertreibung der Christen voran, mussten Christmetten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Auch in Algerien, Ägypten, Pakistan ist die winzige christliche Minderheit wachsender muslimischer Bedrohung ausgesetzt. Mit den Christen aber, schreibt El País, gehe “eine wichtige Brücke zwischen Osten und Westen verloren. Die Christen waren einst die Katalysatoren der arabischen Moderne”.

Besonders grausam wütet der muslimische Mob derzeit in Nigeria. Eine ganze Reihe von Anschlägen galt den Weihnachtsgottesdiensten. Häuser und Kirchen brannten, die Toten zählten nach Dutzenden. Das Heilige der anderen evoziert offenbar nicht Respekt, sondern stachelt auf zur Bluttat. Ein eifernder Gott, so die verquere Denkweise, wache eifersüchtig darüber, dass keinem anderen Gott die Ehre erwiesen werde. Nur Blut vermag diesen grausam Einen zu besänftigen.

Die am stärksten verfolgte Religion ist das Christentum

Fast zeitgleich – wir schrieben noch Advent – wurde in Saarbrücken und bei Fulda in Pfarrhäuser eingebrochen und wurden dabei katholische Pfarrer schwer verletzt. Der Täterkreis ist ungewiss, jener der Opfer ist es nicht. Sie gehören klar erkennbar jener Gemeinschaft an, Kirche gerufen, der von Anbeginn Verfolgung, Verleumdung, Missachtung prophezeit worden ist vom Kirchengründer selbst. Und so ist es gekommen. Die weltweit am stärksten verfolgte Religion ist das Christentum.

Die Ereignisse der letzten Tage zeigen, wie falsch das kommode Bewusstsein war, es gäbe ein Christentum ohne Risiko. Die gemütliche Taufscheinkonvention war Talmi schon immer. Falsch war und ist es, die Christenheit für ein sanft vor sich hinmurmelndes Kränzchen zu halten, das die Beete der Lieblichkeit düngt und die Äcker des Hübschen bewässert. Ihr Gründer wurde durchbohrt. Es gibt kein linderes Zeichen der Zugehörigkeit.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Kissler: Provision auf Weltrettung

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