Es war und es ist

Alexander Kissler30.09.2010Medien

Warum das Internet der ideale Nährboden für ein Debattenmagazin sein kann.

Die Zeile will nicht aus dem Kopf: “One year ago, ein Jahr wie eine Ewigkeit”. Es war Falco, knapp vor seinem Tode, der so den Hit “Jeanny, Part Two” begann. “Aber es war Liebe auf den ersten Blick, niemand wollte uns verstehen, du und ich, gegen die Welt.” Bekanntlich war es eine prekäre, vielleicht gar sehr einseitige und also erzwungene Liebe, die der Wiener da Ende 1986 grimmig herbeiphantasierte. Aber dass ein Jahr eine Ewigkeit sein kann, bleibt wahr. Und ebenso, dass die Zeit desto monumentaler wirkt, je stärker man “die Welt” gegen sich hat. Jene fließt ruhig nur denen, die sich mit dieser ganz einverstanden erklären.

Wachsen gegen Widerstände

Ein Jahr ist seit dem Start von The European vergangen, 51 wöchentliche Kolumnen unter meinem Namen sind bisher erschienen. Eine kleine Ewigkeit ist das schon. Zum einen, weil das Internet oft wie eine riesige Maschine zur Verwurstung von Gegenwart erscheint. Es saugt alles Neue an, unterschiedslos, zerkleinert es, wirft es auf die Seiten, und ehe man sich’s versieht, wandert das Neue nach unten, immer weiter, immer tiefer, wird abgelegt und ausgeschieden. Zum anderen, weil jede publizistische Neugründung ein Jahr erst einmal überstehen muss, lernen muss, wie man Leser begeistert und ernst nimmt, Autoren gewinnt und pflegt. Das Internet ist aber auch ein gigantisches Archiv. Fast nichts geht verloren. Insofern hat es gerade gegen die Materie, aus der es gestrickt ist, die Gegenwart, eine strukturelle Reserve. Es ist absolut gegenwärtig und gegenwartskritisch zugleich. Es sagt mit jeder Zeile “ich bin” und mit jedem Klick “ich war”. Aus diesem Grund kann es der ideale Nährboden für ein Debattenmagazin sein. Debatten, die den Namen verdienen, haben schließlich exakt denselben Anspruch: aus Gegenwärtigkeit geboren, ohne nur für die Gegenwart geschrieben worden zu sein.

Debatten über die Tagesaktualität hinaus

Hat The European diesen Anspruch immer eingelöst? Natürlich nicht. Hat es diesem Anspruch die Treue gehalten? Aber ja doch. Die Argumente sind, wenn es gut ging, von links nach rechts geflogen, ohne brav in der Mitte zu landen. Es gab und gibt die leidenschaftlichen Polemiker, die kühlen Interpreten, die harten Lobbyisten und – auch das – die selbstverliebten Primadonnen. Dass in dieser Stimmensymphonie mal zart und mal schrill gesungen wurde, blieb unausweichlich. Wenngleich mir längst nicht immer einleuchtet, warum ein Debattenmagazin aus Berlin einen englischen Namen tragen muss, hoffe ich, künftig stärker die europäische Dimension berücksichtigt zu sehen. Originäre Köpfe aus Portugal, Polen, der Schweiz sind noch rar gesät. Manches arg vollmundige programmatische Statement, geschuldet der Anfangseuphorie, hat sich glücklich abgeschliffen. Manche Hoffnung auf “Stimmen, die wirklich von Bedeutung sind”, blieb uneingelöst. Aber auch diese gesungene Wahrheit stimmt: “It’s a long way”, nicht nur “to Tipperary”, sondern erst recht nach Europa. Auf geht’s!

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