Man kann nicht nicht machen

von Alexander Greisle17.02.2010Innenpolitik, Wirtschaft

Jeder ist der Gestalter seiner Existenz. Es gilt, eine neue Arbeitswelt zu gestalten, von der Schulbank an bereitet der New Worker sein Berufsleben vor, gestaltet schlussendlich seine bestehende Existenz mit dem Ziel einer guten Life-Balance.

Globalisierung ist. Das Internet ist. Die neue Arbeitswelt ist. Die gewohnte Komfortzone ist nicht mehr. Wir tun gut daran, unsere Denkweisen und Einstellungen darauf zu justieren. Aufhalten werden wir diese Entwicklungen hier in Deutschland nicht. Machen wir was draus. Es beginnt mit der positiven Einstellung. Beispiel: der Begriff “prekäre Arbeitsverhältnisse”. Unsere Sprache ist mächtig. Sprechen Sie “prekär” mal laut aus. Klingt abstoßend, nicht wahr? Wer verspürt da schon noch Lust, die Herausforderungen und Chancen der neuen Arbeitswelt aktiv anzunehmen? Lassen Sie uns diesen Begriff schnell aus unserem Vokabular streichen. Überlegen wir lieber, wie wir diese aktiv gestalten – und nicht verwalten. Da es die misslichen Situationen durchaus gibt, ist ein staatliches Sicherheitsnetz notwendig – ein für diese Arbeitswelt befähigendes, centgenau berechnetes, aber kein nicht nachvollziehbares Hartz irgendwas, Mindest- und Niedriglöhne, 1-Euro-Jobs. Die Antwort auf die neue Arbeitswelt kann es nicht sein, zu alimentieren und die Standards nach unten zu schrauben. Es zeigt keine Perspektive, nicht für die Gesellschaft, nicht für die Menschen. Ein die neue Arbeitswelt proaktiv begleitender Staat gibt Hilfe zur permanenten Selbsthilfe, begleitet von einer sozialen Absicherung, sei es als Abfederung oder als Grundeinkommen.

Es gibt keine Existenzgründer. Jeder hat seine Existenz, seit seiner Geburt

Ändern wir Denken und Begrifflichkeiten auch an einem anderen Punkt: Es gibt keine Existenzgründer. Jeder hat seine Existenz, seit seiner Geburt. Kinder sind Existenzgründer. Es gibt Gründer von Unternehmen, Initiatoren, Gestalter, Selbstständige, Macher. Frei nach Friedemann Schulz von Thun: Man kann nicht nicht machen. Vor Jahren, zu Beginn meiner Unternehmerlaufbahn, saß ich in einigen Seminaren für eben diese Existenzgründer. Anmutung: erwartungsfrohes Schulbankdrücken wie am ersten Tag in der Grundschule. Gestandene Menschen mit Ideen sitzen brav in Klassenräumen und hören mal verwalterische, mal warnende Ausführungen von Dozenten, die selbst keinerlei Gründerluft geschnuppert haben. Der Kreis schließt sich: Existenzgründer sind Kinder. Das brauchen wir nicht. Der Werkzeugkasten für die erfolgreiche Existenzgestaltung und die notwendige Denke muss frühzeitig in den Schulen vermittelt werden – von Praktikern. Dort werden Existenzen gegründet.

Jeder ist Existenzgestalter

Motor der neuen Arbeitswelt ist Kreativität und Flexibilität im Denken. Alte Geschäftsmodelle lösen sich in Luft auf, wir müssen uns immer schneller neu erfinden. Zusammenarbeit wird direkter, integrierter und spontaner, Wissen und Information transparent. Längst ist das Internet ein integrierter Lebensbestandteil wie das Stromnetz. Die alte Beschaulichkeit des Arbeitslebens gibt es nicht mehr. Die neue Beschaulichkeit liegt darin, das Internet im Liegestuhl im Garten zu nutzen. Wir werden weniger Zeit in Büros absitzen. Wichtig sind sie weiterhin: als Ankerpunkt und als Ort der Kommunikation. Andere Arbeiten lassen sich anderswo viel besser erledigen, und das oft mit hohem Gewinn für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das führt dazu, dass in einer modernen Arbeitswelt die Arbeit kein eher unangenehmer Bestandteil des Lebens mehr ist. Das Konzept der Work-Life-Balance aus der 9-to-5-Zeit hat ausgedient. Vielmehr geht es um die Life-Balance, um das permanente Austarieren von beruflichen Herausforderungen, Familie, Umfeld, sozialen Engagements. Das ist herausfordernd, aber auch spannend und befriedigend. Jeder ist Existenzgestalter.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

CO2-Steuer im Wohnungsbau wird zum Selbstzerstörungsmechanismus der SPD

Eine CO2-Steuer im Wohnungsbau, besonders im sozialen Wohnungsbau, wird zu einem Selbstzerstörungsmechanismus für die SPD, die die Wähler reihenweise in radikale Parteien treibt. Wie soll ich meinen Mietern erklären, dass SPD und CDU Klimaschutz auf ihre Kosten durchsetzen? So oder so: am Ende z

Wie ein Präsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und ausländischen Freunde der Ukraine ist entsetzt über den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und Geschäftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in Brüssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erläutert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und Parlamentspräsident, sowie den Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grünen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der über dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu