Da muss man kein Mathematiker sein, da reicht Volksschule Sauerland, um zu wissen: Wir müssen irgendetwas machen. Franz Müntefering

Mediale Milde für unmenschliche Mörder?

US-Präsident Donald Trump polarisiert. Ungeachtet der jüngsten Erfolge in der Korea- oder Wirtschaftspolitik: Seit dem extrem polemischen Wahlkampf, der ihn ins Amt brachte, ist er für seine Gegner rassistisch, sexistisch, ekelhaft. Um dieses Bild nicht verblassen zu lassen, liefern große US-Medienanstalten wie CNN oder Zeitungen wie die New York Times beständig Inhalte, die den Hass befeuern.

Mitte Mai frohlockten die Trump-Hasser in den Redaktionsstuben. Die Meldung verbreitete sich in Windeseile: Der US-Präsident habe Einwanderer als „Tiere“ bezeichnet – Entmenschlichung von Schutzsuchenden, von Menschen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die USA wollen. Das saß, der Rassist im Weißen Haus hatte scheinbar wieder einmal seine hässliche Fratze gezeigt.

Halt! Stopp!

Ganz so hatte es sich nicht zugetragen. Die ganze Angelegenheit war doch etwas komplexer, als es auch Medien hierzulande zunächst vermeldet hatten. Denn die Aussage von Trump, jene Menschen seien schlimmer als Tiere, war nicht auf alle Personen bezogen, die in die Vereinigten Staaten einwandern wollen.

Doch zunächst das Trump-Zitat, dass den Sturm im Wasserglas auslöste: „You wouldn`t believe how bad these people are. These aren`t people. These are animals. And we`re taking them out of the country at a level and at a rate that´s never happened before.“ Aber ging e shier wirklich um Einwanderer?

Auch in diesem Fall gilt wieder die Weisheit: Kontext ist König. So war nämlich in der Berichterstattung die nicht unbedeutende Tatsache ausgeklammert worden, dass sich Trumps Aussage auf ganz spezielle Einwanderer bezog, und zwar auf die Mitglieder der Verbrecherbande MS-13. Um zu zeigen, um welche Klientel es sich dabei handelt, sind einige Informationen über diese Organisation hilfreich.

„Mata, viola, controla“

Das Ursprungsland von Mara Salvatrucha, wie die Gang in der Langform heißt, ist El Salvador. Von dort aus expandierte sie und verfügt schätzungsweise derzeit über 50.000 bis 100.000 Mitglieder in Nord- und Südamerika. Das Tätigkeitsgebiet der Kriminellen umfasst den Waffen-, Menschen- und Drogenhandel, Prostitution, Diebstahl und Schutzgelderpressung. Besonderes Merkmal von MS-13 ist ihre abscheuliche Brutalität, mit der sie ihre Interessen durchsetzt. So werden Opfer häufig bestialisch verstümmelt und ihre Leichen zum Teil an öffentlichen Plätzen abgelegt. Wie Kriminal-Experten berichten, werden nur Mörder in die Bande aufgenommen, getreu dem Grundsatz: Blood in, blood out. So kann auch der Austritt nur durch den Tod erfolgen. Wahlspruch von MS-13 ist „mata, viola, controla“, also „töten, vergewaltigen, kontrollieren“.

Wer nur einen Ausschnitt der Berichte aus US-Medien über die Taten dieser Bande liest, kann die Abscheu verstehen, mit der Trump über diese Personen urteilte und ihnen die Menschlichkeit absprach. Doch um dem Präsidenten wieder Rassismus vorzuwerfen, gaben sich politische Kommentatoren und auch US-Demokraten dafür her, auch noch MS-13 Mitglieder vor Trump in Schutz zu nehmen.

Chuck Schumer – der demokratische Senator sei an dieser Stelle stellvertretend zitiert – empörte sich über Trumps Aussage mit dem Hinweis darauf, dass die Vorfahren der heutigen US-Amerikaner als Einwanderer in das Land kamen. Auf Twitter schrieb Schumer: „When all of our great-great-grandparents came to America they weren`t ‚animals‘ and these people aren`t either.“ Pro-republikanische Kommentaren fragten süffisant, ob denn der Familienstammbaum von Schumer Drogendealer, Vergewaltiger und Mörder aufweise?

Verzerrte Wahrnehmung statt null Toleranz

Als sich allmählich verbreitete, dass Trump eben jene Verbrecher der MS-13 meinte, begann das schwerfällige und widerwillige Zurückrudern. Zu schön las sich doch die Meldung von der vermeintlichen verbalen Total-Entgleisung des US-Präsidenten. Selbst dann waren sich manche Trump-Hasser nicht zu schade, die Menschlichkeit von MS-13 Mitgliedern zu betonen. Der konservative Journalist Paul Joseph Watson brachte es auf den Punkt: Angesichts einer derart verzerrten Wahrnehmung und des grotesken Hasses auf den Präsidenten sind dessen Gegner das Problem.
Man kann viel über Trumps Politik und seine Maßnahmen streiten. Aber der Plan, MS-13 mit einer null Toleranz Politik zu bekämpfen und ihre Mitglieder außer Landes zu schaffen, kann nur uneingeschränkt begrüßt werden. An seiner Titulierung ihrer Mitglieder als „Tiere“ ließe sich höchstens kritisieren, dass er damit die Tierwelt beleidigt.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Günter Ederer , Anton Hofreiter, Oliver Götz.

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