Weimarer Verhältnisse jenseits des großen Teichs

Alexander Graf14.05.2017Gesellschaft & Kultur, Politik

Die Antifa in Europa und speziell Deutschland ist es gewohnt, dass ihre Aktionen medial als „Kampf gegen rechts“ beklatscht werden. Die von ihnen angewandte Gewalt wird als notwendiges Übel verharmlost oder legitimiert. Auch wenn immer wieder sogar Politiker zum Opfer von Antifa-Angriffen werden, ächtet man diese Gruppen hierzulande nicht konsequent. Etwas anders verhält es sich in den USA.

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Nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten treten auch in den USA Antifa-Gruppen immer öfter gewalttätig in Erscheinung. Schon kurz nach dem Wahlsieg griffen oftmals vermummte Täter seine Anhänger an. Wie Videoaufzeichnungen, die auf YouTube zu finden sind, zeigen, genügt schon das Tragen einer „Make America Great Again“-Kappe, um mit Pfefferspray angegriffen und geschlagen zu werden. Durch diese Aktionen sollten die Wähler des Präsidenten im Nachhinein für ihre Wahlentscheidung bestraft werden. Zugleich wähnen sich die linksradikalen Kräfte, die hinter den Attacken stecken, in einem verzweifelten Kampf gegen ein „faschistisches Regime“; eine Wahnvorstellung, die sie mit ihren Gesinnungsgenossen in Europa verbindet. Ihre verzerrte Wahrnehmung der Realität manifestieren die US-Antifaschisten in ihrem Schlachtruf „No Trump, No KKK, No Fascist USA“. Wobei KKK die Abkürzung für die nur noch in marginalen Resten existierende Rassisten-Organisation Ku Klux Klan ist.

Angriff auf die Redefreiheit

Wie in Europa, so versuchten auch in den Vereinigten Staaten die Antifaschisten durch Ausschreitungen ihnen unliebsame Veranstaltungen zu verhindern. Als der umstrittene und extrem polarisierende Journalist Milo Yiannopoulos an der Universität von Berkeley einen Vortrag halten sollte, eskalierte die Situation. Am 1. Februar randalierten Angehörige des sogenannten Schwarzen Blocks an der kalifornischen Hochschule und verursachten Schäden im sechsstelligen Dollarbereich. Polizisten wurden angegriffen und Feuer gelegt. Unter diesen Umständen konnte der geplante Vortragsabend nicht stattfinden; der linksradikale Mob hatte seinen Willen mit Gewalt durchgesetzt.

Doch damit war zugleich eine rote Linie überschritten worden. In den USA genießt die Redefreiheit einen sehr hohen Stellenwert. Jede Ansicht, mag sie auch noch so bescheuert sein, soll unter Hinweis auf die verfassungsmäßig garantierte Redefreiheit geäußert werden können. Die Randale von Berkeley mobilisierten in den folgenden Wochen Trump-Anhänger, Libertäre, Konservative und Rechte. Am 4. März sammelten sie sich am „March 4 Trump Day“. Wie zu erwarten war, kam es bei verschiedenen Demonstrationen wieder zu Zusammenstößen mit der Antifa. Berühmtheit erlangte bei einer dieser Auseinandersetzungen Kyle Chapman. Der Trump-Anhänger stürzte sich bei einer Schlägerei mit der Antifa mitten ins Getümmel. Ausgerüstet mit Gasmaske, Helm, Schild und einem Holzstock ging er zum Angriff über. Die Video-Aufnahmen davon wurden zu einem Hit auf YouTube. Als Chapman verhaftet wurde, sammelten seine Unterstützer Spenden für die Gerichtskosten. Mittlerweile ist er so etwas wie eine Ikone der Alt Right-Bewegung und Trump-Anhänger geworden.

Battle of Berkeley

Berkeley, die liberale Vorzeige-Uni, wurde zuletzt zum Schlachtfeld der Pro- und Anti-Trump-Lager. Am 15. April kam es zur sogenannten Battle of Berkeley zwischen den verfeindeten Gruppen. Als sich die Antifa-Mitglieder wieder daran machten, ihre Gegner mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und Steinen anzugreifen, zeigten diese sich gut vorbereitet. Eine große Gruppe von ihnen war ähnlich wie Chapman ausgerüstet. Mit Gasmasken und Halstüchern schützen sie sich gegen die Pfefferspray-Angriffe der Linksradikalen. Die Auseinandersetzungen zogen sich durch die Innenstadt, als die Trump-Anhänger und Verfechter der Redefreiheit die Antifa quer durch die Stadt jagten.

Mit der entschlossenen Gegenwehr hatten die vermummten Linksradikalen nicht gerechnet. „National Review“ kommentierte die Ausschreitungen wie folgt: „Every single time the progressive establishment ignores, minimizes, or whitewashes leftist violence, it sows the wind. Americans have watche mobs attack police and burn buildings in Baltimore, Ferguson, Charlott, and Minneapolis. They have watched mobs riot over politics and free speech in Middlebury, Berkeley, Portland, Chicago, and Los Angeles. Is anyone at all shocked that when the police hang back, others will step into the void?“ Ohne die Gegengewalt der Antifa-Gegner rechtfertigen zu wollen, muss zur Kenntnis genommen werden, dass die Polizei sich bei den Ausschreitungen überraschend passiv verhielt. So wurden die randalierenden Gruppen nicht aufgelöst, und es kam nur zu vereinzelten Verhaftungen.

Battle of Berkeley, eine Straßenschlacht, die in vielen Videos in den sozialen Netzwerken Verbreitung findet, zeigt, wie die Antifa-Mitglieder ihrerseits aus scheinbar friedlichen Demonstrationen heraus angreifen und sich dann rasch wieder in der Menge zurückziehen. Perfiderweise stehen dabei oftmals weibliche Demonstranten in der ersten Reihe und feuern die Gewalttäter noch an oder mischen selbst bei den Handgreiflichkeiten mit. Wehrt sich die Gegenseite handfest, schaukelt dies die Emotionen schnell hoch; wird Gewalt gegen Frauen doch als besonders verabscheuungswürdig angesehen.

Warnung vor Freikorps

In einem Land mit so freizügigen Regelungen zum Waffenbesitz wie den USA, ist es besonders riskant, wenn sich die politischen Auseinandersetzungen so gewaltsam wie derzeit abspielen. Die „Newsweek“ warnte unlängst davor, dass sich die Ausschreitungen schnell in bürgerkriegsähnlicher Gewalt mit Schusswaffeneinsatz auswachsen könnten. Schaut man sich im Netz um, stellt man fest, dass sich Aufrüstungsphantasien der beiden verfeindeten Lager häufen und immer offener diskutiert werden. Nicht nur die „Newsweek“ warnt daher schon davor, dass sich nach dem Vorbild des deutschen Bürgerkriegs zu Beginn der Weimarer Republik rechtsradikale Freikorps bilden könnten.

Ärgerlich ist, dass auch in den USA die liberalen Massenmedien die Gewalttaten der Antifa verharmlosen. Aber die konservativen Sender, Magazine und YouTube-Kanäle nennen das Kind beim Namen. So bezeichnete ein Reporter des Internet-Nachrichtenmagazins „Rebel Media“ die Antifa als eine „internationale Terrororganisation“. Hierzulande hat sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt. Stattdessen werden Antifa-Gruppen mit staatlichen Geldern alimentiert und für ihre angebliche Zivilcourage gelobt. Wie lange soll das noch so sein?

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