Der Wald, ein Feind!

Alexander Görlach31.03.2015Gesellschaft & Kultur

Wir schwärmen von einem Leben in der unberührten, freien, rauen Natur – und würden dort keine fünf Minuten überleben.

Es ist Natürlichkeit, für die wir schwärmen. Unberührt, grün, wild – ein Umfeld, in dem wir uns gerne sehen, wir Stadtnomaden. Nicht nur, dass einem eine behauptete Ursprünglichkeit als Grundlage für Werbebotschaften verschiedener Arten ständig begegnet, auch in Gesprächen hört man immer wieder, man habe im Urlaub einen „ganz unberührten“, „natürlichen“ Ort gefunden. Wer so spricht, möchte dafür beim Cocktailempfang ein extra Sternchen: Er oder sie ist ein Abenteurer.

Die Wahrheit aber ist: Es gibt diese unberührte Natur nicht. Überall dort, wo wir angelangen, ist die Unberührtheit in dem Sinne, wie wir sie meinen, schon längst vorbei. Das soll nicht heißen, dass der Mensch unnatürlich sei. Gleichwohl hat er sich über seine Natürlichkeit hinaus entwickelt und ist ein kulturelles Wesen, das sich sein Habitat selbst erbaut und erkämpft hat.

Gegen die Natur

Der Mensch, so sagt der Philosoph Arnold Gehlen, ist ein „dissoziiertes Wesen“, eines, dem die Natur seiner Physis nach wenig Spielraum zum Überleben gegeben hat. Die Tiere, die ihn in der Savanne bedroht haben, waren schneller zu Lande, im Wasser, über die Bäume, in der Luft als er. Das heißt, der Mensch und die Natur sind keine Partner. Vielleicht erklärt sich daher auch die Lust des Menschen, die Natur zu zerstören.

Im Gilgamesch-Epos jedenfalls ist der Wald, den wir heute als eines der Bilder der Unberührtheit und anmutigen natürlichen Schönheit benennen, ein Gegner. Erst als der Held ihn gerodet hat, bestehen die Gefahren, die von ihm ausgehen, nicht mehr. Der Wald ist dunkel, Fabelwesen und Räuber hausen in ihm, in seinen Wipfeln toben Geister. Kurzum: Der Wald ist ein Feind!

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Aber setzen wir den Menschen des Westens mit seinen Fantasien über die unberührte Natur einmal in ihr aus: Er wird keine fünf Minuten überleben. Den Dschungel, den Wald, die Unbilden des Wetters haben wir hinter uns gelassen. Hätten wir das nicht gekonnt, gäbe es uns nicht mehr.

Wenn der Mensch von Natur spricht, meint er domestizierte Natur. Auch eine wilde, in der Epoche der Romantik angelegte Parkanlage kann darüber nicht hinwegtäuschen, dass wir uns als die Macher der Natur sehen, ihre Gestalter. Und das Chaos, das wir ihr noch erlauben, eines ist, das wir überschauen und moderieren möchten. Die echte, unberührte Natur gibt es noch an immer weniger Stellen. Ihr tun wir den größten Gefallen, wenn wir nicht in ihr auftauchen.

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