Die piefige Neidgesellschaft | The European

Ein Haus voll Glorie

Alexander Görlach12.03.2015Gesellschaft & Kultur

Das Bischofshaus in Limburg kann besichtigt werden. Es zeigt, dass die Kirche auch heute noch ein zuverlässiger Kulturträger ist. Gott sei Dank!

29c04a9ecf.jpeg

Getty Images

Es war ein Trauerspiel, wie die Kollegin vom Hessischen Rundfunk ihrem Brass Luft machen musste: Sie könne sich solch teure Armaturen wie im Bad der Limburger Residenz nicht leisten. Wen interessiert das, was die Kollegin für eine Badausstattung hat? Sie ist nicht der Maßstab.

Dem Bischof gehört das Haus nicht, es gehört der Diözese. Es gehört allen Gläubigen, es gehört der Zukunft. Es ist eine Anlage in die Jahrhunderte, die noch folgen mögen bis zur Wiederkunft Christi. Zur Erinnerung: Der nebenan stehende Dom, der Hunderte von Jahren nach seiner Erbauung immer noch für seine Magnifizenz gefeiert und von vielen besucht wird, hat auch viel Geld gekostet und auch damals dürfte nicht jede Unze Gold, die zu seiner Erbauung notwendig geworden war, voll freiwilliger Freude aufgebracht worden sein.

Ein würdiges Bauwerk

Fakt ist, dass der Residenz Geschmack attestiert wird, dass sie den archäologisch und historisch bedeutenden Grund, an dem sie steht, gut integriert und sogar, was in der Tat eine Seltenheit ist, einen Sakralraum in ihrer Mitte hat, der Gegenwart und Vergangenheit so zusammenführt, dass man sich wirklich noch in einer Kirche wähnt und nicht in einer Garage. „Die Armen“, so spricht der Herr, „habt ihr immer.“ Und als er von einer armen Frau mit kostbarem Öl gesalbt wird, weist er die Jünger zurecht, die das Öl lieber verkauft und den Erlös den Armen gegeben hätten.


Natürlich kann man diskutieren, ob es eine solche Residenz braucht. Auf jeden Fall muss darüber diskutiert werden, welches Geld der Herr Bischof wie in das Projekt gesteckt hat. Doch darum geht es in der bundesdeutschen Diskussion nur vordergründig. Es wird geneidet. Der Neid aber ist eine Todsünde. Und so spricht es für die sublime Fähigkeit der Kirche, ihre Gläubigen zu ermahnen, indem sie ihnen durch diesen Bau zeigt, dass sie in all ihrer piefigen Spießigkeit nicht das Maß aller Dinge sind.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland verspielt außenpolitisches Vertrauen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verändert die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas. Der russische Angriffskrieg zwingt die NATO und die EU dazu, die Bewahrung von Frieden und Freiheit in dem Teil Europas, in dem wir das große Glück haben zu leben, wieder zur vorrangigen politischen Priorit

Stirb, weil Du den Islam kritisierst

Nach dem Attentat auf den Salman Rushdie ist die westliche Intellektuellenszene schockiert. Viele Schriftsteller und Karikaturisten haben schiere Angst, dass auch sie von den Schergen Irans verfolgt werden, sollten sie etwas Islamkritisches veröffentlichen. Ein Klima der Furcht und Selbstzensur bre

Woke sein ist ok – wenn man es denn wirklich ist!

Der rechtskonservative Kongress in Texas, bei welchem unter anderen auch der ungarische Ministerpräsident Orbán eine Rede gehalten hat – hat deutlich gezeigt, dass die Rechtspopulisten etwas geschafft haben, wozu die gesellschaftspolitische Linke nicht im Geringsten in der Lage ist: eine globale

Mehrheit will keine Maskenpflicht mehr

In den vergangen beiden Jahren 2020 und 2021 war der Kampf gegen die Corona-Pandemie das maßgebliche Thema. Die Mehrheit der Bürger sprach sich für strenge Maßnahmen aus. Im laufenden Jahr hat aber nicht nur die Angst um den Frieden in Europa, sondern auch um die Versorgung mit Energie - beides

Der CumEx-Kanzler bald Ex-Kanzler?

Olaf Scholz wird mit voller Wucht von einem alten Skandal eingeholt. Die Details der Hamburger Finanzaffäre werden immer brisanter. Dabei sind die Umfragen für den Kanzler wie für die SPD ohnedies miserabel. Die Linkspartei sieht Scholz schon stürzen. Tatsächlich ist die Ampelregierung alles an

Merkel vor Kohl: So werden die Kanzler seit der Wiedervereinigung bewertet

Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition. Wenn man heute fragt, welcher Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung die Interessen Deutschlands am besten vertritt oder dies getan hat, belegt Alt-Kanzlerin Angela Merkel (38 Proz

Mobile Sliding Menu