Den Bären bändigen

von Alexander Görlach5.03.2015Außenpolitik, Europa

Mit Stolz singen sie noch heute: „Rule, Britannia!“. Nur führen die Briten schon lange nicht mehr. Das ist ein Problem, denn um den russischen Bären zu bändigen, braucht Europa alle Kräfte.

Großbritannien hat sich aus dem Kreis der Führungsnationen in Europa verabschiedet. Die ehemalige Weltmacht ist abgetaucht, nur noch ein Schatten ihrer selbst auf europäischer Bühne. Merkel und Hollande haben das Kommando des EU-Krisenregiments für die Ukraine übernommen. Weder Premier Cameron noch sein Außenminister, dessen Namen man erst googeln muss, haben in Minsk mit am Tisch gesessen, oder sind beteiligt an der regen Telefondiplomatie zwischen Paris, Berlin, Moskau und Washington.

Die Briten haben keine Strategie

Die Briten haben als einer von drei Unterzeichnern des Budapester Memorandums von 1994, das die territoriale Integrität der Ukraine sichern sollte, eine besondere Verantwortung für das scheiternde Land. Außer der Ankündigung zur Entsendung einiger Militärberater und Sanktionen gegen Russland, die jedoch der City of London nicht gefährlich werden dürfen, hat das ehemalige Empire keinen substanziellen Beitrag zur Konfliktlösung in der Ukraine geleistet. Auch im Falle Griechenlands geben sie sich unbeteiligt.

Das ist die Wiederauflage der _splendid isolation_, Großbritanniens außenpolitischer Doktrin gegen Ende des 19. Jahrhunderts: größte Zurückhaltung bei dauerhaften Allianzen und Konflikten auf dem Kontinent, bei gleichzeitigem Ausbau von Handel und Wirtschaft. Gut ist das weder der Insel noch dem Kontinent bekommen. Die bevorstehende Unterhauswahl im Mai und die innenpolitischen Probleme, wie die knapp verhinderte Abspaltung Schottlands, schaffen dafür nur schwaches Verständnis.

Es ist wahr: Europa schlafwandelte in die Ukraine-Krise, wie das britische Oberhaus kürzlich lautstark proklamierte. Teil der Wahrheit ist auch, dass die Briten, die sich in der Rolle der Opposition innerhalb der EU gefallen, ebenfalls keine Strategie haben, wie man langfristig mit Russland zusammen arbeiten und an den Ostgrenzen der EU leben könnte. Es ist Zeit, dieses Problem mit vereinten Kräften zu lösen.

Die wertkonservativen Briten müssten sich, auch zum Ausgleich, an die Seite des deutsch-französischen Pragmatismus stellen. Dort werden sie dringender denn je gebraucht. Der russische Bär ist nicht mit Zuckerbrot allein zu bändigen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Frau Weidel: Was hat es zu bedeuten, dass ich per Google nur Schweigen der AfD zu dieser Frage vorfinde?

Nach dem Attentat in Halle hat Boris Palmer (Die Grünen) an Alice Weidel (AfD) einen Offenen Brief geschrieben und fragt: "Wäre es nicht notwendig, dass Sie zu dieser Tatsache eine politische Bewertung abgeben? Wie stehen Sie dazu, dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wieder zu Morden

Erdogan will die Tore bis Wien öffnen

Trumps wilder Rückzug aus Syrien macht Erdogan den Weg frei für seinen historischen Masterplan: Ein Eroberungsfeldzug zur Wiederherstellung des Osmanischen Reiches. Nicht nur die Kurden sind in Gefahr. Auch Europa droht gewaltiges Ungemach.

„Das Volk gegen seine Vertreter“ lautet Johnsons Devise

Der Mann hat keine Skrupel. Er agiert in einem bemerkenswert polemischen Wahlkampfmodus. Da wird das Florett der Rhetorik beiseitegelegt und zum rostigen Beil gegriffen. Boris Ziel sind Neuwahlen, weil er hofft, dass ihm die Wähler Recht geben und sich gegen ihre Vertreter im Unterhaus wenden werde

Fünf Gründe warum die Linkspartei an Geltungskraft verliert

Einst regierte die LINKE den Osten unisono und war als Kümmererpartei allgegenwärtig. Der deutsche Osten der Puls und die Partei seine Herzkammer. Doch die Windrichtung hat sich geändert, die Herzen auch: Die LINKE ist im Abschwung und verliert an Atem, ihr droht der Infarkt, wenn nicht gleich de

"Sag' mir, wo du stehst!"

Kann man den Klimawandel als ernstes Problem betrachten und trotzdem genervt sein von der allgegenwärtigen Klimapropaganda?

Der Islam und das linke Weltbild sollen mit allen Mitteln geschützt werden

Montag am frühen Abend im hessischen Limburg: Ein großer LKW steht vor der roten Ampel. Plötzlich reißt ein Mann (ca. 30 Jahre, Vollbart) die Fahrertür auf, starrt den LKW-Führer mit weit geöffneten Augen an. Dann zerrt er ihn mit Gewalt aus seinem Fahrzeug, setzt sich selbst rein und fährt

Mobile Sliding Menu