Brüder im Geiste

von Alexander Görlach13.03.2015Außenpolitik

Putin und Erdoğan träumen von alter Größe – wir müssen hoffen, dass ihre Egos einer Zusammenarbeit im Wege stehen.

An Europas Peripherie toben sich zwei Männer aus, denen die imperiale Vergangenheit ihrer Herkunftsländer mehr ist als die Errungenschaften der westlichen Moderne: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdoğan. Die beiden regieren ihre Länder wie ein Zar und ein Sultan. Der eine spricht von der Unbesiegbarkeit seiner Armee, der andere behindert massiv die wichtigsten Kommunikationsseiten im Internet.

Christus hält nichts von Panzerparaden

Beide lieben die Religion – für ihre Mittel und Zwecke. Der ehemalige KGB-Agent nutzt die orthodoxe Kirche als Werkzeug seiner Macht, lässt sich in Kathedralen und Dorfkirchen ablichten. Der ehemalige, angeblich bekehrte Islamist weiß die bei muslimischen Frauen gottgefällige Kinderzahl.

Wenn Putin über Religion spricht, dann redet er über Gott und nicht über Christus. Der milde Herrscher, der in Jerusalem auf einem Esel einreitet, hält bekanntlich nichts von Panzerparaden. Der Gott aber, der Russland stark macht, schon. Herr Erdoğan hingegen träumt vom Gottesgnadentum in seinem Tausend-Zimmer-Palast. Das könnte sich kein normaler Regierungschef oder Religionsführer heutzutage mehr erlauben. Cäsaropapismus – der Ruf aus einer anderen Zeit. Mit einem Hauch von Hitler-Diskurs. In der Türkei heißt es nämlich als Argument für den Präsidenten, dass Herr Erdoğan die Wirtschaft angekurbelt und das Land zu Wachstum und Wohlstand geführt habe. Klingt nach nationalsozialistischem Jobwunder durch Autobahnbau.

Anzeige:



Herr Putin möchte die alte Stärke Russlands zurück; für ihn sind die ehemaligen Sowjetrepubliken eine Art immerwährendes Einflussgebiet Russlands. Herr Erdoğan träumt von der Wiederherstellung des Osmanischen Reiches. Für die Länder, die heute auf dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches liegen, empfindet er eine gewisse Patronage. Die Abkehr von der traditionellen Israel-Politik der türkischen Republik dient dazu, der „arabischen Straße“ zu gefallen und dort als politische Führerfigur wahrgenommen zu werden.

Noch machen die beiden nur bedingt gemeinsame Sache. Hoffen wir, dass es so bleibt und sie sich aus Ego-Gründen gegeneinander positionieren werden.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu