Nichts ist für die Ewigkeit

Alexander Görlach6.03.2015Gesellschaft & Kultur

Religion postuliert Regeln, die für das Leben aller Menschen angeblich gleich gültig sein sollen. Freiheitliche Gesellschaften geben aber nichts auf angebliche göttliche Setzungen.

„Nur Gott kann ohne Gefahr allmächtig sein“, schreibt der Staatsphilosoph Alexis de Tocqueville. Kann er nicht! Denn wir fragen heute genau nach seinen Ansprüchen, seinen angeblichen Ansprüchen, die er uns mittels seiner, meist selbsternannten, Diener zu Ohren kommen lässt. Freiheitliche Gemeinwesen geben nichts auf göttliche Setzungen. Nicht, weil sie etwas gegen Gott haben müssten, sondern gegen allgemeine, für ewige Zeiten gültige Regelsätze.

Kein Bock auf Propheten

Unsere menschliche Wirklichkeit steht den Behauptungen des Religiösen diametral entgegen. Für jeden Fall kann man, so spüren wir, subjektive Beweggründe des Handelns ausmachen. Kein Mensch funktioniert wie ein anderer. Die Behauptung eines einheitlichen Horizonts, den Religion postuliert, geht daher nur auf Kosten von Pluralität und zuungunsten der Vielfalt.

Dabei spielen nicht die Dinge eine Rolle, die mit der Theologie, mit den Glaubenssätzen zu tun hätten. Nicht der Himmel ist Stein des Anstoßes, sondern die Erde: Wie sollen die Gläubigen leben? Der einfachste Handlungsgrundsatz ist dabei geeignet, zu einem integralen Bestandteil der eigenen Identität zu werden. Die Orthopraxis des Glaubens bildet heute die Grundlage von Konflikten, nicht die Orthodoxie, so wie es in der Vergangenheit häufig der Fall war. Wandelt sich in der Eucharistie Brot und Wein in Leib und Blut Christi? Darüber wurden in Europa erbitterte Religionskriege geführt. Heute stehen Lebensstile im Widerstreit: beispielsweise ein sogenannter westlicher gegen einen ebenso genannten islamischen.

Wer einen wahren Lebensstil propagiert, der nicht nur für den Entdecker selbst, sondern auch für die Menschen um ihn herum gelten soll, der bekommt es mit den anderen zu tun – zu Recht. Auf Moses haben die Israeliten zeitweise so gar keinen Bock mehr, Jesu Botschaft provoziert die herrschende Elite seiner Zeit, bis sie ihn ans Kreuz schlagen lässt. Mohammed muss Mekka verlassen, weil seine Radikalität den Mitmenschen zusetzt.

Das religiöse Empfinden, das von den Gläubigen immer dann höher in Kurs gesetzt wird, wenn die Anders- oder Nichtgläubigen sich mit den Ansprüchen der Religion auseinanderzusetzen gezwungen sind, ist nicht mehr wert als jedes andere Fühlen. Übrigens auch nicht weniger. Damit ist dann schon alles gesagt. Der Papst vom „anderen Ende der Welt“ hingegen, der religiöse Satire mit der Beleidigung seiner Mutter gleichsetzt und mit einem Fausthieb ahnden möchte, bedient archaistische Motive und widerlegt damit die landläufige These, dass Jesuiten alle klug seien. Gott mag im Himmel allmächtig sein, auf Erden ist er es nicht. Denn bei einem Fausthieb im Namen Gottes ist es selten allein geblieben.

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