Der „Spiegel“ wird an der entsetzlichen mehltaumäßigen, sozialdemokratisch-grünen Korrektheit zugrunde gehen. Matthias Matussek

Im Tal des Ahnungslosen

Wer einen Wirtschaftsminister wie wir Deutschen hat, braucht keine Wirtschaftsspionage aus China mehr.

Sigmar Gabriel lebt im 19. Jahrhundert. Für unseren Wirtschaftsminister zählt die Industrie, deutsche Autos und so. Digitale Innovation, neue Geschäftsmodelle? Nichts für unseren Siggi. Er zettelt lieber Krach mit Google an. Fabuliert von der Zerschlagung des Konzerns. Wenn am Anfang des 21. Jahrhunderts der deutsche Wirtschaftsminister die Harfe auf ein Lied der alten Zeit anstimmt, dann ist die Frage mehr als angebracht, ob er wirklich denkt, dass wir in fünfzig Jahren den Chinesen immer noch Autos verkaufen oder ob Google nicht wirklich das Zukunftsauto auf den Markt bringen wird oder Apple vielleicht.

Der englische Publizist Charles Percy Snow schrieb 1959 in seiner viel beachteten Rede „The Two Cultures“ darüber, wie England gegenüber Deutschland den Anschluss im 19. Jahrhundert verloren hat. Die Briten waren sich zu snobistisch, als dass sie von ihrem ererbten Bildungskanon hätten ablassen wollen. Kein Problem, sagte man in Deutschland, und so wurden hier die Applied Sciences geboren. Die exzellenten Ingenieurswissenschaften sind das Fundament für den Erfolg des „German Engineering“, von dem Deutschland bis heute profitiert.

Deutschland hat den Anschluss ans digitale Zeitalter verloren

Der IT-Pionier Andreas von Bechtolsheim kehrte 1975 aus Verärgerung über nicht vorhandene IT-Ausstattung an der TU München seiner Heimat noch während des Studiums den Rücken und ging in die USA. Direkt nach dem Abschluss in Pittsburgh ging er Mitte der 1970er-Jahre ins Silicon Valley. Hier verwirklichte er seinen Programmierer-Traum und gründete später Sun Microsystems. Er ist übrigens derjenige, der den Google-Gründern die ersten hunderttausend Dollar Invest für ihre Suchmaschine gab. Ein Investment, für das er sich sicher nie schämen musste.

Deutschland hat schon in den 1970er-Jahren mit dem Weggang seiner IT-Koryphäen den Anschluss an das digitale Zeitalter verloren. Deshalb sitzen Amazon, Facebook und Google heute im Silicon Valley und nicht im Taunus oder im Alten Land. Wir diskutieren nicht nur die Zerschlagung von Internetkonzernen, sondern die alten Akteure von der Taxi- bis zur Hotellobby laufen Sturm, um die Politik zu überreden, für ihre Sache und gegen das Digitale zu arbeiten. Wer so einen Sigmar Gabriel hat, braucht keine Wirtschaftsspionage mehr aus China.

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