In zwei Jahren wird Spam ein Problem der Vergangenheit sein. Bill Gates

It’s the execution, stupid

Junge Unternehmen sind nah dran am Markt, können schnell reagieren und sich anpassen. Auch The European hat das in den zwei Jahren auf dem Medienmarkt bewiesen. Was für das Meinungs- und Debattenmagazin gilt, ist leider nicht wahr für die Gegenstände unserer journalistischen Betrachtung: Von denen, die etwas hätten dazulernen sollen, haben uns die meisten den Gefallen nicht getan.

Silvio Berlusconi ist noch da. Wladimir Putin auch. Ahmadinedschad ist auch noch da. Das Kommunikationsdesaster in der – bei Gründung von The European neuen – schwarz-gelben Bundesregierung ist auch noch da. Manchen wundert’s, aber die FDP ist immer noch da. Die Piraten sind nach ihrem Achtungserfolg bei der letzten Bundestagswahl noch deutlicher da. Und natürlich hat der Papst auch bei seinem Deutschland-Besuch den leidigen Zölibat noch nicht aufgehoben, also ist der auch noch da.

Die Einzigen, die es in den letzten 24 Monaten wirklich nahezu völlig zersetzt hat, sind al-Qaida und der Euro. Von al-Qaida hoffe ich, dass sie bald vollkommen ausradiert ist, für den Euro hoffe ich, dass er nicht Opfer unserer Schulden-Orgien und von gottlosen Spekulanten wird, sondern er in die goldene Zukunft geht, die ihm verheißen ist.

Kompendium der Beharrlichkeit

Was sagt uns dieses kleine Kompendium der Beharrlichkeit über Geschichte aus? Auf jeden Fall, dass Geschichte nicht wie ein Start-up funktioniert. Dort heißt es nämlich: „It’s the execution, stupid.“ Es ist die Ausführung. Also die Ausführung der neuen Idee, des neuen Business. Denn nicht die Idee ist das, worauf es ankommt, sondern wie sie umgesetzt wird. Da blicken wir dieser Tage auf zwei gute Jahre zurück: Ein großartiges Team, das Ihnen, den Leserinnen und Lesern, jeden Tag ein exzellentes Meinungs- und Debattenmagazin kredenzt!

Aber zurück zur execution außerhalb unserer Redaktionsmauern: Da hat aktuell die Union wenig zu lachen, denn Ronald Pofalla hat, als die Unterstützung für den EFSF gemacht wurde, einfach mal krachend bei der execution versagt. Schwarz-Gelb war einmal DIE Idee, leider, bei der Ausführung komplett versemmelt. Nun, Schwarz-Grün war auch einmal DIE Idee. Einen Tsunami und ein überflutetes Notstromaggregat im Keller eines am Meer gebauten AKW in Japan später: auch das Geschichte. Da streift kein Mantel der Geschichte.

Gurkentruppe und Wildsäue

Zur guten und gelingenden execution gehört natürlich auch das Team! Da schon andere vor uns, das Bundes-Team als „Gurkentruppe“ und „Wildsäue“ bezeichnet haben, setzen wir das hier einfach mal in Gänsefüßchen und lassen es auf uns wirken. Was sagen diese beiden Kosungen wohl über die Qualität der execution in der zweiten Regierung Merkel aus? Richtig.

Manchmal hilft ja ein neues Gewand. Dann heißt es nicht mehr Schwarz-Gelb, sondern Christlich-Liberal. Es kommt aber auch auf den Inhalt an und unser „Redesign“, das wir Ihnen heute, im zeitlichen Umfeld unseres zweiten Geburtstags als Deutschlands Meinungs- und Debattenmagazin (siehe oben), vorstellen, wäre nur eine klingende Schelle ohne den Premium-Inhalt. „Klingende Schelle“ ist aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Steht im „Hohelied der Liebe“, 13. Kapitel. Paulus hat es geschrieben, als sie sich in Korinth alle an den Haaren gezogen, gekratzt und angespuckt haben. Es ging um Fragen der reinen Lehre. Ein PDF dieses Bibelauszugs bitte an die Bundesregierung. (Wie diese Ermahnung an die Rotzlöffel von Korinth zu dem Klassiker bei kirchlichen Hochzeiten avancieren konnte, wäre eine eigene Betrachtung wert, doch wir müssen bei unserem Thema bleiben.)

Warum „Facelift“ nach Alice Schwarzer klingt

Wer leider nicht mehr da ist, ist Horst Köhler. Wer leider immer noch da ist, ist Jürgen Trittin. Wenn Joschka Fischer nicht noch einmal einen langen Weg zu sich selbst läuft, wird der Dosen-Jürgen 2013 Vizekanzler. Ach, und wer auch noch da ist, ist natürlich Klaus Wowereit. Und weil es an der Stelle auch wirklich gut passt – und das ist auch gut so. Angesichts von Trilliarden von Schlaglöchern in Berliner Straßen im Sommer und nicht geräumten Gehwegen im Winter ist das ein Wunder, aber ein Wunder war es ja auch, dass der Heilige Vater im Bundestag die ökologische Bewegung gesegnet hat. Volker Beck hat sich vom Schock auf das päpstliche Lob immer noch nicht erholt.

Apropos Benennungen, „Wildsäue“ und so. Wir zeigen Ihnen heute unser „Redesign“. Wir haben ein neues Aussehen und darunter verbergen sich einige Neuerungen, die wir Ihnen hier im Video erklären. Eigentlich nennt man das in unserer Internet-Sprache ja auch gerne mal „Facelift“. Aber „Facelift“ klingt nach geliftet, geflickt – und irgendwie nach alter Frau. Was wiederum an Alice Schwarzer erinnert, die auch noch da ist und feste auf die 70 zugeht. Oder man nennt es „Relaunch“. Das klingt dann aber so wie „Alles noch mal auf Anfang“. Ob man Frau Schwarzer relaunchen könnte?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Alexander Görlach: Eine echte Politikerin

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