Bundespräsident Koch

Alexander Görlach26.05.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Staatsoberhaupt wird Roland Koch sicher nicht, alles andere kann er jetzt werden. Wann geht zum Beispiel noch einmal Herr Trichet in Pension? Durch seinen Abgang ohne Not hält sich der Hesse alle Türen zur Macht offen. Angela Merkel und er sind sich ähnlicher, als wir auf den ersten Blick glauben.

Roland Koch tritt zurück – von allen Ämtern. Vordergründig grundlos. Hintergründig auch. Bevor ihn die Wähler aus dem Amt tragen, macht er ihnen vor, dass er den rechten Augenblick bemerkt, den Moment, wenn es Zeit ist zu gehen. Andere hatten diese Größe nicht: Helmut Kohl zum Beispiel. Diejenigen, die diese Größe aufbringen, werden dafür von der öffentlichen Meinung belohnt: zuletzt Margot Käßmann. Roland Koch war sein Bundesland nicht zu klein. Er war gern Landesvater. Genau deshalb weiß er, dass die Hessen, die ihn 1999 zum ersten Mal ins Amt gewählt haben, das kein weiteres Mal mehr tun werden. Er war geliebt und gehasst, er hat polarisiert und mehr als einmal danebengelegen. Als fachkundig wird er von Freund und Feind geschätzt. Das gefällt ihm. Nicht umsonst zählt ihn die Bundeskanzlerin sowohl zu ihren Beratern als auch zu ihren größten innerparteilichen Intim-Feinden.

Koch ist der Joker der Union

Apropos: Roland Koch unterscheidet sich elementar von Jürgen Rüttgers, einem anderen Intim-Feind der Kanzlerin. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident hat sich gerade mühsam durch eine Legislatur gekämpft, an ihrem Ende an Skandalen nicht arm. Krachend hat er die Wahl verloren und muss nun hoffen, wenigstens den Landesvorsitz seiner Partei zu behalten. Sonst ist es mit einer weiteren politischen Karriere erst einmal zu Ende. Anders bei Roland Koch: Der gibt neben dem Amt des Ministerpräsidenten generös den Parteivorsitz, das Landtagsmandat und den CDU-Vize-Sitz ab. Genau dadurch – nicht etwa durch einen scheibchenweisen Abgang von der Macht – ist Roland Koch nun der Joker für alle Aufgaben, die die Union zu vergeben hat, beziehungsweise für die Posten, die mit dem Einfluss der Kanzlerin in den kommenden Jahren besetzt werden.

Wann geht Herr Trichet noch mal in Pension?

Eine Ausnahme gibt es: Jürgen Rüttgers wolle Bundespräsident werden, hieß es in den vergangenen Wochen immer mal wieder. Dieser Traum, so er denn wirklich einer von Herrn Rüttgers war, ist für ihn nicht ausgeträumt (wenn er den Landesvorsitz und damit politischen Einfluss behält). Roland Koch gilt als Unsympath. Das höchste Amt im Staate wird er nicht bekleiden können. Wohl aber ein sehr hohes in der Wirtschaft. Oder ein politisches Amt, das mit Wirtschaft und mit Finanzen zu tun hat. Wann geht Herr Trichet noch mal in Pension? Dass sich die Pendel in der Europäischen Union weiter zugunsten französischer Vorstellungen neigen, kann in Berlin keiner wirklich wollen. Ein Ordnungspolitiker aus Schrot und Korn – Koch hat sich als so einer in seiner Kritik an steigenden Bildungsausgaben trotz labilster Haushalte kurz vor seinem Abschied gegeben – wird mehr als einmal vonnöten sein in der nächsten Zukunft.

Merkel und Koch – im Abgang gleich

Als Kanzlerkandidaten bleiben der CDU für die Zeit nach Frau Merkel jetzt nur noch Karl-Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff. Die Kanzlerin, die nun endgültig keinen konservativen Flügel mehr in ihrer Partei hat, wird 2013 (oder früher) noch einmal antreten und eine Regierung mit den Grünen bilden. In der Mitte der Legislatur wird sie das Amt und das Zepter abgeben an einen der beiden genannten Herren. Dass Christian Wulff sich ziert, ist fromme Legende. Die Partei soll ihn bitten, Kanzlerkandidat zu werden – das ist alles. Angela Merkel hat sich mit Roland Koch nie so gut verstanden wie in dem Moment des Abgangs. Man kann über die Bundeskanzlerin viel sagen – dass sie machtversessen sei, sicher nicht. Sie wird im richtigen Moment gehen, den Laden geordnet übergeben. Wie sie das am besten anstellen soll? Sicher wird sie Roland Koch anrufen und ihn um Rat fragen. Die Handynummer hat sie gespeichert. Es ist dann egal, ob er in Frankfurt, Straßburg oder Brüssel das Gespräch entgegennimmt.

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