Glaubenskrieg

Alexander Görlach15.09.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Es geht um das freie Netz. Apple umzäunt und belagert es. Apple will es austrocknen und seine Nutzer mit schönen Produkten in die App-Knechtschaft führen. Ein kosmischer Kampf hat begonnen, in dem Google der Gegner des Apfelriesen ist.

Der Dualismus ist ein großer Geschichtenerzähler. Von den antiken Heldenepen über die gnostische Weltanschauung bis zu den endzeitlich aufgeladenen politischen Ideologien à la Bush junior und Ahmadinedschad. Nun also wieder Gut gegen Böse: Apple gegen Google. Geschlossenes System versus offenes Internet. Die Fronten sind klar: Das Web lebte von der Offenheit, sowohl technisch als auch inhaltlich. Offenes Programmieren macht das browserbasierte Web zu einem Marktplatz für alle. Ein Marktplatz der Freien, auf dem gesprochen werden konnte, über was man möchte. Ermöglicht wurde das durch den freien Zugang zu allen Informationsquellen. Es klingt nach einer neuen Epoche der Aufklärung.

Apple zensiert Inhalte und diktiert Preise

Nun kommt Apple – und erfindet den iTunes Store und die Apps. Musik zum Downloaden für einen kleinen Preis, Monopol: Apple. Die Applikationen für Smartphones: Das Monopol liegt bei Apple. Die Konzernpolitik um das iPad treibt es auf die Spitze: Steve Jobs legt nicht nur den Preis für Apps fest, an die sich zuerst einmal die Verlage halten müssen, sondern er zensiert auch die Inhalte. Verlage sind also weder in ihrer Preisbildung noch publizistisch frei. Hier beginnt ein Konzern, gewaltig seine Rolle zu überschätzen – böse zu werden. Nicht umsonst ist der abgebissene Paradiesapfel das Logo des Konzerns. Wie Gott sein, weniger scheint Steve Jobs nicht zu genügen. Googles Android ist eine freie Software und quelloffen. Es ist ein Betriebssystem und eine Softwareplattform für Smartphones, Mobiltelefone und Netbooks. Google braucht den freien Zugang zu Daten, denn die Datensammlung ist die Grundlage des Geschäftsmodells. Apple ließ im Zuge des Streits um die zensierten Inhalte – konkret ging es beispielsweise um das Seite-eins-Mädchen der “Bild”-Zeitung, das Apple nicht zeigen wollte – wissen, dass, wer unzensierte Inhalte wollte, doch bitte schön Android nutzen solle (genauer hieß es, wer Porno sehen wolle, der möge Android nutzen).

Apple ist ein technischer Dienstleister – mehr nicht

Was im Moment nach moralisch sauber und als politisch korrekt im als prüde verschrienen Amerika gelten könnte, trifft im nächsten Moment vielleicht politische, ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten. Wenn ein technischer Dienstleister sich zum Herrn über den Content aufspielt, dann gnade uns Gott. Nun ist die Datenkrake Google nicht frei von Schuld. Der Datensammelexzess im Zuge der Street-View-Fotoaktion ist nur ein Beispiel, für das sich der Konzern schämen muss. Es ist deshalb auch nicht an Google, den ersten Stein auf Apple zu werfen. Es steht aber hier auf einer höheren Ebene – und da sind wir wieder beim Dualismus – mehr auf dem Spiel.

Illusion eines neuen Paradiesgartens

Das offene Netz ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Einer technischen Offenheit korrespondiert der freie Verkehr von Inhalten. Wenn wir zulassen, dass das zurückgeführt wird, werden aus der global vernetzten Menschheitsfamilie wieder parzellierte Inseln, die dann auch noch von der Gunst eines Konzerns abhängen. Die Apps sind nicht das Problem. Sie sind wahrscheinlich der einzige Weg, auf dem Verlage wie auch The European künftig von seinen Lesern Geld für die Inhalte erhalten wird. Das Problem ist die Preispolitik und die Zensur von Inhalt. Apple kann schöne Produkte bauen. Darauf sollte sich der Konzern beschränken. Sagte nicht ein bekannter Gnostiker: Schuster, bleib bei deinen Leisten?

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