Taliban in Nadelstreifen

Alexander Görlach12.05.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Der Kampf um den Euro hat die Form eines Krieges angenommen. Nicht die eines normalen Krieges, sondern eines asymmetrischen. Zwischen dem Vorgehen der Spekulanten und dem der Taliban sind deutliche Parallelen erkennbar.

Der Ausdruck entspricht vielleicht nicht der Parlamentssprache: “Taliban in Nadelstreifen.” Gesine Lötzsch von der Linken hat aber, als sie den Begriff im Bundestag verwendet hat, dennoch ziemlich genau das auf den Punkt gebracht, was im Moment auf dem internationalen politischen Parkett passiert.

Asymmetrische KriegsfĂŒhrung

Der Euro wird angegriffen – und damit unsere politische Ordnung, die Sicherheit in der EuropĂ€ischen Union. Und unser Wohlstand. Die nackte Angst grassiert: Was passiert mit unseren Rentenfonds und mit unseren SparbĂŒchern? Wir sprechen im Krieg gegen die islamistischen Taliban von asymmetrischer KriegsfĂŒhrung. Worin liegen die Parallelen zu den Finanz-Taliban? Unser Feind ist unsichtbar: Es hieß in mehreren Meldungen am vergangenen Wochenende, dass “die Wall Street” gegen unsere EinheitswĂ€hrung spekuliere. HĂ€ndler wollten auf die Pleite einzelner Euro-Staaten und das Ende der WĂ€hrungsunion wetten. Der Feind hat kein Gesicht, er kann ĂŒberall sein. “Der Spekulant” agiert aus dem Hinterhalt. Die MĂ€chtigen der Welt rĂŒcken zusammen. Der Anschlag auf den Euro ist so gefĂ€hrlich wie die AnschlĂ€ge von 9/11. Auch hier gibt es Tote, in Athen sterben drei Menschen. Der BĂŒndnisfall tritt ein. Grundlage hierfĂŒr ist der Artikel 122 des Vertrags von Lissabon. Die Welt wird sich auf Jahre nicht erholen. Wir haben uns von 9/11 noch nicht erholt. Die Welt ist immer noch voller Taliban. Sie ziehen von Pakistan weiter in den Jemen. Spekulantenfreundliche Standorte wird es weiterhin geben. Die Koalition der Willigen hat sich zusammengefunden und ĂŒber die Finanz-Terroristen obsiegt. Vorerst. Und nachhaltig zum Schaden der Union. Sie ist jetzt eine Transferveranstaltung mit ĂŒberschuldeten Mitgliedern. Wird sie den nĂ€chsten Angriff ĂŒberstehen? Es wird sich nichts Ă€ndern. Seit Herbst 2008 folgt eine Beteuerung auf die nĂ€chste: Dem Finanzmarkt (es klingt wie eine unpersönliche GrĂ¶ĂŸe) werde man Ketten anlegen. Man werde ihn domestizieren. Die G20 haben gesprochen – und noch nichts geĂ€ndert. Auch die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union selbst sind nicht als die grĂ¶ĂŸten Aktivisten aufgefallen. Wollten sie ĂŒberhaupt etwas Ă€ndern? WĂ€re Osama bin Laden nicht schon gefunden, wollte man ihn wirklich finden? Es findet ein Kampf der Kulturen statt. Wer hat das Primat? Die Wirtschaft oder die Politik? Es ist ein Glaubenskampf. Die Finanz-Taliban fĂŒhren den Götzen mit sich, den Fetisch des freien Marktes. Ob er am Ende des Krieges mit dem Gesicht nach unten im Staub liegen wird? In God we trust.

Es sind nur einzelne Menschen gierig

Wie bei dem verheerenden Bombardement in Kunduz, bei dem die Taliban nicht von den zivilen Afghanen zu unterscheiden waren, so sind auch im vorliegenden Fall nicht alle Banker Terroristen. Schuld ist individuell. Es sind nur einzelne Menschen gierig. Oder ist es doch das unmoralische System der Hedgefonds-Finanzwelt, das alles mit sich reißt? Systeme, so viel kann an dieser Stelle gesagt werden, haben die Eigenschaft, sich selbst zu erhalten, koste es, was es wolle. Dass wir den Kampf aufgenommen haben, war daher unvermeidlich.

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