Macht ist sexy

von Alexander Görlach8.01.2014Gesellschaft & Kultur

Wie könnte jemand behaupten, dass ihn Macht nicht interessiert?

Was, wenn Sex Macht ist? Wenn es keine Sexualität gibt, die ohne Über- und Unterordnung auskommt? Anders als oft behauptet, entstehen Machtstrukturen nicht erst durch Sex – er selbst ist bereits Machtausübung. Damit ist das Wichtigste über den Menschen gesagt: Macht bestimmt ihn.

Dabei reicht es nicht aus, Macht als den elementaren Baustein menschlicher ­Sexualität zu beschreiben. Dominieren und Unterwerfen halten den gesellschaftlichen ­Organismus am Laufen. Heute herrsche ich, morgen ein anderer. Heute habe ich Macht über andere, morgen hat ein anderer Macht über mich.

So gesehen – wird gerne interpretiert – hat niemand Macht. Diese auf Ausgleich ­bedachte Säuselei verschleiert die Tatsache, dass Macht, wenn sie einer in einem ­Moment ausüben möchte, absolut gebraucht wird. Jemandem, der zu Unrecht unter Macht leidet, wird es nur geringfügig Trost spenden, wenn es da heißt, dass die Macht fließt und wir sie alle doch einmal haben: Du bist halt das nächste Mal dran.

Der Macht korrespondiert die Ohnmacht. Es ist in der Regel so, dass Ohnmacht, wenn man mal einige gefällige sexuelle Spielarten außen vor lässt, dem, der sie erfährt, keinen Lustgewinn bereitet.

Das Schlimme ist, dass wir in der Erziehung darauf konditioniert werden, auf Ausgleich bedacht zu sein, als Moderatoren zu wirken. Nur, um beim Sport, spätestens j­edoch in der Adoleszenz, zu bemerken, dass diesem Ausgleich, von dem da die Rede ist, eine bisweilen übermächtig wirkende Natur gegenübersteht. Die ständige Konkurrenz, in der man sich befindet, ist Ausdruck von Machtverhältnissen, die die Natur setzt und die – bis auf den heutigen Tag – das Recht des Stärkeren sind.

Alle wollen Macht

Weder das Christentum noch der Humanismus oder die politischen (moderativen) Institutionen der Gegenwart, die zur Zivilisierung der Macht auf den Plan getreten sind, konnten oder können einen Erfolg verbuchen. Recht setzt nämlich immer noch der, der stärker ist. Oder warum sind die USA in der Lage, sich einer strafrechtlichen Verfolgung ihrer Soldaten zu widersetzen? Weil sie die Stärkeren sind. Der Stärkere ist der Dominante. Er entscheidet. Es kann nur einen geben.

Da wir aber nun mal so erzogen sind, sagte doch tatsächlich einmal jemand zu mir im Gespräch: „Weißt du, ich bin eigentlich kein Machtmensch.“ Ich weiß nicht, ob das ernst gemeint oder mein Gesprächspartner darauf bedacht war, für diese politisch korrekte Aussage Applaus zu bekommen. Fakt ist, dass mich ein Mensch wirklich nicht interessiert, der in einem solchen Unterwerfungsmodus von sich spricht. Das Gespräch war schnell beendet.

Die gesellschaftliche Kritik an Politikern, die nur an Macht interessiert seien, ist ­deshalb verlogen. Sie wird von Menschen geführt, die im Sprechen über die Motive anderer, im vermeintlichen Enthüllen des anderen, ihren eigenen Machtausdruck erleben.

Politiker, die keine Macht wollten, wären wie Vögel, die nicht fliegen wollten. ­Gesellschaften, die behaupten, dass die Gefüge, die das Leben ihrer Individuen bestimmen, nicht zuvorderst von Macht geprägt seien, werden an mangelndem Überlebenswillen eingehen oder zumindest ob der nicht vorhandenen Spannkraft zum Fürchten langweilig sein.

Wer behauptet, dass Macht ihn nicht interessiert, lügt oder hat sich schon komplett aufgegeben.

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