Vier Jahre Debatte

von Alexander Görlach30.09.2013Medien

Vor vier Jahren startete The European. Das Marktumfeld hat sich seitdem verändert – aber dank Ihnen blicken wir optimistisch in die Zukunft.

Vierter Geburtstag. Ok. Ist ja noch nicht der fünfte, und somit noch nicht mal halbrund. Ist die Dauer einer Legislatur aber – immerhin. Online gegangen ist The European drei Tage nach der Bundestagswahl 2009. Wir hatten viel zu debattieren mit Schwarz-Gelb. In welcher Konstellation die nächsten vier Jahre stattfinden werden, ist noch unklar. Da ist The European besser aufgestellt: Wir haben ein properes Online-Magazin, einmal auf deutsch, ein anderes auf englisch, daneben ein vierteljährlich erscheinendes Print-Magazin, das sich steigender Beliebtheit erfreut. Was will man mehr?

Vor allem bei dem Marktumfeld. Wo man auch hinkommt – gleich welcher Verlag – ist die Laune mies, die Umsätze gehen zurück, es wird gekündigt, verkauft oder in der Not ein neues Geschäftsfeld gesucht. Leider, muss man sagen, hat sich in unserer Branche nichts Wegweisendes getan in den vergangenen vier Jahren. Die Frage, wie Journalismus künftig Geld verdienen soll, ist unbeantwortet. Damit ist natürlich auch die allgemeine Frage offen, wie Journalismus in Zukunft stattfinden soll. Man kann sich dieser Thematik entweder auf hohem Niveau jammernd nähern wie die „FAZ“ oder anpackend wie die „Welt“.

Es gibt immer etwas zu debattieren

Allen gemeinsam jedoch ist klar, auch wenn das niemand gerne ausspricht: Es wird kleiner, viel kleiner, zugehen im Journalismus der Zukunft. Für die Masse fliegt das Niveau tief, bei niedrigem Stückpreis aber voll mit Werbung und Pröbchen und _hast-Du-nicht-gesehen_. Dafür braucht man viele Leute, die tagein, tagaus eine Masse an Inhalt produzieren. Das kostet wieder Geld. Die Margen sind klein, weil die Werbetreibenden für den Pöbel, an den sie verkaufen wollen, nicht viel Geld pro Leser ausgeben. Nicht umsonst sind die größten Portale der Republik nicht annähernd so gewinnbringend wie das früher bei gedruckten Magazinen der Fall war.

Auf dem so genannten hohen Niveau (wo auch The European herumspaziert), wird es kleine Redaktionen geben, die viel Energie darauf verwenden werden müssen, ein anständiges Stück zu produzieren. Die Leute, die hochwertige Inhalte lesen, lesen vieles andere auch – meist schon von Berufs wegen. Die muss man mit hohem Niveau binden. Leider gehören diesem Publikum viele Billigheimer an. Es steht nicht zu erwarten, dass man diese Leser_innen* in großer Zahl mit angemessenen Abo-Modellen locken kann, online für Inhalte zu bezahlen.

Überhaupt: Selbst im Print leben die großen Akteure bereits heute von der Substanz. Die Anziehung neuer Kunden ist schwierig. Da selbige von Abo-Prämien verwöhnt sind, kündigen sie schon mal nach einem Jahr, um noch mal geworben zu werden – und um eine neue Prämie zu erhalten. Bei uns gibt’s übrigens Klassik-CDs als Abo-Geschenk. Schön, oder? Jedes Jahr dieselbe, damit hier niemand auf dumme Gedanken kommt.

Dieses Marktumfeld macht uns bei The European aber alles andere als mürbe. Es gibt immer etwas zu debattieren. Wir haben das in vier Jahren mit über 2.500 Autorinnen und Autoren aus mehr als 45 Ländern unternommen, darunter Nobelpreisträger, dekorierte Literaten, Künstler, Schauspieler, Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Wir glauben, dass wir zur Diskurskultur in unserem Land einen Beitrag leisten und wissen, dass wir zu einem bekannten und respektierten Medium geworden sind.

Die perfekte Lösung gibt es nicht

Wir haben unsere Idee, ein Debatten-Magazin machen zu wollen, von Anfang an konsequent ausgerollt. Wir hatten viele Unterstützer, die uns begleitet haben: als Autorinnen und Autoren, als Ratgeber in der Sache, als Multiplikatoren. Ein herzliches Dankeschön! Wenn ich immer _„wir“_ schreibe, meine ich nicht mich im _pluralis modeastiae_ oder gar _pluralis majestatis_ (wenn sogar der Papst darauf verzichtet, ich meine, also…). Damit meine ich das Team von The European. Viele der Kolleg_innen* sind schon seit vier Jahren dabei. Wir teilen gemeinsam die Vision einer meinungsstarken Debatte in einer offenen, pluralen und säkularen Demokratie. Wir wissen, aus konkreter Anschauung aus den Redaktionssitzungen zum Beispiel, dass dieser Anspruch manchmal nervt. Manchmal hätte man ganz gerne einfach die perfekte Lösung einfach so. Geht aber nicht.

Wer dieses Jahr als Medium überlebt, so sagte mir zu Jahresbeginn eine Vorstands-Charge aus einem großen deutschen Verlagshaus, der hat etwas geleistet. Im Moment sieht es sehr gut aus für The European. Das heißt aber nicht, dass Sie, die werten Leserinnen und Leser, nicht zu Weihnachten an möglichst viele Ihre Freund_innen* ein Abo unseres Print-Magazins verschenken können. Hier geht’s zum Abo-Shop!

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