Heiter bis sonnig

von Alexander Görlach12.09.2013Wirtschaft

Berlin als Start-up-Standort hat in den letzten 14 Monaten, in denen diese Kolumne erschien, viel Aktivität erlebt. Auch wenn nun der Winter Einzug hält in Berlin, bleiben die Aussichten heiter.

Der Winter blieb in diesem Jahr in Berlin so lange wie möglich und der Herbst kommt so früh wie möglich. Das Wetter hier mag für Müßiggänger, die sich bekanntermaßen gerne im Freien aufhalten, nicht zweckmäßig sein. Für den arbeitsamen Unternehmer hingegen ist es das beste, was passieren kann: So kann er den Verlockungen der freien Luft widerstehen und noch zwei, drei Stunden länger arbeiten.

Die Meteorologen möchten uns glauben machen, dass das nächste Wochenende noch mal etwas Sonne in die Kapitale bringt, aber ihre Vorhersagen sind häufig in etwa so exakt wie es die Prognosen der Meinungsforschungsinstitute vor den beiden letzten Bundestagswahlen waren. Am Ende machen wir uns hier lieber ein paar warme Gedanken, dann sind wir auf der sicheren Seite.

Politik im Dialog mit der Branche

Gedanken, die von innen wärmen, kommen bei mir auf, wenn ich an die nun ausklingenden vierzehn Monate denke, in denen ich diese Kolumne Newconomy geschrieben habe. Berlin als Start-up-Standort hat in dieser Zeit viel Aktivität erlebt: Der Bundespräsident hat die Factory besucht, den Partner dieser Kolumne. Klaus Wowereit ebenfalls. Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat in dieser Zeit den Dialog mit der Branche begonnen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat die Start-up-Industrie für sich entdeckt und sich nicht nur mit seiner Forderung, einen zweiten neuen Markt zu eröffnen, für das Wachstum der Digitalen stark gemacht. Und: Die Bundeskanzlerin hat zu einem Empfang eingeladen; rund 150 CEOs sind ihr in die Kulturbrauerei gefolgt.

In der nun zu Ende gehenden Legislatur hat sich die Enquete-Kommission für Internet und digitale Gesellschaft mit vielen Fragen des digitalen Wandels beschäftigt und die Themen in die Mitte des deutschen Bundestages geholt. Dabei waren die Parlamentarier der verschiedenen Parteien oft Partner in der Sache, da sie in ihren Fraktionen eher als die Exoten galten.

In den Kolumnenbeiträgen sollte immer wieder das Zu- und Miteinander von alter und neuer Ökonomie herausgestellt und gestärkt werden. Für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland ist dieses Miteinander entscheidend. Oft sind es Mentalitätsunterschiede, aufgrund derer die beiden Bereiche miteinander fremdeln. Die jungen T-Shirt-Träger aus der Hauptstadt mit den bunten Socken und den viel zu großen Brillengestellen auf der einen Seite und die eingesessenen Mittelständler aus den Regionen der Republik auf der anderen Seite. Dass den klassischen Unternehmen ein Spritzer Innovation gut tut, ist eine Wahrheit. Und viele der neuen Player sind im Kern mittelständische Unternehmen. Die allerwenigsten wachsen zu einer solchen Größe heran, dass sie international relevant werden.

Für das Team, für die Idee

Die Branche braucht Kapital, um weiter wachsen zu können: Das muss von den klassischen Playern kommen, die sich so Zugang zu neuem Wissen und neuen Geschäftsmodellen ins Haus holen. Das sensible Ökosystem Start-up-Industrie muss weiter wachsen können, wie eine pflegeintensive Grünpflanze. Beschlüsse wie die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen, die eigentlich für neue Investitionen steuerfrei geblieben waren, sind keine gute Idee aus der Politik gewesen. Zum Glück wurde die Bundesratsinitiative abgeschmettert – was nicht zuletzt daran lag, dass sich die Start-up-Branche in den vergangenen Monaten deutlich professionalisiert hat was ihre Interessensvertretung betrifft.

Im Prinzip reichen diese wenigen Gedanken, um sich den Strickpullover vom Leib zu ziehen und noch eine Stunde dranzuhängen, für das eigene Start-up, für das Team, für die Idee. Der Winter darf trotz allem Enthusiasmus 2014 gerne schon im Februar zu Ende sein. Man kann auch mit dem Laptop draußen arbeiten.

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