Start-up-Fußball

Alexander Görlach27.05.2013Gesellschaft & Kultur

Jürgen Klopp führt seinen Verein wie ein Start-up. Der große Corporate hingegen ist Bayern München.

Man muss sich vergegenwärtigen, was Jürgen Klopp vor dem großen Spiel in London der englischen “Zeitung „Guardian“”:http://www.guardian.co.uk/football/2013/may/21/jurgen-klopp-borussia-dortmund-champions-league gesagt hat. Sinngemäß hieß es da, als der Trainer von Borussia Dortmund darauf angesprochen wurde, dass immer wieder junge und sehr gute Spieler seine Mannschaft, meist Richtung Bayern München, verlassen: Seine Spieler brauchen Geduld, gemeinsam könnten sie mit ihm aus dem BVB eine ebenso weltweit beachtete Mannschaft machen wie es beispielsweise der FC Bayern München sei.

Es wird vielleicht erst beim zweiten Mal Lesen deutlich, wo hier eine gewisse Gründerlogik in der Aussage Jürgen Klopps versteckt ist: Man kann mit einem Verein im Wachstum vereint bleiben oder zu einem größeren Verein wechseln. Für mich klingt da die Unterscheidung an, die zwischen großem Corporate und Start-up gemacht wird.

Bayern München ist das große Unternehmen: Der Verein hat viel Geld, er hat viele Titel geholt, ist auf dem internationalen Parkett mehr als bewandert. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass in vielen Winkeln der Welt Bayern München das Einzige ist, was die dort Heimischen von Deutschland kennen. Und da ist der Underdog, das Start-up, das Unternehmen BVB, dem Jürgen Klopp neue Akzente mitgibt, eine vorher nicht gedachte Zukunft aufzeigt, ein gutes Team zusammenstellt, dem er, wie jeder Gründer, eine Vision mitgibt.

Die großen Player können lernen

An dieser Vision müssen alle gemeinsam arbeiten. Dafür braucht man Geduld. Ist klar. Und Widerstandskraft. Es ist natürlich eine Versuchung, wenn man als Spieler mit Anfang zwanzig die Einladung erhält, für Bayern München zu spielen. Die Manager der Spieler, deren Bezüge sich an den Vertragssummen bemessen, werden den Teufel tun und aus ihren Zöglingen Start-up-Unternehmer machen. Das liegt nicht in ihrem Interesse. Und deshalb ist die Fußball-Industrie so wie sie ist. Jürgen Klopp hat daher selbstkritisch bei einer Pressekonferenz jüngst darauf hingewiesen, dass auch der BVB schon anderen Vereinen gute Spieler weggekauft habe.

Die Spieler, die beim BVB sind beziehungsweise in der nächsten Zeit dorthin kommen werden, werden sich fragen müssen, ob sie im Sinne Klopps Mitgründer sein wollen, also mitarbeiten wollen an der Vision, diesen Verein zu einem neuen Dauerteilnehmer der Champions League zu machen. So muss sich jeder Spieler selbst fragen, ob er lieber zum größeren Verein wechselt oder selbst daran mitarbeitet, dass sein Verein groß wird. Er steht also wie ein Start-up vor der Entscheidung: früher Exit oder ein globales Business aufbauen?

Dass Kloppo mitreißen kann, hat er schon in Mainz bewiesen. Bei seinem Weggang war sogar der Hohe Dom mit einer 05er-Fahne geflaggt. Dass er noch einen draufsetzen kann in einer Industrie, deren Gepflogenheiten einen durchaus neuen, anderen Spirit gebrauchen können, hat er in der nun zu Ende gegangenen Saison bei Dortmund unter Beweis gestellt. Wie im echten Leben können die größeren Player, also die Corporates wie Bayern, etwas von diesem Vorgehen lernen.

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