Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Bertolt Brecht

Meet and Greet in Ireland

Länder wie Irland werben um ihren Standort – auch in der Start-up-Industrie. Höchste Zeit, dass auch wir die Netze auswerfen.

Sein Glück sucht man bekanntlich da, wo sich die meisten Möglichkeiten bieten. Doch wo ist das? Wenn es um das Wohlbefinden am Arbeitsplatz geht, sprechen Experten gerne von weichen und harten Faktoren, die das Wohlbefinden kreieren. Erfassen diese Faktoren – eine lebenswerte Stadt, eine spannende Aufgabe – alle Aspekte der Person? Fast alles – es gibt noch das Tüpfelchen auf dem I. Und das ist die Erzählung, die sich mit dem Schritt verbindet, alles hinter sich zu lassen und woanders etwas Neues zu starten.

Die grüne Insel kann mehr als Butter und Katholizismus

Bestes Beispiel ist das Versprechen des amerikanischen Traums, ein nahezu immerwährendes Storytelling. Die Verheißung vom Glück, die Möglichkeit, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu schaffen. Diese Erzählung ist in der ganzen Welt bekannt. Das deutsche Narrativ ist das von der Gründlichkeit und der Pünktlichkeit. Auch schön.

Als die Amerikaner im Jahr 2008 zum ersten Mal einen farbigen Präsidenten wählten, war der Tenor in der internationalen Presse: Das Land erfindet sich einmal mehr neu. Der amerikanische Traum startete eine neue Offensive.

Was machen weniger bekannte Länder wie Irland? Oder Länder, die ihre Erzählung gerne erweitern würden (oder sollten) wie Deutschland?

Diese Woche war ich beim CEO Dinner, einer Veranstaltungsreihe, die in Deutschland und anderenorts Start-up-Unternehmer, Geldgeber und kluge Köpfe zusammenführt. Sponsor war Irland. Das Land in der EU, das es bislang am ehesten geschafft hat, sich nach der Krise zu erholen. Eine Bevölkerung, die trotz eiserner Anstrengungen und Einsparungen eine pro-europäische Regierung gewählt hat. Die grüne Insel kann mehr als Butter und Katholizismus. Das Land präsentiert sich – wie beim CEO Dinner – als weltoffen und neuen Wirtschaftszweigen zugeneigt. Die IDA, das „be Berlin” des Inselstaates, ist die staatliche Einrichtung, die sowohl in den USA als auch auf dem Kontinent versucht, Unternehmer für Irland zu begeistern.

Die Geschichte auch mitprägen

Ein gutes Beispiel für Deutschland. Wir können nämlich mehr als Waschmaschinen und Autos. Die neue Geschäftsmodelle, die in Deutschland entwickelt werden, werden auch andernorts mit Interesse betrachtet. Erfindergeist 3.0 – wenn man so ein Punktnull-Bild verwenden möchte. Im Prinzip geht es darum, das Narrativ von Deutschland zu erweitern: ein Land, in dem Gründergeist herrscht. So wie einst, als das Auto erfunden wurde. So auch heute wieder.

Diese Aufgabe kann man weder an die Politik abschieben noch im Alleingang bewältigen. Es ist gut, dass der Bundeswirtschaftsminister Start-up-Unternehmer in seiner Entourage hat, wenn er ins Ausland fährt. Es ist gut, wenn die Bundeskanzlerin sich nunmehr in regelmäßigen Abständen mit Start-up-Vertretern trifft. So wie die Iren müssen wir es schaffen, im Verbund nach außen zu gehen und Deutschlands neues Narrativ verbreiten. Das spricht alle diejenigen an, die vielleicht darüber nachdenken, hierher zu kommen und zu arbeiten oder im Ausland bei Ablegern deutscher Unternehmen anfangen – Wummelkiste, ein Online-Dienst, der Bastelspielzeug für Kinder versendet, hat jüngst in New York ein Büro aufgemacht. Nicht nur Teil dieser neuen Geschichte sein, sondern sie auch mitprägen: Dazu müssen wir alle nachhaltig einladen.

Newconomy ist die neue Kolumne der Berliner Start-up-Industrie. Sie beschreibt Szenen auf der Schnittstelle zwischen neuer und klassischer Ökonomie, zwischen Politik und Unternehmertum. Newconomy ist gesponsert durch die Factory, der neue Start-up-Standort in Berlins Mitte
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