Der Fußball ist einer der am weitesten verbreiteten religiösen Aberglauben unserer Zeit. Umberto Eco

Gutt-Bye!

Der überfällige Rücktritt Guttenbergs hat das Land vom Abdriften in eine Bananenrepublik bewahrt. Er hat die Union vor einer Randale der Akademiker und Wissenschaftler im Adenauer-Haus bewahrt. Allerdings bleibt noch in seinem Abschied fraglich, ob der Ex-Minister überhaupt verstanden hat, warum er seine Ämter losgeworden ist. Wenn er das verstehen lernt, steht ihm der Weg zurück in die Politik offen.

Das war sie, die Karriere des Freiherrn aus Bayern. Für den Moment. Denn so viel ist sicher: Karl-Theodor zu Guttenberg wird in die Politik zurückkehren. Aber: Dann wird es ein anderer „KT“ sein.

Karl-Theodor zu Guttenberg mag sich über die Presse ärgern, aber vielleicht haben wir ja recht, wir die Beobachter, die in seinem Verhalten ein bestimmtes Muster zu erkennen glaubten: Erst „angemessen“, dann „unangemessen“. Erst „keine Vorverurteilung“, dann „es reicht“. Erst „abstrus“, dann „Blödsinn“. Wir können ihm nur bis vor die Stirn schauen, wir tun ihm folglich vielleicht Unrecht, wenn wir behaupten, dass der Mann nicht weiß, was er tut. Dass er ein Heißsporn ist. Es ist aber weder unlauter noch unplausibel, ihn für unentschlossen, lavierend zu halten. Für einen Blender.

Auf dem Weg in die Bananenrepublik

Der Rücktritt des Ministers kommt gerade noch zur rechten Zeit: noch rechtzeitig, um weiteren Schaden von der politischen Klasse im Land abzuwenden, noch rechtzeitig, um weiteren Schaden von der Union abzuwenden. Was für ein Land wäre das denn, in dem eine Kassiererin nach Jahrzehnten ihren Job verliert, weil sie abgelaufene Maultaschen klaut oder einen Pfandbon einlöst, den sie gefunden hat, ein Minister aber im Amt bleibt, den man des Betrugs überführt? Eine Bananenrepublik wäre das! Was wäre das für eine bürgerliche Partei, die sich auf das Votum der Menschen im Land verlässt, die nicht so genau wissen, wie und was und warum und so mit einer Promotion, gleichzeitig aber der Hort des Bildungsbürgertums sein will? Eine Farce wäre eine solche Partei!

Für die CDU hat die Rebellion der Wissenschaftler und der Doktoranden ein Gutes: Sie sieht, dass ihre Anhänger noch mobilisierungsfähig sind. Das war lange Zeit nicht klar. Es ist das bürgerliche Lager, das gegen das Plagieren des Herrn zu Guttenberg opponiert hat. Der Doktortitel ist der einzige Adelstitel der bürgerlichen Gesellschaft.* Den wollte sich das Bürgertum, den wollten sich die, die sich ihn hart erarbeitet haben, gleich aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie kommen, nicht nehmen lassen.

Am Mythos Guttenberg wird schon gearbeitet

Der Trotz, den der Baron in seiner Pressekonferenz gegenüber der Presse gezeigt hat, die ihn angeblich aus dem Amt gemobbt habe, ist das erste sichere Zeichen dafür, dass er seine Wiederkehr in die Politik plant. In ein, zwei Jahren wird er sagen können, er sei aus dem Amt vertrieben worden. Hier wird schon eifrig am Mythos Guttenberg gearbeitet. Und es werden Fakten verdreht: Er hat sich selbst aus dem Amt gedrängt. Nicht die Presse hat abgeschrieben, sondern er. Nicht die Presse hat laviert, sondern er. Ursache und Wirkung haben eine zeitliche Abfolge und können nicht beliebig vertauscht werden.

Nun ist aber erst einmal gut damit: Der ehemalige Bundestagsabgeordnete, der ehemalige Bundesverteidigungsminister hat mit seinem Rücktritt das Recht erworben, sein Leben in Ordnung zu bringen. Selbst Gregor Gysi hat darauf hingewiesen. Der Mann wird schon wissen, warum er an dieser Stelle Milde walten lässt. Ich habe hier vor einer Woche noch geschrieben, dass der, der Buße tut, auch auf Vergebung hoffen kann. In seiner Rede, wenngleich gut versteckt, hat Karl-Theodor zu Guttenberg anklingen lassen, dass ihm seine Verfehlungen gewahr werden. Vielleicht bringt die Zeit einen reifen, echten und ehrlichen Karl-Theodor zu Guttenberg hervor. Ich würde es ihm wünschen.

*Dieser Satz ist ursprünglich nicht von mir; er ist in einem vertraulichen Gespräch gefallen, weswegen ich den Urheber nicht nennen kann, aber dennoch darauf hinweise, dass dieser schöne Satz nicht Produkt meines Geistes ist.

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