Gut ist nicht gut genug

von Alexander Görlach27.12.2012Wirtschaft

Oft sind die Lösungen, die als die besten erscheinen, noch nicht die besten. Auf Dauer kann ein neues Unternehmen nicht bestehen, wenn es immer nur auf 2+-Lösungen setzt.

Es gibt einige Regeln, die für den Erfolg eines Start-ups unerlässlich sind. Das sind Regeln, die sofort einleuchten: Man braucht ein gutes Gründer-Team. Man muss die Kostenbasis im Blick behalten. Das Team baut das Produkt. Sie müssen für ihre eigene Geschäftsidee glühen. Ein Vorteil, den junge Unternehmen immer haben gegenüber etablierten, großen Playern ist, dass sie auf einer besseren Kostenbasis operieren können.

Daneben gibt es weitere Regeln, die umzusetzen sehr viel Mühe kosten und die man daher versucht ist, aus dem Blick zu verlieren. Wenn die Arbeit beginnt, werden viele Entscheidungen getroffen. Oft müssen sie schnell getroffen werden. Man beginnt im Eifer des Gefechts Konzessionen zu machen: an die Umstände, den Zeitdruck, das Leben, den Kosmos. Wichtig ist aber, hart zu bleiben und immer die noch bessere Lösung zu suchen.

Ein gutes Anwendungsbeispiel für die Regel „Gut ist nicht gut genug“ ist die Mitarbeiterauswahl: Das Gründer-Team steht und es müssen neue Mitarbeiter gesucht werden. Die Auswahlprozesse sind zeitintensiv: Erstellen von Jobbeschreibungen, Einladen zu Vorstellungsgesprächen, das Vorstellungsgespräch, die Nachbereitung. Es kommt vor, dass man Aspiranten hat, die zu 90 Prozent passen, aber Fragen offen bleiben. Was tun? Die Zeit drängt.

Mitarbeiter sind der Schlüssel

An der Stelle ist es wichtig, hart zu bleiben und weiter zu suchen. Die Fortführung der Regel „Gut ist nicht gut genug“ lautet „Immer auf Exzellenz achten“. Das klingt nach Universitätsranking. Macht nichts. Die Erfahrung ist, dass man, gerade, wenn das Unternehmen jung und aktiv ist, sehr gute Mitarbeiter braucht, die mitdenken, die Vision teilen und ihren Job gut machen. Entscheidet man sich hier für die 2+-Variante, hat man hinterher den Stress.

Wie findet man denn solche Mitarbeiter? Es ist ja kein Geheimnis, dass die meisten Start-ups nicht die Gehälter zahlen können, wie es Mitbewerber in der Old Economy tun. Hier gibt es Ein-, Zwei- und Dreiklänge. Leitende Mitarbeiter werden über ein monatliches Fixum, einen Bonus am Jahresende und einen Share am Unternehmen eingebunden (Dreiklang). Bei Mitarbeitern, die nicht auf der leitenden Management-Ebene tätig sind, kann es Bonus und Fixum sein. Der Mitarbeiter, der „nur“ ein normales Gehalt bezieht, hat meistens viel mehr Beinfreiheit, Gestaltungsmöglichkeiten als in klassischen Unternehmen.

Was für Mitarbeiter gilt, gilt für alle Entscheidungen, die das Unternehmen trifft, sei es im Marketing, im Vertrieb. Es muss immer mehr gewollt und umgesetzt werden als das, was einem als Erstes in den Sinn kommt.

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