Hier lang zum KZ-Betrieb

Alexander Görlach3.02.2016Innenpolitik

Die AfD ist eine Nazi-Partei. Nichts anderes. Auf Menschen schießen, ganz viele von ihnen, weil sie einem nicht in den Kram passen: ein Genozid in den Köpfen – noch. Die Neo-Nazis wollen im März in die Landtage. Gnade uns Gott.

Deutschland ist um eine Sau reicher, die durch das Dorf getrieben wird. Nun also der Schießbefehl auf Flüchtlinge: Männer, Frauen, Kinder. Was kommt denn als nächstes: die Zwangskastration von Syrern, damit sie in Deutschland keine Kinder mehr zeugen werden? Verrückt, einfach nur verrückt und gegen unsere AfD-Frauen Petry und Storch wirkt Sarah Palin fast schon wie eine Haschplätzchen backende Hippie-Mama. Die Deutschen können sich nun endgültig ihr von-oben-herab gegenüber den ungebildeten, wie sie gerne sagen, Amerikanern schenken. Denn auch bei uns ist nun der Diskurs so verroht, dass der AfD-Schießbefehl sogar ein neues globales Allzeittief der Abgefucktheit markiert, von dem sich selbst Donald Trump noch was für seinen Wahlkampf abschauen kann (und wahrscheinlich auch wird).

Wir sind in Deutschland Anno 2016 wieder an dem Moment angekommen, wo man nicht genug fressen kann, um durch eine ausreichende Kotzmenge seinen Ekel zu markieren. Es wird doch tatsächlich in einigen Foren darüber diskutiert, dass die Front-Frauen der AfD Recht haben, wenn sie sagen, was sie sagen, denn natürlich habe der Polizist und mit und durch ihn der Staat die Gewalt in Händen, die geradezu zum Waffeneinsatz ermahne und verpflichte. Gut, müssen wir wir hier also einen Diskurs wieder beleben, den wir, ebenso wie das Liebermann-Zitat schon längst eingemottet hatten: den von den Sekundärtugenden. Das sind, genau, die, mit Hilfe derer man auch ein KZ führen kann, wie Oskar Lafontaine einmal Helmut Schmidt vorwarf. Im Kern und auf die Begründung des Schießbefehls bezogen geht es darum: ein Polizist kann sein Waffe einsetzen, er muss aber nicht. Und es gibt auch Fälle, in denen darf er es nicht. Weil die Moral über dem Einsatzbefehl oder einer Verordnung steht. Es ist eben ein Unterschied, ob man in einem KZ oder in einem Kaufhaus arbeitet. Es ist ein Unterschied, ob man sich als Polizist verteidigt oder auf Unschuldige schießt.

Parallelen zum dritten Reich?

Das als tugendhaft verstandene mannhafte, pünktliche, effiziente, gehorsame und nicht hinterfragende Deutschtum war es, was unsere Vorfahren dazu trieb, “dem Führer” die Gefolgschaft zu schenken und zu erhalten. Jede Tugend lebt aber auf ein Ende hin und besteht nicht um ihrer selbst Willen. Das Ende muss gut sein, sonst wäre es ja eine Un-Tugend. Das heißt: auch wenn ein Polizist eine Waffe hat, schießt er damit nicht auf wehrlose Männer, Frauen und Kinder. Dieser Schuss wäre kein formal korrekter Akt des Rechtstaats, sondern ein Fanal der Barbarei. Dass man darüber überhaupt diskutieren muss, zeigt das Maß an Verrohung, Verelendung und Entchristlichung von Teilen unserer Gesellschaft, also der Ent-abendlandung des Abendlands. Unsere großen Philosophen, unsere Lehrer und Denker und nicht zuletzt Christus selbst sind kurz davor, selbst wieder zu Flüchtlingen zu werden.

Was ist ein ethischer Imperativ? Das Gute zu tun und das Böse zu lassen, antwortet der heilige Thomas von Aquin auf diese Frage. Der große Philosoph, der wiederum beim heiligen Albertus Magnus in Köln in die Lehre gegangen ist: ad faciendum bonum et remurmurare malum – das Gute ist zu tun und gegen das Böse ist aufzustehen, zu protestieren. Wo ist also nun der Aufstand gegen das Böse, das sich so ungeniert wieder auf Deutschlands Straßen zeigt? Der Aufschrei muss bis nach Amerika zu hören sein: Nein, zu diesem Protest gibt es keine Alternative. Hier gibt es kein “Nein, aber”, denn das Böse ist immer böse, ist absolut böse und zielt auf das Böse. Zu allen Zeiten, an allen Orten. End of Story.

Christen dürfen nicht mit AfD sympathisieren

Weil immer mal wieder davon die Rede ist, dass auch Christen mit der AfD und Pegida sympathisierten, hier eine kurze Parenthese: solche gab es im Dritten Reich auch. Sie lagen falsch, sie hätten es besser wissen können und auch müssen, wenn sie auf Thomas gehört hätten oder auf die Worte des Herrn, der spricht: “Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.”(Mt. 25,39) Der Unrat, mit dem AfD und Pegida schwanger gehen, sind mit dem Geist des Neuen Testaments nicht vereinbar.

Das Schwierige nun, für Glaubende und Nicht-Glaubende, ist, was das Gute ist, das es zu fördern gilt und wie man das Böse erkennt, gegen das es aufzubegehren heißt, und wie man ihm widersteht? Die Theologen des Mittelalters würden hier nicht nur Zuflucht in der Heiligen Schrift und der Tradition des Glaubens suchen, sondern den gesunden Menschenverstand und die ratio auf den Plan rufen. Und diese beiden lehren, sofern intakt, dass man wehrlose Menschen nicht erschießt.

Wenn man sich auf den Weg begibt, die unbedingte Empathie für den Mitmenschen und den Respekt vor seinem Leben um eines scheinbaren Argumentes Willen oder aufgrund einer behaupteten neuen Sachlage aufzuweichen oder zu diskutieren, gerät man auf die unmoralische, Verderben bringende und gottlose Bahn. Einen solchen Absturz kann man nur vorbereiten, in dem man Nebelkerzen wirft, das Volk verdummt und es in den Glauben zu wiegen trachtet, dass das Angesprochene, nämlich der Schießbefehl, in der Weise rechtens sei, als er der Aufrechterhaltung der Ordnung diene.

Der Bürger der Gegenwart sollte aber nicht mehr das Stimmvieh und das Kanonenfutter sein, der er im Kaiserreich und im Dritten Reich war. Es wundert natürlich nicht, dass diese Realität in den Köpfen der AfD-Front nicht angekommen ist. Dort ist unser Europa der Vaterländer schon längst ein Schlachtfeld, das um seiner angeblichen Reinheit Willen und der als evident erlebten rassischen Überlegenheit der Bio-Ansässigen verteidigt werden muss. Dieses Deutschland ist aber Gottlob lange untergegangen; sein Ruf “Heil” hat Abermillionen Menschen Unheil gebracht, das Leben gekostet, darunter sehr, sehr, sehr viele Menschen, die man getötet hat, weil ihre bloße Existenz den Nazis nicht in den Kram gepasst hat. Sind wir wirklich bereit, dieser Verführung der einfachen Lösung des Flüchtlingsproblems zu widerstehen? Sind wir zivilisierte Bürger? Leben wir im christlichen Abendland? Jeder Mensch guten Willens ist nun aufgerufen, sich gegen dieses neue, alte Böse zu erheben und sich ihm entgegen zu stellen.

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